Tipps Probezeit

Berufsstart auf Bewährung

Die ersten Monate im neuen Job sind voller Tücken: Denn in der sogenannten Probezeit können Arbeitgeber ganz unkompliziert ihren Mitarbeitern kündigen - ohne einen Grund. Kompakt nennt die wichtigsten Regelungen und einige Tipps für die Testphase.

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In der Probezeit können Arbeitgeber unkompliziert kündigen.
01.03.2019
  • Von: Katrin Schreiter

Es hat geklappt mit dem neuen Job, das Bewerbungsgespräch ist erfolgreich gelaufen, der Vertrag unterschrieben. Doch viele Neueinsteiger sind in den ersten Monaten noch nicht so recht entspannt am Arbeitsplatz. Schließlich arbeiten sie in der Probezeit wie in einer Testphase - und können problemlos wieder auf die Straße gesetzt werden. “Die Probezeit wird oft gleichgesetzt mit der sogenannten Wartezeit des Kündigungsschutzgesetzes. Das ist aber nicht korrekt“, weiß Peter Voigt. Der Leiter der Abteilung Arbeits- und Sozialrecht bei der IG BCE erklärt: „Die Wartezeit gilt per Gesetz, die Probezeit dagegen wird vereinbart. Sie regelt eine kürzere Kündigungsfrist - diese beträgt nur zwei Wochen.“ (Paragraf 622 Absatz 3 Bürgerliches Gesetzbuch.) Im Vergleich: “Die gesetzliche Kündigungsfrist beträgt vier Wochen“, sagt Voigt.  

Maximal sechs Monate

Auch würden - aus Angst, einem Arbeitnehmer nicht schnell kündigen zu können - Probezeiten von bis zu einem Jahr vereinbart. „Doch das Gesetz erlaubt höchstens sechs Monate.“ Übrigens: “Die Probezeit kann auch verkürzt oder ganz aus dem Vertrag gestrichen werden. Vorausgesetzt, Arbeitgeber und Arbeitnehmer einigen sich darauf“, erklärt der Jurist. Doch er stellt auch klar: „Das ändert nichts daran, dass der Chef neuen Beschäftigten problemlos kündigen kann.“ Denn egal, ob Probezeit oder nicht: “Für eine Kündigung muss in den ersten Monaten kein gesonderter Grund angegeben werden. Das Kündigungsschutzgesetz gilt erst nach einer Wartezeit von sechs Monaten.“ 

Urlaub in der Probezeit?

Generell gilt: „Auch während der Probezeit können Beschäftigte Urlaub nehmen. Den Anspruch auf vollen gesetzlichen Urlaub haben sie aber erst nach Ablauf von sechs Monaten“, sagt Voigt. (Paragraf 4 Bundesurlaubsgesetz.) Der Rechtsanwalt rät, schon beim Vorstellungsgespräch mit offenen Karten zu spielen und die bereits gebuchte Reise anzusprechen. „Unklug ist allerdings, seine Urlaubswünsche gegen den Willen des Chefs durchdrücken zu wollen.“ Das könnte für den Neuling das schnelle Aus bedeuten. Auch mit anderen Forderungen oder mit Kritik sollte man sich während der ersten Zeit zurückhalten, empfiehlt Voigt. „Selbst die Schwerbehinderung – falls sie noch nicht Thema bei der Bewerbung war – würde ich verschweigen. Denn der Sonderkündigungsschutz für Schwerbehinderte greift ebenfalls erst nach sechs Monaten.“

Wie ist der Krankheitsfall geregelt?

Auch hier gilt: „Ob mit oder ohne Probezeit - erst nach vier Wochen beim Arbeitgeber hat man einen Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall.“ Eine Erprobungsphase im Schleudersitz? “Ja“, räumt Voigt ein. „Beschäftigte sind in der Probezeit schon ziemlich schutzlos.“ Doch allzu negativ will der Rechtsexperte diesen Jobeinstieg nicht sehen. Schließlich sei diese Testphase nicht nur für den Arbeitgeber ein Instrument, um dem Kollegen auf den Zahn zu fühlen. Auch der Neueinsteiger könne so Aufgabenbereich und Umfeld kennenlernen und gegebenenfalls entscheiden, ob es der „richtige“ Job für ihn ist. Übrigens: Ganz willkürlich kann der Chef dann während der Probezeit doch nicht agieren: Ehe er Mitarbeitern mitteilt, dass er ihnen während der Probezeit kündigt, muss er den Betriebsrat anhören - sofern einer existiert. „Gibt der Arbeitgeber vielleicht doch Gründe für die Kündigung an, könnte man – zum Beispiel im Falle einer Diskriminierung - juristisch dagegen vorgehen.“

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