Ehrenamtliche Flüchtlingshilfe

"Ich will meinen Teil beitragen"

Viele IG-BCE-Mitglieder engagieren sich ehrenamtlich in der Flüchtlingsarbeit. Ortsgruppen organisieren Begegnungsveranstaltungen, Vertrauensleutegremien sammeln Geld für Sprachkurse und Schulbücher. Betriebsräte schauen gemeinsam mit Arbeitgebern nach Möglichkeiten, Praktika oder Ausbildungschancen für Geflüchtete zu organisieren. Wie sieht die Arbeit im Alltag aus? Und wie klappt vor allem die Integration in den Arbeitsmarkt? Um diese und viele weitere Fragen ging es beim ersten IG-BCE-Netzwerktreffen „Aktiv in der Flüchtlingsarbeit“. Rund 25 Teilnehmerinnen und Teilnehmer folgten der Einladung in das Adolf-Schmidt-Bildungszentrum in Haltern am See Mitte Juni.

Frank Gärtner/Fotolia

Flüchtlingshilfe Flüchtlingshilfe
17.06.2016
  • Von: Leo Kölzer
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Die Entschlossenheit, mit der sich die Kolleginnen und Kollegen freiwillig und neben ihrer hauptberuflichen Tätigkeit für Flüchtlinge einsetzen, ist auch bei dem Netzwerktreffen deutlich zu spüren. „Die Zuwanderung von Menschen, die vor Krieg, Terror und Rassismus fliehen, stellt uns alle vor eine große Herausforderung, bietet uns gleichzeitig aber auch die Chance auf ein multikulturelles Zusammenleben. Dazu will ich meinen Teil beitragen, auch wenn ich für diese Einstellung schon Kritik einstecken musste“, offenbart Veli Dogan, Betriebsrat bei Axalta in Wuppertal.

Die Integration durch Sprache und Kultur bezeichnen die meisten der anwesenden Helferinnen und Helfer als zentralen Punkt. Vor allem für Kinder sei es wichtig, durch Sprache und dem richtigen Freizeitverhalten Anschluss zu finden. Was bei jungen Menschen und Kindern einfacher funktioniere, könne sich bei älteren schwieriger gestalten und kostet auch die Freiwilligen viel Kraft. Abschiebungsängste, schwierige Wohnraumsituationen und fehlende Einkünfte können schnell zur Blockade werden. Die gelte es zu lösen. Hilfe bei Behördengängen und Sprachpartnerschaften seien oft der Schlüssel zum Erfolg.

Gegenseitiges Verständnis

Fehlende Wertschätzung seitens der Geflüchteten sei glücklicherweise ein seltenes Problem. Im Gegenteil: „Größtenteils freuen sich die Menschen über jede Form der Unterstützung und stellen sich den neuen Herausforderungen“, schildert Klaus Diebener seine Erfahrungen. Er ist Vorsitzender der Ortsgruppe Lengers. Er sehe vor allem in dem gegenseitigen Verständnis für die jeweils andere Kultur einen wichtigen Ansatz. „Da fehlt manchmal von beiden Seiten das nötige Feingefühl“.

Einen zentralen Punkt stellt für die Gruppe auch die Integration in den Arbeitsmarkt dar. Die Mehrheit wolle ganz normal Arbeiten und kein Geld vom Staat, so die Erfahrungswerte der Helferinnen und Helfer. Bei vielen Flüchtlingen sei „Warten“ das Wort, das man am häufigsten von überlasteten Behördenmitarbeitern zu hören bekommt. Ohne Registrierung, kein Asylantrag – und keine Arbeitserlaubnis. Und auch dann dürfen Asylbewerber die ersten drei Monate nicht arbeiten.

Mit eigenen Erfahrungen helfen

Es gibt allerdings auch Beispiele von jungen geflüchteten Männern, die durch ein Praktikum und begleiteten Sprachkurs die Aussicht auf einen Ausbildungsplatz haben. Für die Unternehmen und Betriebe besonders wichtig: Nicht anstatt, sondern zusätzlich, zu den bereits eingeplanten Ausbildungsplätzen. Als Unterstützung im Arbeitsalltag, werden die jungen Männer von Mitarbeitern unterstützt, die selbst einen Migrationshintergrund haben. Die in erster, zweiter oder auch schon dritter Generation in Deutschland leben und bei möglichen Sprachbarrieren, Fragestellungen und Problemen helfen können.

Seine Eltern seien auch mal neu in diesem Land gewesen, erklärt Veli Dogan voller Stolz in seiner Stimme. Mittlerweile aber, leben er und seine Familie schon in der dritten Generation in Deutschland. „Meine Tochter ist hier geboren, spricht besser Deutsch als Türkisch. Wenn wir mit unseren Erfahrungen helfen können, machen wir das natürlich, egal ob im Betrieb oder in der Freizeit“.

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