Vor Ort

Ton macht die Musik

In unmittelbarer Nähe zu den Westerwälder Tongruben produziert die Firma Jasba seit 1964 in Ötzingen Mosaikfliesen. Jasba gehört nun zu einem größeren Konzern, aber nach wie vor herrscht ein familiärer Umgangston.

Frank Rogner

Arbeitssituation Josef Eckenberger Josef Eckenberger begutachtet die gebrannten Mosaikfliesen.
29.08.2014
  • Von: Dagny Riegel

Die kleinsten Fliesen machen die größte Arbeit. »Wenn die Fläche so gering ist, gibt es auf dem Fließband schon mal Probleme beim Umsetzen«, sagt Udo Schmidt, 54- jähriger Keramikarbeiter. In blauer Arbeitskleidung steht er an der Presse, die Fliesen, klein wie Dominosteine, formt. Zischend pustet der Luftstrom Tongranulat durch einen Schlauch in Formen mit quadratischen Aussparungen. Restfeuchte und 180 bar Druck komprimieren das Granulat zu Steinchen. Auf dem Fließband saugt die Maschine jedes einzeln an und setzt es in ein Plastikgitter, damit später beim Glasieren nichts verklebt. Schmidt nimmt einen Rohling heraus und schiebt eine Lehre darüber. Mehr als 6,6 und weniger als 6,9 Millimeter muss er dick sein. »Ich kontrolliere auch auf Risse oder Befall, also Klümpchen«, erklärt er, »wenn alles läuft, schaffe ich die restlichen 120 Quadratmeter in einer Stunde:«

Schmidt ist einer von rund 200 Mitarbeitern der Westerwälder Keramik-Firma Jasba Mosaik, die sich in Ötzingen auf Mosaikfliesen aus heimischem Ton spezialisiert hat. Zum Jahresbeginn ist sie als 100-prozentige Tochter mit der Obergesellschaft Deutsche Steinzeug Cremer & Breuer AG verschmolzen. »Alle Mitarbeiter sind übergegangen«, sagt Betriebsratsvorsitzender Clemens Ellmaurer, »die Technologieberatungsstelle Mainz, die eng mit der IG BCE zusammenarbeitet, hat den Betriebsübergang mit betreut. konnten wir die offenen Fragen mit dem Arbeitgeber klären. Wir waren gut beraten und versorgt.« Generell sei die Kommunikation mit der Geschäftsleitung gut, man gehe ehrlich und respektvoll miteinander um. Nach einem tödlichen Unfall vor zehn Jahren wurde rasch reagiert und die Maschine lückenlos abgesichert. »Natürlich gibt es wie überall Baustellen«, sagt Ellmaurer, »aber dieses Jahr sind zum Beispiel bereits drei Kollegen aus der Leiharbeit in eine befristete Beschäftigung übernommen worden. So was funktioniert mit der Geschäftsleitung.«

Die Kommunikation in der Belegschaft stimmt auch. »Unser Team ist gut und man hilft sich«, sagt Ugur Yilmaz, ein Mitarbeiter in der Fertigungslinie. Der Endvierziger in grüner Latzhose und Ringelshirt zieht eine Kunststoffplatte durch einen Wischer, um sie von Glasurresten zu säubern. Dann hält er sie in die Glasurschleuder und wiegt sie anschließend. 15,2 Gramm - die richtige Glasurmenge, um die Mosaiksteinchen zu grundieren. Jede Viertelstunde muss er das kontrollieren und gegebenenfalls regulieren. Bevor die Rollen mit langen Lamellen die Grundglasur aufschleudern, pustet ein Gebläse den Staub weg. Nach der Engobierung, dem Aufbringen einer dünnflüssigen Tonmineralmasse als eine Art Überzug, folgen die Abtönungen und die Dekorglasur. »Bei der Dekorglasur ist das Gewicht besonders wichtig«, erklärt Yilmaz, »sonst wird die Fliese zu dunkel oder zu hell.«

Nach dem Glasieren rollen die Mosaiksteinchen auf feuerfesten Unterlagen wie auf Kuchenblechen in den Ofen, einen blauen Kasten von rund 100 Metern Länge, durch dessen Guckrohre man orangefarben die Flammen lodern sieht. 1180 Grad sind es in seinem Inneren. Am anderen Ende kommen die zuvor noch grauen Quadrate auf ihrem Tablett appetitlich wie eine Schachtel Pralinen heraus, mattschwarz mit glänzendem Muster.

Josef Eckenberger, Mittfünfziger in Jeans und Poloshirt, zieht Handschuhe an und nimmt einen Satz vom Fließband, um die Stärke zu messen und die Farbe mit der Vorgabe zu vergleichen. »Farbverläufe mit Siebdruck sind besonders kompliziert«, erklärt er, »dafür braucht man bis zu drei Farbpistolen und zwei Siebe. Einfache Farben machen wir eigentlich nie.« Als er vor 15 Jahren ein Haus gebaut hat, war es für ihn selbstverständlich, die Fliesen zu kaufen, die er und seine Kollegen produzieren. Auch seinen Job mag er: »Sonst wäre ich ja nicht so lange hier«, sagt er. »Dabei ist er mit 20 Jahren Betriebszugehörigkeit fast noch ein Küken«, entgegnet Clemens Ellmaurer und lacht. Durchschnittlich sind die Festangestellten 22,5 Jahre hier.

Das Unternehmen
Den Namen bekam Jasba von Jakob Schwaderlapp in Baumbach, der das Unternehmen 1926 gründete. 1964 baute einer seiner Söhne ein neues Werk in Ötzingen und spezialisierte sich auf Mosaikfliesen. Es entwickelte sich ein renommierter Anbieter, der im Vorjahr rund 10 000 Tonnen Ton verarbeitete. Mehr als 1000 Artikel sind im Programm, das kleinste Mosaiksteinchen misst nur einen Quadratzentimeter. Früher mussten Kunden lange auf Küchenfliesen wie den beliebten »Jasba-Dollar« warten, heute kurbelt die Firma die Nachfrage an durch zeitgemäßes Design oder die »HT-Veredelung«, die Fliesen schmutzabweisend macht. Trotzdem musste zur Kapazitätsanpassung 2008 eine Produktionslinie stillgelegt und die Belegschaft um ein Viertel reduziert werden. Das Arbeitsbündnis zur Stellensicherung läuft noch bis 2015. Jüngst bekam die Firma den Landespreis für beispielhafte Beschäftigung Schwerbehinderter. Statt der vorgeschriebenen fünf Prozent arbeiten zwölf Prozent Gleichgestellte und Menschen mit Handicap bei der Firma.

 

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