Tarifgemeinschaft Energie

„Euch gebührt Respekt!“

IG-BCE-Verhandlungsführer Holger Nieden hatte beim Warnstreik vor dem Kernkraftwerk (KKW) Grohnde eine wichtige Botschaft: „Ihr bringt Tag und Nacht Leistung – dafür gebührt euch Respekt!“, sagte er heute Morgen den Beschäftigten des KKW-Betreibers Preussen Elektra. Die Tarifrunde ist festgefahren, die bundesweiten Streiks unter den Beschäftigten des E.ON-Konzerns fanden an diesem Montag ihren vorläufigen Höhepunkt im Kreis Hameln-Pyrmont. Am morgigen Dienstag wird die dritte Verhandlungsrunde eröffnet.

Christian Burkert

Warnstreik Es wird lautstark mit Trillerpfeifen demonstriert.
26.02.2018
  • Von: Marcel Schwarzenberger
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Allein am Montagvormittag schlossen sich rund 150 Beschäftigte dem Warnstreik in Grohnde an. Gut 350 Streikende erwartet der Betriebsrat insgesamt am heutigen Tag; noch bis 18 Uhr wird das KKW bestreikt. Aus Stade (KKW im Rückbau) und Unterweser (KKW im Nichtleistungsbetrieb) schlossen sich Kollegen dem Streik an. Schneetreiben und Temperaturen von minus fünf Grad Celsius hielten sie nicht ab. Die Gewerkschaften IG BCE und ver.di beweisen mit den bundesweiten Warnstreiks in dieser und in der vorigen Woche Stärke gegenüber den Verhandlungspartnern der sogenannten „Tarifgruppe Energie“, in der bestehende und frühere E.ON-Unternehmen wie Preussen Elektra, Avacon und Tennet versammelt sind. Tausende Beschäftigte hätten an den Streiks bereits teilgenommen, rief IG-BCE-Verhandlungsführer Nieden den mit Fahnen, Rasseln und Transparenten ausgestatteten Streikenden zu.

  • Warnstreik
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    Christian Burkert

    Rund 350 Beschäftigte demonstrieren vor dem Kernkraftwerk in Grohnde.

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Die winterliche Kälte dieses Tages passe gut zur „sozialen Kälte“, die die Arbeitgeberseite gezeigt habe, sagte Nieden. „Aber uns macht das nichts aus. Wir streiken für eine vernünftige Lohnerhöhung.“ Die Vergütungen der Beschäftigten und Auszubildenden sollen um 5,5 Prozent erhöht werden, verlangt die IG BCE. Zusätzlich soll es eine Sonderleistung für IG-BCE-Mitglieder geben. Aus Gewerkschaftssicht ist das eine vernünftige Basis – angesichts der guten wirtschaftlichen Lage und der Einsatzbereitschaft der Arbeitnehmer. Geboten hatten die Arbeitgeber aber nach der jüngsten – der zweiten – Verhandlungsrunde nur Entgelterhöhungen von 2,1 Prozent bei einer Laufzeit von 18 Monaten. Dieses leichte Plus aber wäre wegen der jährlichen Preissteigerungen kaum spürbar. Im Gegenteil: „Es ist ein Griff in euer Portemonnaie“, betonte Nieden.

Für die Belegschaft von Preussen Elektra geht es auch um Würde. In Deutschland ist der Atomausstieg beschlossene Sache; in Grohnde soll Ende 2021 Schluss sein mit der Energieerzeugung. Dann ist aber noch längst nicht alle Arbeit getan. Im mehrere Jahre dauernden Nichtleistungsbetrieb und der Rückbauphase werden noch viele Fachkräfte gebraucht. Bei Verhandlungen um einen Zukunftspakt bis zum Jahr 2028 geht es um Dinge wie sozialer Absicherung und der Zahl der Arbeitsplätze. Doch am Ende geht es nicht nur um den schlichten Erhalt einer bestimmten Anzahl an Jobs über eine gute Dekade hinweg. „Wir wollen erfahrene Fachleute halten; Auszubildenden sollen unbefristete Arbeitsverträge bekommen können“, sagte Betriebsratsvorsitzender Kai Diesing. Eine spürbare Lohnsteigerung, so findet auch Betriebsratskollege Arno Neddermeyer, sei dabei ein zentraler Punkt.

Christian Burkert

Warnstreik Grohnde Arno Neddermeyer (Betriebsratsmitglied, links) und Kai Diesing (Betriebsratsvorsitzender) vor dem Kernkraftwerk Grohnde.

Am morgigen Dienstag tagen die Verhandlungspartner in der Preussen-Elektra-Zentrale in Hannover-Mühlenberg. Dort wird es eine weitere Streikaktion geben, bei der auch Avacon-Beschäftigte hinzukommen. „Und wenn es dann kein vertretbares Ergebnis gibt, werden wir noch mehr Beschäftigte aktivieren“, sagte Nieden.

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