Einer von uns

Dem Tsunami entkommen

Sobald Doris Lenz (49) den Kopf unter Wasser hat, ist sie ein anderer Mensch in einer anderen Welt.

Familie Lenz

31.01.2019
  • Von: Birgitt Hölzel

Die Verwaltungsangestellte bei der IG BCE im Bezirk München ist seit 18 Jahren leidenschaftliche Taucherin und fährt mit ihrer Familie an die besonderen Tauchplätze dieser Erde, um die wunderbare Unterwasserwelt zu erleben. So auch am 28. September 2018, als sie mit ihrem Mann und Freunden vor der Küste von Palu auf der indonesischen Insel Sulawesi auf Tauchgang ist. Bis zu 30 Meter tief tauchen die Sporttaucher. Gerade halten sie sich beim Auftauchen bei fünf Meter Tiefe entspannt an die Dekompressionszeit von einigen Minuten. »Dann explodiert plötzlich der Boden«, erinnert sich Doris. »Alles wurde schlammig und das Wasser in dieser Tiefe brodelte. Wir wussten, das bedeutet Erdbeben oder Tsunami . . .« Ab jetzt zählt jede Sekunde. Aus demWasser zu kommen, sich in Sicherheit zu bringen – und das mit voller Tauchermontur: Flossen, Pressluftflasche, Atemmaske am Körper baumelnd.

Wie sie es geschafft haben, fragt sich Doris noch heute. Über eine hohe Mauer zu klettern, an einem Metallgitter an einer Hauswand geklammert einer Tsunamiwelle zu entgehen. Und hinterher durch ein völlig zerstörtes Dorf zum Resort zurückzukehren. Vier Meter hohe Trümmerwände versperrten den Weg, über viele Kilometer hinweg waren die Häuser der Inselbewohner zerstört, teilweise einfach nichts mehr da. Es gab keine Versorgung mehr, kaum Trinkwasser, kaum Essbares, keine Kommunikation mit der Außenwelt. »Die Menschen, die selbst gerade alles verloren haben – auch Angehörige – haben sich wie selbstverständlich um uns Touristen gekümmert «, berichtet Doris. »Die deutschen Betreiber der Tauchbasis taten alles, um für uns einen Weg aus dem Chaos zu finden.« Einige Tage und viele Umwege später konnten Doris und ihre Familie wieder nach Hause fliegen. Das Erlebnis hatte Spuren hinterlassen. »Mir geht es jetzt wieder gut«, berichtet Doris, »und ich möchte mich bedanken bei diesen tollen Menschen, die uns allen so selbstlos geholfen haben.« Deshalb bittet sie darum, diese beim Wiederaufbau ihrer Heimat zu unterstützen.

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