Flexible Arbeitszeit bei BP Lubes

Klare Regeln für die Arbeit zu Hause

Bei der BP Lubes Marketing in Hamburg dürfen Mitarbeiter zweimal die Woche ihren Schreibtisch nach Hause verlegen. Dabei gibt es klare Regeln für das Arbeiten im Home Office - zum Wohl der Beschäftigten.

Cordula Kropke

BP-Mitarbeiterin Tatjana Einfeldt im Home Office. BP-Mitarbeiterin Tatjana Einfeldt im Home Office.

Büroräume in der Hamburger Hafencity sind schick. Doch nicht alle taugen zum Arbeiten: „In Großraumbüros mit bis zu 34 Kollegen können sich viele nicht konzentrieren“ weiß Hilde-Carmen Petrovici vom Betriebsrat bei der bp Lubes Marketing GmbH in Hamburg. Deshalb wurde der Umzug der Verwaltung  in die Hafencity 2013  zum letzten Anstoß, für die etwa 250 dort Beschäftigten eine Betriebsvereinbarung über mobiles Arbeiten durchzusetzen. Jetzt dürfen Mitarbeitende ihren Schreibtisch zwei Mal die Woche nach Hause oder auch anderswohin verlegen. Ein „Zweitarbeitsplatz“ soll dort nicht eingerichtet werden, steht in der Betriebsvereinbarung vom Dezember 2013. Wer nicht im Büro arbeitet, muss telefonisch erreichbar bleiben und darf höchstens die „regelmäßige tägliche Sollarbeitszeit“ von 7,6 Stunden aufschreiben. In der Betriebsvereinbarung ist von einer neuen Unternehmenskultur mit mehr Selbstverantwortung und Vertrauen die Rede.

Laptops mit Kommunikationsprogramm stellt der Arbeitgeber. „Das war in den Verhandlungen der härteste Brocken“, berichtet Hilde Petrovici, „das war dem Unternehmen anfangs zu teuer. Außerdem gab es Skepsis über den Umgang mit der Arbeitszeit.“

Mit der Erfassung der Arbeitszeit nehmen es die Kollegen sehr genau

Die hat sich inzwischen gelegt. „120 Kolleginnen und Kollegen haben das mobile Arbeiten inzwischen in Anspruch genommen“, berichtet der Betriebsratsvorsitzende Kai-Uwe Brand, „etwa 180 könnten es.“ Beide Seiten scheinen zufrieden: „Die flexible Zeiteinteilung nützt nicht nur denen, die zu Hause dem Heizungsableser die Tür öffnen wollen. Wer in internationalen Teams arbeitet und morgens Telefonate in den fernen Osten und abends in den Westen der Welt führen muss, kann die Stunden dazwischen privat nutzen. Mit der Erfassung der Arbeitszeit nehmen es die Kollegen sehr genau. Das sieht auch die Geschäftsleitung.“  Inzwischen wird über eine Ausweitung des Modells auf andere Standorte verhandelt. Und über realistische Zeitangaben: wer tatsächlich länger als 7,6 Stunden arbeitet, soll bis zu 10,75 Stunden am Tag aufschreiben können. Und wer mehr als zwei Tage für eine bestimmte  Arbeit braucht, soll das auch auf den Tisch bringen dürfen.

Kleine Schritte gehen, Testphasen einplanen, die Interessen beider Seiten im Blick behalten: das ist für Hilde Petrovici das erfolgversprechende Vorgehen. So wurde bei BP 2013 auch eine Betriebsvereinbarung über den Umgang mit Sabbaticals erreicht: Auszeiten bis zu sechs Monaten können nach dem Modell aktiver und passiver Phasen bei der Altersteilzeit genommen werden; während der gesamten Zeit wird das halbe Gehalt bezahlt. Wer die Freistellung will, muss das mindestens drei Monate vorher anmelden und mit den Vorgesetzten auf betriebliche Vereinbarkeit  abstimmen. Begründen muss man es nicht. Einen Anspruch allerdings gibt es auch nicht. „Das war unser Zugeständnis bei den Verhandlungen“, sagt die Betriebsrätin.

Auszeit für acht Wochen

Angelika Reß hat eine solche Auszeit 2013 gemacht: acht Wochen half sie in einem Kinderhaus in Bolivien mit, das sie seit einer Urlaubsreise vor 14 Jahren kennt und finanziell unterstützt. „Ich finde die Chance zum Sabbatical toll“, sagt die Kauffrau  aus dem Schifffahrtsbereich der BP, „es war klar, dass ich das für die Kinder in Bolivien nutze. Sie werden vom Jugendamt in Cochabamba an das Heim vermittelt, und ich wollte ihr Leben schon lange mal besser kennenlernen.“

Angelika Reß

Angelika Reß während ihres achtwöchigen Sabbaticals in einem Kinderhaus in Bolivien. Auszeit für soziale Projekte: Angelika Reß während ihres achtwöchigen Sabbaticals in einem Kinderhaus in Bolivien.
Über die Probleme der Jugendlichen mit Drogen und Gewalt hat sie bei der Hausaufgabenhilfe und in der Backstube einiges erfahren. Und darüber, was im Leben zählt. „Die Kinder sind fröhlich“, erzählt Angelika Reß, „sie kommen mit viel weniger aus. Mir hat das eine andere Sicht auf unseren Überfluss gegeben.“

„Sabbaticals sind Teil der Work-Life-Balance“, egal ob sie für Pflegezeiten, Weiterbildung oder zur Vorbeugung von Erschöpfung genutzt werden. So steht es in den zwölf “Leitplanken zur nachhaltigen Arbeitsgestaltung“, die bei einer Vertrauensleutekonferenz im Bezirk Hamburg/Harburg im Februar angenommen wurden. Weitere Empfehlungen plädieren für das Erfassen von Arbeitszeit, Begrenzen der Verdichtung und bessere Schichtsysteme. Sie sollen Betriebsräte anregen, die Flexibilisierung von Arbeitszeit im Sinne der Beschäftigten, nicht der Unternehmen zu gestalten. Hilde Petrovici hat die Leitplanken mit erarbeitet. Was bei BP über flexibles Arbeiten und Auszeiten vereinbart wurde, hält sie für Schritte in die richtige Richtung: „Wir haben eine Menge an Flexibilität für die Mitarbeiter erreicht, aber es gibt trotzdem Verbesserungspotential“.

Die Kontrolle funktionierte nicht

Verbessern möchte der Betriebsrat die generelle Arbeitszeitregelung, die seit  2011 gilt. Damals wurde die Kernarbeitszeit abgeschafft; Beschäftigte behalten ihre Arbeitszeitkonten eigenverantwortlich im Blick. Dabei fällt aber zu oft Mehrarbeit an, die nicht angeordnet wurde und deshalb nicht extra bezahlt, aber auch nicht ausgeglichen wird.  „Die Kontrolle funktionierte nicht, deshalb haben wir den Arbeitgeber auf Einhaltung der Vereinbarung verklagt“, berichtet der Betriebsratsvorsitzende. „Seitdem läuft es besser. Der Prozess ist erstmal ausgesetzt. Doch er lässt sich jederzeit wieder aufnehmen“.

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