Tipps Homeoffice

Vorsicht, Stolperfalle!

Zeit frei einteilen, ungestört arbeiten, flexibel Familie und Beruf unter einen Hut bringen: Homeoffice scheint für Arbeitnehmer vor allem Vorteile zu haben. Doch wer haftet bei einem Unfall in den eigenen vier Wänden?
Kompakt hat nachgefragt.

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Zu Hause zu arbeiten bringt nicht nur Vorteile mit sich. Zu Hause zu arbeiten bringt nicht nur Vorteile mit sich.
26.09.2017
  • Von: Katrin Schreiter
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Rechnernetzwerk, Videokonferenz, Chatdienst: Die Technik macht vieles möglich. Den Unternehmen ist häufig nicht wichtig, wo die Aufgeben  erledigt werden. Hauptsache, am Ende stimmt das Ergebnis. Und die Angestellten freuen sich, ihre Zeit frei einteilen zu können. Das Arbeiten im eigenen Zuhause, im sogenannten Homeoffice, scheint zeitgemäß, die Flexibilität für beide Seiten ein Gewinn. Doch wer haftet, wenn ein Unfall passiert? „Das kommt darauf an“, sagt Dr. Till Bender. Grundsätzlich greift auch hier der Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung – allerdings mit Einschränkungen.“ Der DGB-Rechtsschutzsekretär verweist auf ein aktuelles Urteil des Bundessozialgerichts (BSG) in Kassel (Aktenzeichen: B 2 U 5/15 R).

Der Vorfall: Im konkreten Fall war eine Frau, die zu Hause arbeitet, über eine Treppe in ihre Küche gegangen, um sich ein Glas Wasser zu holen. Dabei stürzte sie und brach sich den linken Fuß. Doch die Unfallkasse erkannte den Sturz nicht als Arbeitsunfall an. Er sei nicht der betrieblichen Sphäre“ zuzuordnen, so das Argument. Die Frau klagte, das Bundessozialgericht gab allerdings der Unfallkasse recht. Es bestehe in diesem Fall kein sachlicher Zusammenhang zur betrieblichen Tätigkeit, lautete die Urteilsbegründung. Sturzrisiken im privaten Umfeld habe nicht die Unfallkasse, sondern die Klägerin beziehungsweise die Krankenkasse zu tragen.

Bender konkretisiert: „Es kommt nicht nur auf den konkreten Ort an, an dem ein Unfall passiert, sondern auf den Umstand. Etwas zum Trinken zu holen, ist eine sogenannte eigenwirtschaftliche Tätigkeit und damit Privatvergnügen."

Im Unterschied zum Büro: „Hier sind die Arbeitnehmer auf ihrem Weg in die Teeküche versichert. Wer also zu Hause seinen Dienst schiebt, wird bei der Unfallversicherung schlechter gestellt.“ Der DGB-Rechtsexperte erklärt den gesetzlichen Hintergrund: „Der Arbeitgeber zahlt die volle Unfallversicherung für seinen Angestellten.“ Er könne jedoch die Gefahren nicht überblicken, denen sich der Angestellte in seinem Homeoffice aussetzt. „Dieses Risiko muss der Arbeitgeber deshalb nicht verantworten." Für Bender ist diese Rechtsprechung nicht hundertprozentig nachvollziehbar: „Denn wer sich im Homeoffice etwas zu trinken oder zu essen holt, trägt ja genau genommen auch zur Erhaltung seiner Arbeitskraft bei“, sagt er. „Wer also im Homeoffice arbeitet, sollte sich über diesen Unterschied zum betrieblichen Arbeitsplatz im Klaren sein.“

Übrigens: Laut Rechtsprechung des Bundessozialgerichts ist auch der Gang zur Toilette nur im Betrieb versichert, nicht aber im Homeoffice. Ähnlich wie auf dem Weg zur Küche, so lautet die Begründung, sei der Beschäftigte hier im gewohnten Umfeld.

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