Rentenpaket

Alles rund um die Mütterrente

Elternteile mit Kindern, die vor 1992 geboren wurden, werden ab Juli pro Monat bis zu knapp 29 Euro mehr Rente erhalten. Das sieht das vom Bundestag beschlossene Rentenpaket vor. Wir haben die wichtigsten Informationen zur so genannten Mütterrente zusammengefasst.

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Kinderwagen
27.05.2014
  • Von: Rolf Winkel und Hans Nakielski
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Pro Kind werden betroffenen Müttern und Vätern künftig bei der gesetzlichen Rente zwei Versicherungsjahre bzw. zwei Entgeltpunkte anerkannt. Das ist noch immer weniger als für Elternteile von ab 1992 geborenen Kindern, für die drei Entgeltpunkte anerkannt werden, aber immerhin doppelt soviel wie bisher.

Die Neuregelung gilt sowohl für diejenigen, die bereits Rente beziehen („Bestandsrentner/innen“) als auch für Neurentner/innen. Von der „Mütterrente“ profitieren rund 9,5 Millionen Mütter und (wenige) Väter, die in den ersten Lebensjahren eines Kindes dessen Erziehung übernommen haben.

Bestandsrenten: Diese werden nicht neu ermittelt. Vielmehr erhalten die Betroffenen pro Kind einen Zuschlag in Höhe eines Entgeltpunktes pro Kind. In den neuen Ländern gibt dies pro Kind ein Rentenplus von monatlich 26,39 Euro, in den alten Ländern von 28,61 Euro. Dieser Betrag wird künftig jedes Jahr zusammen mit der Rente angepasst. Der Zuschlag zur laufenden Rente soll gegen Ende des Jahres erstmals gezahlt werden, dann aber rückwirkend ab Juli. Ein Antrag muss dafür nicht gestellt werden. Bei Bestandsrenten wird nicht geprüft, wie hoch die sozialversicherungspflichtigen Einkünfte der Betroffenen während der früheren Erziehungszeit waren. Auch Elternteile, die in der Erziehungszeit hohe sozialversicherungspflichtige Erwerbseinkünfte hatten, bekommen also den vollen Kinderzuschlag.

Neue Renten: Bei neuen Rentenanträgen wird die Kindererziehungszeit dagegen direkt bei der Rentenberechnung desjenigen Elternteils berücksichtigt, der ein Kind vorwiegend erzogen hat. Dabei wird monatsgenau gerechnet. Pro Erziehungsmonat ist die Kindererziehung dabei 0,0833 Entgeltpunkte wert. Bei 12 Monaten kommt dabei fast genau ein Entgeltpunkt zusammen. Auch Mütter, die in den ersten beiden Lebensjahren ihres Kindes (bei Geburten vor 1992) bzw. in den ersten drei Lebensjahren (ab 1992) sozialversicherungspflichtig beschäftigt waren, erwerben hierdurch zusätzliche Ansprüche.

Ein Beispiel hierzu aus Westdeutschland: Eine in Köln lebende Mutter hatte nach der Geburt ihres Kindes 1988 das ganze Jahr über einen Halbtagsjob ausgeübt und dabei 19.448 DM brutto verdient. Im Schnitt war das Bruttojahreseinkommen von Rentenversicherten 1988 in der damaligen alten Bundesrepublik mit 38.896 DM genau doppelt so hoch. Durchschnittsverdiener erwerben genau einen Renten-Entgeltpunkt (EP) für das jeweilige Jahr. Der Mutter aus Köln wird somit für ihre sozialversicherte Beschäftigung 1988 ein halber EP gutgeschrieben. Addiert werden dazu noch 0,9996 EP (0,0833 x 12) für die Kindererziehung. Insgesamt kommt sie damit für 1988 auf 1,4996 Entgeltpunkte. Das bringt ihr nach dem aktuellen Rentenwert (West) vom Juli ein Rentenplus von (28,61 Euro x 1,4996 =) 42,90 Euro (West).

Für Mütter aus den neuen Bundesländern sieht die Rechnung ähnlich aus. Im Detail wird sie allerdings komplizierter. Denn die nominell niedrigeren Einkommen von früheren Ost-Beschäftigten werden durch Hochrechnungsfaktoren aufgewertet.  Nehmen wir als Beispiel eine Mutter aus Erfurt, die 1988 insgesamt 8.500 Mark verdient hatte. Der Hochrechnungsfaktor beträgt für 1988 genau 3,2381. Das für ihre Rente zu berücksichtigende Einkommen der Erfurterin beträgt damit (8.500 x 3,2381=) 27.523,85 DM. Dieses wird nun ins Verhältnis gesetzt zum Durchschnittseinkommen aller Rentenversicherten in den alten Bundesländern (1988: 38.856 DM). So werden die Entgeltpunkte der Erfurterin berechnet. Das Ergebnis (27.523 : 38.856 =) beträgt 0,708 EP. So viel werden der Erfurterin für ihre Erwerbstätigkeit im Jahr 1988 auf ihrem Rentenkonto gutgeschrieben. Zusammen mit den 0,9996 Entgeltpunkten für die Kindererziehung kommt sie damit in diesem Jahr auf 1,7076 EP.


Kappung bei hohen Einkünften

In der Regel bringt die so genannte neue Mütterrente auch erwerbstätigen Eltern ein deutliches Rentenplus. Hat allerdings eine Mutter (oder ein erziehender Vater) recht hohe rentenversicherungspflichtige Einkünfte, so bringt die Kindererziehungszeit unter Umständen nur wenig. Das gilt allerdings bisher schon und hat überhaupt nichts mit den Neuregelungen zur so genannten Mütterrente zu tun. Generell gilt nämlich bei der gesetzlichen Rentenversicherung die Regel: Es gibt eine Obergrenze für die Rentenansprüche, die in einem Jahr erworben werden können.

Ausschlaggebend dafür ist die jeweilige Beitragsbemessungsgrenze. Diese liegt derzeit bei 71.400 Euro. 1988 lag sie in der damaligen Bundesrepublik bei 72.000 DM (jeweils Jahreswerte). Das Durchschnittseinkommen (West) lag damals – wie erwähnt – bei 38.896 DM. Wer so viel verdient hatte, bekam genau einen EP für seine Rente gutgeschrieben. Teilt man die Beitragsbemessungsgrenze durch das Durchschnittseinkommen, so kommt man auf die Entgeltpunkte, die im jeweiligen Jahr maximal für die Rente gutgeschrieben werden. Für das Jahr 1988 ergibt diese Rechnung (72.000 : 38.896 =) 1,85 Entgeltpunkte. Mehr als diese 1,85 EP können Versicherten für das Jahr 1988 auf ihrem Rentenkonto nicht bekommen. Alles was darüber hinausgeht, wird gekappt.

Erstmals Rente: In gar nicht so wenigen Fällen erhalten Mütter durch die Verbesserungen bei den Kindererziehungszeiten erstmals einen Anspruch auf eine gesetzliche Altersrente. Das gilt insbesondere für Selbstständige, berufsständisch Versicherte und Nur-Hausfrauen. Sie können durch die Neuregelung nun in einen Rentenanspruch „hineinrutschen“. Denn durch das nun pro Kind anerkannte zusätzliche Kindererziehungsjahr kommen sie unter Umständen auf die für eine Rente erforderlichen fünf Versicherungsjahre. Wer die fünfjährige Wartezeit erfüllt, hat mit 65 Jahren und drei Monaten Anspruch auf eine kleine Altersrente. Wer knapp an der Fünf-Jahres-Hürde scheitert, für den lohnt sich in der Regel die Zahlung freiwilliger Beiträge. Der monatliche Mindestbeitrag dafür liegt derzeit bei 85,05 Euro.

Anrechnung der Mütterrente bei anderen (Sozial-)Leistungen

Soweit Rentner/innen neben ihrer gesetzlichen Rente Anspruch auf Sozialleistungen haben, führt die (höhere) Mütterrente gegebenenfalls zu einer Kürzung dieser Leistungen.

Wohngeld: Für Rentner/innen, die Wohngeld erhalten, hat eine höhere „Mütterrente“  zur Folge, dass der staatliche Mietzuschuss sinkt. Bei einem um 28,61 bzw. 26,39 Euro erhöhten monatlichen Einkommen kann sich das Wohngeld um gut zehn Euro reduzieren. Die Rentenerhöhung wird allerdings in der Regel erst bei einem neuen Wohngeldantrag berücksichtigt.

Hinterbliebenenrente: Die meisten Hinterbliebenenrentner sind „Doppelrentner“: Sie erhalten ihre eigene Altersrente (oder auch eine Erwerbsminderungsrente) und zusätzlich noch eine Hinterbliebenenrente. Steigen die eigenen Renten durch einen Zuschlag für die Zeit der Kindererziehung, so sinkt die Hinterbliebenenrente. Faustregel: Ein gutes Drittel des Rentenzuwachses wird auf die Hinterbliebenenrente angerechnet. Dies gilt allerdings nur dann, wenn die eigene Alters- oder Erwerbsminderungsrente über 870 Euro (alte Länder) bzw. 800 Euro (neue Länder) steigt.

Grundsicherung im Alter: Bei allen Grundsicherungs-Leistungen zählt die Mütterrente in vollem Umfang an anrechenbares Einkommen. Es gilt also: Ein Euro mehr Mütterrente bedeutet einen Euro weniger Grundsicherung. Für die knapp 300.000 Rentner/innen, die Grundsicherung im Alter oder bei Erwerbsminderung erhalten, bringen die Neuregelungen zur Mütterrente deshalb kein Einkommensplus.

Beitragsfreie Familienversicherung: Wenn es bei der gesetzlichen Krankenversicherung um den Anspruch auf eine beitragsfreie Familienversicherung über den Ehepartner geht, wird die „Mütterrente“ bzw. generell der Teil der gesetzlichen Altersrente, der aufgrund von Kindererziehungszeiten gewährt wird, nicht angerechnet. Das bedeutet: Niemand fällt aufgrund der Erhöhung der Altersrente durch die „Mütterrente“ aus der beitragsfreien Krankenversicherung heraus.

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