Die Zukunft der Zukunft der Arbeit

„Lust auf Weiterbildung“ stärken

Für einen „deutschen Weg“ bei der Gestaltung der Zukunft der Arbeit hat Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles gestern in Hannover plädiert – einen Weg, der kein neues Prekariat schafft, sondern auf Dialog und Mitbestimmung setzt. Im Ministerium werde eine neue Arbeits-und Führungskultur, die „ohne Befehlsketten“ auskommt, bereits eingeübt, erzählte die Ministerin beim Diskussionsforum „Die Zukunft der Zukunft der Arbeit“, zu der die IG-BCE-Stiftung Arbeit und Umwelt und die Hans-Böckler-Stiftung gemeinsam eingeladen hatten.

Christian Burkert

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles setzt auf neue Arbeits-und Führungskultur, die „ohne Befehlsketten“ auskommt. Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles setzt auf eine neue Arbeits-und Führungskultur, die „ohne Befehlsketten“ auskommt.
09.08.2017
  • Von: Sigrid Thomsen
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Im Rahmen einer „lernenden Arbeitspolitik“ seien betriebliche Experimentierräume mit wissenschaftlicher Begleitung geschaffen worden, die neue Arbeitsformen erkunden. Um die „Lust auf Weiterbildung“ zu stärken, denke das Ministerium jetzt über ein Chancenkonto für Erwerbstätige nach, das Einkommensverluste in Übergangsphasen ausgleiche. Der Anspruch darauf soll verfallen, wenn er nicht eingelöst wird. Davon erhofft Nahles eine Stärkung der Motivation.

Was eine Weiterbildungskultur ausmacht, die Menschen auf die Anforderungen der Digitalisierung vorbereitet, stand im Zentrum der Podiumsdiskussion.  Dabei gehe es nicht nur um technischen Wandel, betonte Yasmin Fahimi, Staatssekretärin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales: „Wir müssen vernetzt denken, Arbeitsbereiche vermischen sich, Ingenieure haben auch Kundenkontakt.“ Mehr Auseinandersetzung mit Technik und mit Interaktion brauche es deshalb bereits in Schulen und Kindergärten. Für die Weiterbildung sollten Unternehmen zertifizierte Bausteine entwickeln.

  • Andrea Nahles
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    Christian Burkert

     Um die „Lust auf Weiterbildung“ zu stärken, denke das Ministerium jetzt über ein Chancenkonto für Erwerbstätige nach, das Einkommensverluste in Übergangsphasen ausgleiche, sagte Andrea Nahles.

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Frank Michael Hell, Vorsitzender des Konzernbetriebsrats der Continental AG, rief Betriebsräte und Personalführungen auf, auch gering qualifizierte  Kollegen einzubeziehen: „Weiterbildungskultur heißt, solche Ausgaben ebenso wichtig zu nehmen wie die für Forschung und Entwicklung“. Langzeitkonten in den Tarifverträgen der Chemieindustrie könnten bereits jetzt für Qualifizierungszeiten genutzt werden, hob der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands ChemieNord, Jochen Wilkens hervor.

Während Wilkens in der Diskussion mit dem Publikum, etwa hundert Vertretern von Gewerkschaften, Unternehmen und Politik in Norddeutschland, auf die demografische Herausforderung verwies, die den technischen Wandel erfordere, sprach sich die stellvertretende Landesbezirksleiterin von ver.di für Beschäftigungssicherung aus. „Nicht alles, was technisch machbar ist, muss auch erlaubt sein“, sagte Susanne Kremer. In Banken und Versicherungen ersetzten schon jetzt Maschinen viele Berater: „Wollen wir das?“

In der Schlussrunde der von Julia Kropf moderierten Diskussion bemühten sich alle Podiumsteilnehmer um eine positive Sicht auf die „Arbeit 4.0“, in der die Chancen die Risiken überwiegen. Für einige schien es ganz eindeutig: Bei Menschen mit Behinderungen könne die Digitalisierung die Arbeitslosigkeit verringern, sagte ein Vertreter des Deutschen Schwerhörigenbundes, denn „Gehörlose können gut mit Computern“.

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