Steinkohle

Voll motiviert - bis zum Schluss

Der deutsche Steinkohlenbergbau wird in einem Jahr, am 21. Dezember 2018, endgültig Geschichte sein. So will es die Politik. Die Bergleute aber bleiben voll motiviert, leben ihren Beruf. Bis zur letzten Schicht.

Frank Rogner

Michael Möhring (links) mit Kumpeln in der Grubenbahn auf dem Bergwerk Prosper-Haniel.
30.11.2017
  • Von: Axel Stefan Sonntag

Wirtschaftswunder dank schwarzem Gold

Eine Collage aus Schlägel und Eisen, Schutzpatronin St. Barbara und tropfendem Blut: Das wird das Motiv sein, das sich Christian Strzecha im Mai tätowieren lassen wird. Seine Verbundenheit zum Bergbau will er künftig jeden Tag auf seinem Körper sehen. Nicht irgendwo, sondern mitten auf seinem Herzen. Wenigstens dort, denn im realen Leben ist für ihn bald Schluss und Strzecha muss sich einen neuen Job suchen. Noch sind seine Wünsche vage. "Hauptsache, mit Menschen", sagt er.

Wenn diese Ausgabe von kompakt erscheint, verbleibt Christian und den etwas mehr als 3000 Steinkohlenkumpels unter Tage in Bottrop und Ibbenbüren noch knapp ein Jahr bis zur letzten Schicht. Jeder von ihnen wusste und weiß, dass das politisch gewollte Aus des deutschen Steinkohlenbergbaus kommt. Doch jetzt sprechen Schichtkalender und Smartphone Klartext: 2018 ist im Anmarsch. Das Jahr symbolisiert weit mehr als nur das bloße Ende einer Branche, die in den 50er-Jahren mehr als 600 000 Menschen Lohn und Brot gab. Es markiert den Ausstieg aus einem – weiterhin noch in großen Mengen – vorhandenen Energieträger, ohne den es das deutsche Wirtschaftswunder, die stetige Industrialisierung mitsamt Wohlstand nie gegeben hätte.

Frank Rogner

Christian Strzecha unter Tage im Bergwerk Prosper-Haniel neben einer Figur der heiligen Barbara.
Sicher, dass "B" in IG BCE bleibt. Denn der Bergbau beschränkt sich längst nicht nur auf Kohle. Aber für die Kollegen in Bottrop und Ibbenbüren heißt es 2018 definitiv, Abschied zu nehmen. Für immer. Von ihrer Zeche, dem täglichen Zusammenhalt und, sehr oft, von einer über Generationen gepflegten Familientradition.

Dirk Tomke weiß das ganz genau. Bergmann in der dritten Generation, verheiratet mit der Tochter eines Aufsichtshauers. 1988 heuerte er auf der Zeche Duisburg-Walsum an, machte knapp 20 Jahre später seinen Techniker, wechselte zum Bergwerk West. Seit knapp sechs Jahren arbeitet er nun auf Prosper-Haniel. Zuvor war er Arbeiter und Steiger, jetzt ist er in der Öffentlichkeitsarbeit. Und bleibt doch weiter nah bei Kohle und Kumpels: Er begleitet Besuchergruppen unter Tage, von denen sich in letzter Zeit immer mehr anmelden. "Wenn es diesen Job nicht gäbe, müsste man ihn für mich erfinden", schwärmt der 46-Jährige. Einerseits bei den bekannten Gesichtern bleiben zu können ("Dirk, Mensch. Wie isset?" – "Muss, wa!") und gleichzeitig Werkfremden nahezubringen, was ihn sein ganzes Leben begleitete. Ein bisschen hat er noch. Mit der Kohleförderung ist am 21. Dezember 2018 Schluss. Sein Stichtag ist Ende März 2020. Dann kommt er in die "Anpassung".

Wie viele andere Bergleute profitiert Tomke von dem, worauf sich IG BCE, RAG und Politik 2007 nach zähen Verhandlungen einigten: Dass mit dem politisch gewollten Ende der Steinkohlensubventionen 2018 kein Kumpel ins Bergfreie fällt. Solch einen massiven Strukturwandel sozialverträglich zu gestalten – ein in der Bundesrepublik einmaliger Vorgang. Die Anpassungsgelder bilden die Überbrückungshilfe zwischen der politischen Vorgabe, in seinem Job kein Geld mehr verdienen zu dürfen und dem frühestmöglichen Beginn einer Altersrente aus der knappschaftlichen Rentenversicherung. Anspruchsberechtigt sind ältere Arbeitnehmer, die aufgrund einer durch das Bundeswirtschaftsministerium genehmigten Schließungs- oder Rationalisierungsmaßnahme entlassen werden, wobei differenzierte Zuwendungsvoraussetzungen erfüllt sein müssen. Das Anpassungsgeld wird aus Mitteln des Bundes und der Länder Nordrhein- Westfalen und Saarland auf Antrag gewährt und monatlich für längstens fünf Jahre gezahlt.

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Uwe Wobben, Betriebsratsvorsitzender RAG Anthrazit, Ibbenbüren.
Doch vom Himmel fiel dieser Übergang mit finanziellen Hilfen nicht. Im Gegenteil: Bis dahin war es ein harter Kampf, Kumpel und Gewerkschaft gingen durch dick und dünn. 1997 eskalierte diese Situation mit der Ankündigung der schwarz-gelben Bundesregierung, die Kohlesubventionen binnen acht Jahren um rund 60 Prozent senken zu wollen. Die Axt an weit mehr als 50 000 Arbeitsplätze zu legen, stand im Raum. Da habe ich zu meinen Kumpels gesagt: "Weißte wat, wir fahren jetzt nach Bonn und mischen die auf", erinnert sich Dirk Tomke. "Und da sin ma da sofort hingeballert." Weit mehr als 10 000 Bergleute folgten ihm, zum "Marsch auf Bonn".

Nicht nur aus dem Ruhrgebiet, auch aus den saarländischen Revieren strömten die Busse vor das Bundeskanzleramt. Es war der Höhepunkt der damaligen Auseinandersetzung. Schon zuvor gärte es gewaltig. Unvergessen das von 220 000 Menschen gebildete "Band der Solidarität", das sich auf rund 100 Kilometern Länge quer durch die Städte des Ruhrgebiets schlängelte. Ein "organisatorisches Meisterstück" der damaligen IG Bergbau und Energie, kommentierte die RAG. Der beharrliche Druck wirkt letztlich, der abrupte Abbau an Arbeitsplätzen ist vom Tisch.

Tradition leben, über Generationen hinweg

Ins Bergwerk, das stand für Christian Strzecha eigentlich nie infrage. Obwohl er, als er 2009 seine Lehre zum Industriemechaniker begann, von vornherein wusste, dass seine Tage gezählt sind. "War mir egal", sagt er. Unterschwellig klingt ein "Jetzt erst recht"durch. "Oppa war stolz wie Oskar, dass die Tradition bis zuletzt weitergeht", sagt der Vorsitzende der Jugend- und Auszubildendenvertretung. Bis zur letzten Ausschreibung 2014 waren die Ausbildungsplätze, von denen es in Hoch-Zeiten mehrere Hundert pro Jahr zu besetzen galt, extrem beliebt. Das Zehnfache an Bewerbungen war eher Regel als Ausnahme. "Da geht es nicht allein um Noten oder darum, wer das beste Diktat schreiben kann. Mindestens genauso wichtig ist, ob es menschlich und persönlich passt und ob man weiß, wo links und rechts ist", sagt er. Anfang 2018 stehen die letzten Prüfungen für die noch verbliebenen 61 Lehrlinge an. Ein Wort übrigens, auf das Christian sehr großen Wert legt. "Lehrjahre sind keine Herrenjahre. Das gilt bei uns."Harte Schule Bergbau? "Schule ist bei uns nie aus", flachst er.

Obwohl Christian erst 25 Jahre ist, ist er mit Leib und Seele Bergmann. Zusammenhalt, Miteinander – er kennt es seit jeher nicht anders. "Dat sin Werte, die du schon als Rotzlöffel mit auf’n Weg kriechst."

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Voll motiviert - bis zum Schluss Dirk Tomke unter Tage im Bergwerk Prosper-Haniel.
Die Familie besitzt seit Ewigkeiten eine Dauerkarte für Schalke 04, mit fünf hat sein Vater ihn mit ins Stadion genommen. "Jeder von den Kurzen kennt dat Steigerlied und jeder identifiziert sich damit. Ob der Verein sich damit immer identifiziert, ist wat anneres", sagt er ohne Umschweife.

Wie es mit ihm nach 2018 weitergeht? "Junge Menschen erhalten alle Perspektiven. Wer will, kann hier seinen Rucksack mit Fort- und Weiterbildung so voll packen, wie er möchte." Naturgemäß haben schon viele die Branche gewechselt – zum Beispiel in die Gebäudetechnik oder zu den erneuerbaren Energien. Oder in die Chemieindustrie; "Jackpot", wie Christian es nennt. Er selbst weiß es noch nicht genau. Derzeit durchläuft er eine Weiterbildung zur Sicherheitsfachkraft, sieht seine persönliche Zukunft im Bereich Rettungswesen oder in der Arbeitssicherheit.

Betriebsrat und RAG unterstützen mit einer eigens eingerichteten Jobbörse die Beschäftigten, die sich – wie Christian – umorientieren müssen. Der zuständige IG-BCE-Bezirk Gelsenkirchen ergänzt: "Wenn an uns einer herantritt, vermitteln wir Kontakte, wo wir können. Wie erst neulich bei einer jungen Kollegin", berichtet Bezirksleiter Thomas Steinberg.

Der Strukturwandel sei inzwischen angekommen. Die Zechen Zollverein, Nordstern, Ewald, Westerholt und Hugo – all das seien gelungene Beispiele. "Da ist manch kultureller Zuschauermagnet dabei – in Bergbaukulisse." Auch die von IG BCE, RAG, RAG-Stiftung und Evonik gegründete Initiative "Glückauf Zukunft" will die Erinnerungen würdigen – und fördert größere wie kleinere Projekte, um die Zukunftsgestaltung in den Bergbauregionen voranzutreiben.

Was soll nach Christians Meinung vom Bergbau bleiben? "Ich bin froh um jeden Förderturm, der unter Denkmalschutz gestellt wird. Wenn ich von einer Bundesjugendausschuss-Sitzung in Hannover auf der A2 zurückfahre und die Türme sehe, dazu den Flutlichtmasten vom Parkstadion, dann weiß ich: Junge, du bist da, wo du hingehörst." Er selbst tut einiges, um das historische Erbe zu sichern: In den Klassenzimmern seiner alten Schule spricht er zum Thema Steinkohle, startet mit den Schülern am PC virtuelle Grubenfahrten und legt den Kids ein Stück "schwarzes Gold" in die Hände. Er verrät ihnen, warum die glänzt – und Holzkohle nicht. "Am Ende sagen 80 Prozent der Jungs, dass sie Bergmann werden wollen."

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Voll motiviert - bis zum Schluss Mirko Skela, Betriebsratsvorsitzender RAG Prosper-Haniel, Bottrop.
Das eigene Schicksal macht ihm solche Sätze vermutlich nicht leichter. "Vor zwei Jahren war ich als Vorsitzender der Gesamtjugendvertretung beim Abschied auf Auguste Victoria dabei und bin schon mit einem komischen Bauchgefühl hin. Wenn du da so in die Gesichter guckst, dann fragst du dich, wie das wohl bei uns nächstes Jahr wird." Allmählich flacht seine Stimme ab. "In Marl hatte ich Tränen in den Augen." Für den Medienhype, der für den 21. Dezember 2018 wohl zu erwarten ist, hat er sich vorgenommen, keine Fragen zu beantworten

Michael Möhring, 48, Aufsichtshauer. "Der Erste in der Familie, der in den Bergbau ging", bekennt er. "Die Tätigkeiten machten mich neugierig. Büro oder Drehbank, das wär’ nix für mich gewesen. Hier ist immer etwas anderes zu tun, mir wurde es im Laufe der Zeit nie langweilig." Gelernt hat Michael auf Zeche Sterkrade, 1992 der Wechsel nach Lohberg. 14 Jahre später macht auch die dicht, Umzug nach Prosper-Haniel. Ein "aufnehmendes" Bergwerk. Hierher kamen (oder mussten, je nach Sicht der Dinge) sehr viele Kumpel, von überallher. "Wenn du in die Lohberger Kaue (Umkleide, Anmerkung der Redaktion) kamst, kanntest du Hans und Franz. Aber auf Schacht 10 in Prosper, da bildeten sich Grüppchen. Andere Mentalität." Keine gewachsenen Strukturen – eine totale Ausnahme im Bergbau. "Der eine spricht von Rangierkatze, der andere von Biene Maja (Zugfahrzeug unter Tage, Anmerkung der Redaktion). Musste erst mal lernen." Schacht 9, in den es Michael kurze Zeit später per Zufall verschlug, bot ihm dann ein bekannteres Umfeld. "Familie." Alles wieder gut.

Klartext statt Rumgeeiere

»Vier Monate noch, dann darf ich dieses herrliche Unternehmen leider verlassen«, sagt er. Seine Wortwahl klingt wehmütig. Die Art und Weise, wie er es sagt, nicht. "Ich hab’ eh vor, wegzuziehen, hoch an die See. Da is nich’ so viel Hektik und Stress im täglichen Leben und beim Autofahren wie hier", sagt er durchaus glaubhaft. So abrupt wie Michael zum Bergbau kam, so schnell scheint er tatsächlich wieder weg zu wollen. Ein neuer Lebensabschnitt also? "Ja, sicha", stellt er klar. Was genau er dann, irgendwo im Norden, mit 49 oder 50 tun will, weiß er noch nicht so genau. Fest steht nur: "Hände in den Schoß legen, dat geht nich'. Da wird mir meine Frau ganz gehörig den Marsch blasen. Der graut schon davor, wenn ich zu Hause bin." Kurze Pause. "Is‘ so. Die macht ja jetzt schon den Zettel fertig, was ich dann alles zu tun habe." Noch mal kurze Pause. "Freiwillige Feuerwehr oder irgendetwas Karitatives, darauf läuft es wohl hinaus", hat er sich vorgenommen.

"Man muss sich vorbereiten", empfiehlt Kollege Dirk. »Sonst kriegste Probleme. "Er hat zwar noch ein bisschen länger bei der RAG, schon jetzt aber einen Wohnwagen gekauft. Seinen ersten freien Sommer 2020 will er, gemeinsam mit seiner Frau, durch ganz Skandinavien touren. Rauf bis ans Nordkap, Polarlichter bewundern und Lachse fangen. "Dat wird sicha toll." Plötzlicher Stimmungswechsel. "Is dat die Erfüllung? Das machste zwei Sommer . . . un’ dann . . .?" Nachdenklichkeit. Dirk möchte sich zu Hause ehrenamtlich engagieren, vielleicht in der freiwilligen Feuerwehr, er bringt zwölf Jahre Grubenwehr-Erfahrung mit. "Aber in welchem Alter kann man da noch eintreten?"

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Voll motiviert- bis zum Schluss Axel Kwiatkowski, Grubenwehr Prosper-Haniel.
Den Bergmannsgruß, ob über oder unter Tage, konnte sich Axel Kwiatkowski lange Zeit nicht vorstellen. Der heutige Hauptgerätewart der Grubenwehr kickte als junger Mann in einer Fußballmannschaft, in der 15 von 16 in den Bergbau gingen. Er nicht. "Ich sah immer nur die Busse und die schwarzen Köppe und sachte mir: Da gehste nie hin."

1982, Teufe (Erschließung einer Lagerstätte, Anmerkung der Redaktion) von Schacht 10. Schließlich fuhr er doch mal hin, "aus Lust un’ Laune". "Da war dann n’ Schild: Wir stellen ein: Alles." Kwiatkowski landete also doch beim Bergbau, kam "undenkbar schnell" zur Grubenwehr. Heute hat er 178 ehrenamtliche Grubenwehr-Mitglieder unter seinen Fittichen. Montags ist Übungstag. Mal zwei Stunden im Trainingsraum, vier Stunden unter Tage oder Flammenschutzübungen à 90 Minuten. Kein Zuckerschlecken: "Da verlierste vier bis fünf Kilo. Leider nur Wasser." Die Einheiten zieht er bundeswehrmäßig durch. "Ich brauche hier keine 178 Freunde. Da würd ich auch was verkehrt machen", kommentiert er. Tragen da vielleicht auch die zwei riesigen BVB-Logos, an denen in der Wache jeder vorbei oder sogar darunter sitzen muss, einen Teil dazu bei? "Mir egal. Da muss jeder durch."

Auch für seine Grubenwehr, sein "Lebenswerk", naht das Ende. Den Älteren merkt er das mehr an als den Jüngeren. "Die sind, obwohl sie ganz genau wissen, hier keine Zukunft zu haben, hoch motiviert." Für den einen oder anderen von ihnen hat er schon seine Kontakte spielen lassen, etwa zur Flughafenfeuerwehr Düsseldorf. "Egal, wer wo hingeht. Immer kommt die Rückmeldung: Das sind gute Männer. Die sind Wechseldienste gewohnt und jammern nicht." Und er selbst? Was macht er danach? Der 57-Jährige schaut auf den Boden. Stille. Dann ein fragender Blick: "Na, wir werden noch ’n bisschen hier machen, ne?"

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Voll motiviert - bis zum Schluss Kam von der Saar nach Ibbenbüren: Stefan Henrich.
Ortswechsel. Für Stefan Henrich, der aus dem Saarland nach Ibbenbüren im Tecklenburger Land ging, steht bald der dritte Abschied an. Erst schloss seine "Muttergrube" Warndt, dann 2012 die allerletzte saarländische Zeche in Ensdorf. Männer wie er, noch mitten im Leben, konnten – zwar mit Umzug, aber immerhin sozialverträglich – nach Ibbenbüren wechseln. Der gelernte Schlosser war mit 80 Kollegen im ersten Trupp. "Am Anfang tat ich mich schwer", sagt Stefan, den alle nur Benno nennen – in Anlehnung an den Vornamen seines Vaters und die Bergbautradition in der Familie. Von rund drei Meter hohen Flözen an der Saar, vergleichsweise bequem, musste er sich auf solche bis zu 1,20 Meter umstellen – und runter auf die Knie. Auch wenn die in Ibbenbüren geförderte Anthrazitkohle den höchsten Kohlenstoffgehalt aufweist, der Abbau verlangt mehr von den Bergleuten ab. Die aber sind wie immer pragmatisch: "Grube is Grube", kommentiert der 47-Jährige.

Schnell hat er sich in dem nördlichsten Zipfel von Nordrhein-Westfalen eingelebt, sich die ersten vier Jahre in einer WG mit seinem besten Kumpel ein Haus mit Grundstück gemietet. "Mir Saarlänner wolle schwenke (mariniertes Schweinefleisch grillen, Anmerkung der Redaktion)." Beim Grillen hat er schnell viele neue Freundschaften geschlossen, versorgt Ibbenbürener inzwischen regelmäßig mit importierten Schwenkern, Käse-Grillern ("Kennen die hier gar nicht.") und Lyonern (Fleischwurst). Und lernt dann hier seine neue Frau kennen, mit der er seinen zweiten Sohn bekommt. 2019/20 heißt es für ihn, die Grube auszuräumen, Schächte zu verfüllen und so einiges mehr. Danach soll sein Kind eingeschult werden – »an der Saar«, betont er. "Ich will, dass meine Frau dann Karriere machen kann. Ich kümmere mich um Kind und Kegel"

Nichts ist so schwer wie sein Lebenswerk, seine zweite Familie, seine Kohle zu verlieren. Und das alles, ohne selbst Scheiße gebaut zu haben. Womit wir beim Thema sind: Sprachlich wie kulturell droht vieles verloren zu gehen. Auch die raue und sehr direkte, aber immer ehrliche Art der Kumpel. Eben Klartext statt Rumgeeiere.

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