US-Wahlkampf

Wer ins Weiße Haus will

In den USA bestimmen die Demokraten und Republikaner mittels Vorwahlen ihren Präsidentschaftskandidaten. Wer sind die Bewerber um das höchste politische Amt und was wollen sie? Und wie funktionieren die Wahlen überhaupt? Der 45. Präsident wird am 8. November gewählt.

Consolidated Ron Sachs/picture-alliance

Das Ziel der Wahlkämpfer: Der Einzug ins Weiße Haus. Das Ziel der Wahlkämpfer: Der Einzug ins Weiße Haus.
31.03.2016
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Für die Demokraten

  • Die Erfahrene: Hillary Clinton (68)

First Lady, Senatorin und Außenministerin – niemand unter den Bewerbern um die Präsidentschaftskandidatur bringt mehr politische Erfahrung auf diesem Niveau mit als Hillary Rodham Clinton. Sie plant, 350 Milliarden US-Dollar in die Hand zu nehmen, damit junge Leute sich für ein Studium auf staatlichen Hochschulen nicht mehr verschulden müssen. Bildung soll keine Bürde für Jahrzehnte sein. Außerdem will die Juristin Familien steuerlich entlasten, da die Kosten für Gesundheitsversorgung und Kinderbetreuung gestiegen sind. Reiche hingegen sollen mehr zahlen – ihren gerechten Anteil ("fair share"). Clinton möchte auch den Mindestlohn auf 15 US-Dollar pro Stunde anheben. Derzeit liegt er zwischen 7,25 und 10,10 Dollar. Und die USA sollen zur "Sauberen-Energie-Supermacht" werden: Ihr Plan sieht vor, dass bis zum Jahr 2021 rund 500 Millionen Solarmodule verbaut werden.

  • Der Sozialist: Bernie Sanders (74)

Als "demokratischer Sozialist" bezeichnet sich Bernie Sanders selbst. Unter jungen Wählern ist der Senator aus Vermont beliebt, sie verbinden mit dem Begriff "Sozialist" eher soziale Gerechtigkeit. Ältere hingegen verbinden damit UdSSR und Kalten Krieg. "Auf deutsche Verhältnisse übertragen, steht er zwischen pragmatischer Linkspartei und gewerkschaftsnaher SPD", sagt Martin Thunert, Politikwissenschaftler am Heidelberg Center for American Studies, "er geht in Richtung Gysi." Sanders spricht oft von "Revolution" und möchte Vermögen insgesamt gerechter verteilen. Zwei Dinge sollen seiner Meinung nach daher steigen: die Steuern der Reichen und der Mindestlohn. Letzterer soll auf 15 US-Dollar klettern. Studiengebühren will Sanders für staatliche
Universitäten abschaffen. Zudem plant der Mann, der im New Yorker Stadtteil Brooklyn aufgewachsen ist, den Einfluss Wohlhabender im US-Wahlkampf zu begrenzen. Und Sanders bleibt sich treu: Während die anderen Kandidaten – abgesehen von Trump – reiche Unterstützer haben, sammelt er beständig kleine Spenden ein. Im Durchschnitt 27 Dollar.

  • Hillary Clinton (68), Demokraten – 26.10.1947
    Foto: 

    Carolyn Kaster/picture alliance

    Hillary Clinton (68), Demokraten

    „Wir müssen nicht daran arbeiten, Amerika bedeutend zu machen. Amerika hat nie aufgehört, bedeutend zu sein. Aber wir müssen Amerika wieder einen.“ (Anspielung auf Donald Trumps Wahlslogan „Make America Great Again“)

     Hillary Clinton war von 2001 bis 2009 Senatorin und von 2009 bis 2013 US-Außenministerin. Das Vermögen von Hillary und Bill Clinton, dem früheren US-Präsidenten, wird auf rund 100 Millionen US-Dollar geschätzt.

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Für die Republikaner

  • Donald Trump (69)

Trumps Milliardenimperium gründet sich auf das, was er von seinem Vater
erhalten hat. Um welche Summe es dabei geht, ist indes unklar. Der Immobilienunternehmer, der auch schon Fernsehstar, Bestsellerautor, aber nie
Politiker war, fällt auf. Meist durch seine Ausfälle. Aus China will er amerikanische Jobs zurückholen, die dorthin ausgelagert worden sind. Eine Position, die bei einigen Gewerkschaftern insgeheim gut ankommt. An der Grenze zu Mexiko soll eine Mauer errichtet werden, um die Einwanderung deutlich zu begrenzen. Und der Nachbar im Süden hat, seiner Meinung nach, auch dafür zu zahlen. Muslime sollten laut Trump nach den Terroranschlägen von Paris auch nicht mehr in die USA einreisen dürfen. Der Geschäftsmann Trump will das Steuersystem vereinfachen: Vier Einkommensteuerklassen sind geplant – von 0 bis 25 Prozent. Denn seiner Einschätzung nach, sind Löhne und  Gehälter zu stark, die Einkommen von Finanzinvestoren hingegen zu wenig besteuert. Auch sieht sein Wahlprogramm vor, dass Steuerschlupflöcher für Großkonzerne geschlossen, Klein- und Mittelständler hingegen entlastet werden. Die Unternehmenssteuer soll einheitlich auf 15 Prozent sinken.

  • Der Erzkonservative: Ted Cruz (45)

Cruz’ Steuerpläne sehen vor, die sieben Einkommensteuerklassen abzuschaffen. Es soll nur noch eine geben – in Höhe von 10 Prozent. Bei einer vierköpfigen Familie sollen zudem die ersten 36 000 Dollar gar nicht besteuert werden. Der Senator aus Texas hofft, so 4,86 Millionen Jobs zu schaffen. Letztlich würde so auch die Bundessteuerbehörde IRS überflüssig und könne abgeschafft werden, so Cruz. Genauso wie die von Präsident Barack Obama eingeführte allgemeine Krankenversicherung (ObamaCare). Cruz gilt als erzkonservativ: Er lehnt Abtreibung und strengere Waffengesetze ab. Die Ehe ist für ihn "ein Sakrament zwischen einem Mann und einer Frau".

  • Der Wirtschaftsnahe: John Kasich (63)

John Kasich ist Gouverneur von Ohio. Zuvor arbeitete er als Investmentbanker bei Lehman Brothers und vertrat lange Jahre seinen industriell geprägten Bundesstaat im Repräsentantenhaus in Washington. Im Gegensatz zu seinen Mitbewerbern, die "Washington" kritisieren und nicht als Teil des "Establishments" gesehen werden wollen, bekennt sich Kasich zu seiner Zeit in der Hauptstadt. Er betont sogar seine Erfahrung, die er durch die Arbeit dort gewonnen habe. "Bei uns würde er den Arbeitnehmerflügel der CDU repräsentieren", sagt Politikwissenschaftler Martin Thunert. Kasich möchte die Rechte der Gewerkschaften beschneiden, gerade im öffentlichen Sektor. Was ihn von vielen Republikanern abhebt, ist seine Einstellung zum Klimawandel. Dieser sei nicht erfunden, sondern real. Deshalb sollten sich auch die Bundesstaaten und Privatunternehmen darum kümmern, den Kohlendioxidausstoß aus Kohlekraftwerken zu begrenzen.

So funktionieren die US-Vorwahlen

In den meisten US-Bundesstaaten entscheiden die Wähler in einer Primary – einer Vorwahl –, wer ins Rennen um die Präsidentschaft geschickt werden soll. In zehn Staaten und drei US-Territorien geschieht dies mittels eines Caucus. In einer Primary werden in geheimer Abstimmung Delegierte gewählt, die wiederum auf dem Bundesparteitag (National Convention) für einen Präsidentschaftskandidaten stimmen. Hierbei wird in der Regel zwischen einer Primary unterschieden, die offen oder geschlossen ist. Ist sie offen, können auch Demokraten für republikanische Kandidaten stimmen und umgekehrt. Bei einer geschlossenen Primary können zum Beispiel nur Demokraten für die demokratischen Kandidaten abstimmen. Bei einem Caucus treffen sich die Anhänger einer Partei zum Beispiel in einem Gemeindesaal oder einer Turnhalle. Sie entscheiden sich nach einer Debatte meist in offener Abstimmung für einen Kandidaten. Zum Bespiel, indem sie sich unter dem Schild eines Kandidaten versammeln oder schlicht die Hand heben.

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