• 09.11.2011
  • Medieninformation XV/36
Deutsche Photovoltaik-Industrie am Scheideweg

IG BCE fordert Tarifverträge und Standortsicherung für Solarindustrie

Deutsche Photovoltaik-Industrie am Scheideweg

Kassel. IG-BCE-Tarifvorstand Peter Hausmann hat die Unternehmen der deutschen Photovoltaik-Industrie aufgefordert, mit der Gewerkschaft in Gespräche zur Standortsicherung einzutreten und zugleich Tarifverhandlungen aufzunehmen. "Anständige Arbeitsbedingungen und faire Entgelte sind unabdingbar erforderlich, um mit motivierten Beschäftigten in Forschung, Entwicklung und Produktion den Wettlauf mit Fernost bestehen zu können", erklärte Hausmann während einer zweitägigen Branchenkonferenz in Kassel-Baunatal. Dort diskutierte die IG BCE bis Mittwochnachmittag die derzeitige Lage und langfristigen Perspektiven der hiesigen Solarindustrie.

09.11.2011

Die zu erwartende Marktanpassung dürfe nicht auf dem Rücken der Beschäftigten erfolgen, betonte Peter Hausmann: "Wir fordern die Arbeitgeber auf, gemeinsam mit der IG BCE und den Betriebsräten nach Lösungen für die massiven Probleme der Branche zu suchen." Mit der Strategie der Arbeitgeber, die auf niedrige Löhne, Lohnverzicht sowie betrieblichen Sozialabbau setzen, sei der Wettlauf mit der Billigkonkurrenz aus Fernost nicht zu gewinnen: "Wir müssen verstärkt in einen Wettbewerb innovativer Ideen und Produkte eintreten." Jetzt räche sich das Verhalten der Arbeitgeber, ihren Beschäftigten gute Arbeit in Form von Tarifverträgen und Mitbestimmung zu verweigern.

Zum Hintergrund: Die Situation der Beschäftigten in der Solarindustrie ist ausgesprochen prekär. Die Branche leidet unter der Konkurrenz aus Fernost - insbesondere aus China. Die US-Regierung geht inzwischen Hinweisen nach, chinesische Behörden würden mittels günstiger Anleihen und Darlehen den dortigen Produzenten massive Wettbewerbsvorteile verschaffen. Die IG BCE fordert Politik und Wettbewerbsbehörden auf, für gleiche und faire Wettbewerbsbedingungen zu sorgen.

"Wir werden nicht zulassen, dass die Politik die Branche jetzt im Stich lässt," bekräftigte Hausmann. Bund und Länder müssten weiterhin die industrielle Produktion von Photovoltaik sicherstellen. Unvermeidbare Restrukturierungen seien sozialverträglich und im Einvernehmen mit Betriebsräten und IG BCE in Standortsicherungsverträgen zu regeln. Nach wie vor gibt es in der Solarbranche keine Flächentarife, in einigen Fällen gelten Haustarifverträge. Die Mehrheit der Unternehmen weigert sich bislang, Tarifverträge abzuschließen.

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