125 Jahre IG BCE

Unsere Kraft für Deine Zukunft

Ein starker Baum braucht starke Wurzeln. Sie geben ihm die Standfestigkeit und die Kraft, um den Stürmen standzuhalten. Jetzt und in der Zukunft. Auch die IG BCE hat solche starken Wurzeln – sie heißen soziale Gerechtigkeit, Solidarität und Freiheit. Das ist so seit 125 Jahren.

Stefan Hoch

IG BCE Stammbaum
01.09.2015
  • Von: Rudi Heim
Schlagworte

Aus diesen starken Wurzeln erwachsen Kraft und Stärke für künftige Herausforderungen. Kraft und Stärke für unsere Branchen und unsere Mitglieder. Darauf verlassen sich die Menschen. Zu Recht. Unsere Kraft für Deine Zukunft. Soziale Gerechtigkeit, Solidarität und Freiheit – drei Werte, die zusammengehören. Das eine ist nicht ohne das andere zu erreichen. Das wussten schon die Arbeiter, die sich zu Beginn der Industrialisierung in den Vorläuferorganisationen zusammenschlossen. Ihnen war klar, in einem unsicheren Umfeld muss man sich fest verankern. Damals wie heute lautete die Botschaft: Wir stehen hinter Euch!

Darauf gründet die heutige IG BCE. Dank ihrer tiefen Wurzeln hat sie manch heftigem Gegenwind getrotzt, auch schwierige Zeiten überstanden. Die Gewerkschaft ist gewachsen und hat sich immer weiterentwickelt, nie nur den Status quo verwaltet, sondern erfolgreich an der Zukunft gearbeitet. Für sozialen Fortschritt. Und den erreicht man nur mit eigener Stärke. Als Ergebnis ist die IG BCE heute respektiert, als eine im Wortsinn gestaltende Kraft – in Betrieben, Gesellschaft und Politik.

Ohne Gewerkschaften keine Teilhabe

660.000 Mitglieder wissen, dass es den Beschäftigten dort, wo es Gewerkschaften gibt, deutlich besser geht, als dort, wo sie nicht sind. Ohne Gewerkschaften gibt es kaum eine Chance, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wirklich an Wachstum und Wohlstand teilhaben, dass der Fortschritt nicht allein technisch definiert und an Aktienkursen gemessen wird, sondern an Verbesserungen in der Lebenslage der hart arbeitenden Menschen.

Trotz aller durchgesetzten Erfolge in Tarifpolitik, Altersvorsorge und/oder am Arbeitsplatz ist die Geschichte des sozialen Fortschritts natürlich nicht an sein historisches Ende gelangt. Ganz im Gegenteil, bekräftigt Michael Vassiliadis: "Gerade im Jubiläumsjahr feiern wir nicht nur die Erfolge der Vergangenheit. Weil wir erfolgreich bleiben wollen, greifen wir weiter die Probleme der Gegenwart auf und denken gleichzeitig in die Zukunft." Gemeinsam, sagt der Vorsitzende der IG BCE, habe man viel erreicht, "aber wir sind längst nicht fertig, soziale Gerechtigkeit muss immer wieder neu erstritten werden".

"Hol' Dir Dein Stück vom Kuchen!"

Auch aus diesem Grund macht die IG BCE in ihrem Jubiläumsjahr Gerechtigkeit und Teilhabe wieder zu einem großen Thema. "Hol’ Dir ein Stück vom Kuchen!", so sind beispielsweise die Aktionen in 125 Betrieben überschrieben, mit denen die IG BCE zeigt: Wo es an Gerechtigkeit mangelt, da trifft es alle und jedem. Aber was sind die größten Handlungsfelder, die sich nach 125 Jahren gewerkschaftlicher Arbeit aktuell stellen, oder anders formuliert: "Was ist das richtige Rezept für mehr Gerechtigkeit in unserem Land?"

Die ersten 5000 Antworten auf diese Frage sind jetzt ausgezählt, und aus den Ergebnissen ergibt sich ein klarer Trend. 94,2 Prozent der Beschäftigten fordern "Arbeit darf nicht kaputt machen!".

Immer schneller, immer mehr – das geht nicht

Und das aus gutem Grund. Viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer – immerhin 77,5 Prozent – fühlen sich am Arbeitsplatz "ausgepresst wie eine Zitrone". Immer schneller, immer mehr – das geht nicht. Der Mensch ist keine Maschine. "Die Arbeitgeber müssen wissen", sagt Michael Vassiliadis, "dass die Grenzen der Rationalisierung und Arbeitsverdichtung in vielen Fällen erreicht und oftmals schon überschritten sind. Sie müssen umsteuern, vom Verbrauch zum Erhalt der Arbeitskraft – das ist der Kern unserer Forderung nach 'Guter Arbeit'."

Klare Botschaft mit 88,7 Prozent auf Platz zwei: Die Politik muss für mehr Gerechtigkeit im Steuersystem sorgen. Bei Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern greift der Staat zu, andere werden geschont, so der Eindruck der Befragten. Dazu passt auch die Forderung, die Beschäftigten nicht immer wieder einseitig zu belasten – ob es nun um die Rettung von Banken, Europa, von Staatsfinanzen oder des Klimas geht.

Von gleichrangiger Bedeutung sind für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Tarifverträge, Betriebsräte und Gewerkschaften (87,9 Prozent) – und die Sorge, dass diese Säulen der sozialen Marktwirtschaft an Tragfähigkeit verlieren könnten. Es passt einfach nicht zu unserem Modell einer sozial verpflichteten Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung, wenn manche Arbeitgeber Tarifverträge verweigern und die Mitbestimmung unterlaufen, da sind sich die Beschäftigten weitgehend einig (85,1 Prozent). So ist nicht überraschend, dass die Befragten Leiharbeit und Werkverträge sehr kritisch sehen. Vier von fünf Befragten sehen die Gefahr, dass solche Beschäftigungsformen gute Jobs verdrängen (81,4 Prozent).

Gesellschaft wird als ungerechter empfunden

Insgesamt sind mehr als zwei Drittel der Befragten davon überzeugt, dass die Gesellschaft in den vergangenen zehn Jahren ungerechter geworden ist. Da wirken offenbar die Jahre nach, in denen weltweit nichts mehr zu zählen schien als ultrahohe Renditen und explodierende Aktienkurse – koste es, was es wolle – bis hin zur globalen Finanz- und Wirtschaftskrise.

Sicher, in jüngster Zeit haben die Gewerkschaften mit Mindestlohn oder der Rente mit 63 nach 45 Versicherungsjahren politische Korrekturen durchgesetzt. Aber der Handlungsbedarf ist weiter groß, ob es um gute und nicht überfordernde Arbeitsbedingungen mit Tarifvertrag, Mitbestimmung und Gewerkschaft geht oder um eine gerechte Steuerpolitik. "Dafür werden wir in Zukunft genauso streiten wie schon in den vergangenen 125 Jahren", erklärt der IG-BCE-Vorsitzende. "Gemeinsam und solidarisch, weil wir aus Erfahrung wissen: Das ist die Grundlage unserer Erfolge."

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