Tipps Probearbeit

Auf Schnupperkurs

Probearbeiten ist mittlerweile in vielen Branchen üblich — und kann Arbeitgebern und Bewerbern wertvolle Erkenntnisse bringen. Kompakt erklärt, was wichtig ist.

Grubärin/fotolia

In eine Tätigkeit mal hineinzuschnuppern, kann bei der Entscheidungsfindung helfen.
27.09.2017
  • Von: Katrin Schreiter
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Probearbeiten – das klingt nach einer ernsten praktischen Prüfung. Und das ist es auch – allerdings für beide Seiten. Arbeitgeber und Bewerber können so testen, ob sie zueinanderpassen. Probearbeit ist bei Weitem kein Einzelfall, sondern liegt ganz klar im Trend. Ob Bürofachkräfte oder Assistentinnen, Programmierer oder Hochschulabsolventen – immer mehr Testkandidaten nehmen Tuchfühlung am angestrebten Arbeitsplatz auf.

DOCH VORSICHT: Probearbeit ist kein Praktikum, also keine Tätigkeit, die vom Bundesarbeitsgericht als „eine vorübergehende Tätigkeit in einem Betrieb zum Erwerb praktischer Kenntnisse“ definiert wird. Beim Praktikum gibt es in der Regel einen Vertrag, in dem die wichtigsten Rechte und Pflichten festgehalten sind.

Vereinbarung statt Vertrag schließen

“Für die Probearbeit dagegen haben Bewerber und Arbeitgeber keinen Arbeitsvertrag abgeschlossen, lediglich eine Vereinbarung darüber“, sagt Ansgar Claes, Leiter der Abteilung Arbeits- und Sozialrecht bei der IG BCE. Um Missverständnisse zu vermeiden, wird die Probearbeit deshalb auch oft Einfühlungsverhältnis genannt. „Dieses Einfühlungsverhältnis dient ausschließlich dem unverbindlichen Kennenlernen.“ Wie steht es mit der Vergütung? „Während des Einfühlungsverhältnisses müssen Arbeitgeber nicht für Bewerber bezahlen “, erklärt Claes. „Auch nicht den Mindestlohn.“ In manchen Fällen gebe es eine Aufwandsentschädigung – zum Beispiel die Fahrtkosten.

Den Kollegen über die Schulter schauen

Der Fachmann warnt: „Es gibt aber immer wieder Arbeitgeber, die das Probearbeiten ausnutzen, vor allem um arbeitsintensive Zeiten zu überbrücken.“ Bewerber sollten deshalb darauf achten, dass das Einfühlungsverhältnis nicht länger als zehn Tage dauert. Und sie sollten keine Aufgaben übernehmen, die normalerweise entlohnt werden. „In einem Einfühlungsverhältnis geht es eher darum, den Kollegen über die Schulter zu schauen.“ Wer noch in einem anderen Unternehmen angestellt ist, sollte mit dem Probearbeiten vorsichtig sein. Der aktuelle Chef könnte das Schnuppern bei der Konkurrenz als wettbewerbsgefährdend ansehen – vor allem, wenn es um Spezialwissen geht. „Das kann ein Grund zur fristlosen Kündigung sein“, warnt Claes. Auch das Probearbeiten im Urlaub sei umstritten: „Schließlich zahlt der Vorgesetzte im bestehenden Arbeitsverhältnis für die Erholung seines Angestellten.“

Der Agentur für Arbeit Bescheid geben

Anders verhält es sich, wenn der Bewerber arbeitslos ist: Wer eine Probearbeit bei der Agentur für Arbeit nicht meldet, muss unter Umständen erhaltene Leistungen der Agentur zurückzahlen. Vor allem, wenn er sich nach dem Einfühlungsverhältnis nicht erneut arbeitslos meldet. Um noch ein Missverständnis auszuräumen: Probearbeit hat auch nichts mit Probezeit zu tun. „Die Probezeit setzt immer voraus, dass es einen Arbeitsvertrag gibt. Sie umfasst je nach Vereinbarung die erstenMonate eines Arbeitsverhältnisses“, sagt Ansgar Claes.

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