Vertrauensarbeitszeit

Freiheit oder Selbstausbeutung?

Den einen Tag erst um 10 Uhr zur Arbeit, den nächsten schon um 8 Uhr. Mit Vertrauensarbeitszeit kein Problem, denn festen Arbeitszeiten sind nicht gegeben, sondern nur ein Zeitrahmen. Dabei steht das Arbeitsergebnis und nicht mehr das reine Ableisten der Arbeitszeit im Vordergrund. Welche Vor- und Nachteile das hat, haben wir zusammengefasst.

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Büro-Stress
17.06.2015
  • Von: Désirée Binder

Vorteile:

Die Möglichkeit, die Arbeit frei einzuteilen, bietet große Chancen zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Außerdem können Mitarbeiter selbst bestimmen, wann und in welchem Umfang sie ihre Arbeit leisten. Beschäftigte, die zum Beispiel früh morgens um 6 Uhr am besten Arbeiten können, fangen dann einfach an. Ist ein Arbeitnehmer ein Langschläfer, kann er auch erst gegen 12 Uhr mit der Arbeit beginnen.

IG BCE

Grafik: Normale Arbeitszeit nicht mehr die Regel
Nachteile:

Aber die Vertrauensarbeitszeit bringt nicht nur Vorteile mit sich. So können tarifliche und betriebliche Regelungen unterlaufen werden. Außerdem entstehen in Verbindung mit hohem Zeitdruck oft lange und gesundheitsschädliche Arbeitszeiten. Zusätzlich besteht die Gefahr, dass für Arbeitszeiten über acht Stunden kein Zeitausgleich entsteht, da die geleistete Arbeitszeit ja nicht erfasst wird. Das macht es für den Betriebsrat schwierig, die Arbeitszeit zu überprüfen. So entstehen auch für lange Arbeitszeiten keine Mehrarbeitszuschläge und ohne sorgfältige Regelung der Normalarbeitszeit kommt es zu Unklarheiten bei der Entgeltfortzahlung.

Was sagt die IG BCE?

Die IG BCE sieht Vertrauensarbeit und Arbeiten ohne Arbeitszeiterfassung kritisch. Denn viele Beschäftigte und Arbeitgeber denken, dass Gesetze und Tarifverträge in diesem Fall keine Anwendung finden. Das führt dazu, dass über ein gesundes Maß hinaus gearbeitet wird. Wenn nicht die Anwesenheit, sondern das Ergebnis bezahlt wird, laufen viele Gefahr, länger zu arbeiten als gesetzlich und tarifvertraglich erlaubt. Hinzu kommt, dass Arbeitgeber Aufgaben erteilen, die im Rahmen der gesetzlichen Arbeitszeit gar nicht zu schaffen sind. Die Beschäftigten sind also gezwungen, mehr zu arbeiten. 

IG BCE

Grafik: Verlässliche Arbeitszeit

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