Flüchtlingshilfe

Für ein selbstbestimmtes Leben in Deutschland

Mit der Hilfe der Technischen Fachhochschule Bochum, dem Asta und der IG BCE haben Flüchtlinge im Ruhrgebiet die Möglichkeit, ein Ingenieursstudium aufzunehmen. Kostenlose Sprachkurse beginnen am 1. Februar. Flüchtlinge können als Gasthörer Uni-Luft schnuppern oder als reguläre Studenten Seminare besuchen und Prüfungen absolvieren.

Frank Rogner

Flüchtlinge informieren sich über Studium Norbert Krakau und sein Kollege Mohammad Naeem (1. und 2. v. re.) vom Bereich Elektro- und Informationstechnik führten die Flüchtlinge durch die Laboratorien.

Ahmed Ghazi wirkt wie ein Mann, der mit beiden Beinen im Leben steht. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. Als Business Manager bei Thyssen Krupp konnte er seiner Familie immer ein gutes Leben bieten. Doch das selbstbewusste Auftreten, das herzliche Lächeln im Gesicht trügen: Der Krieg hat Ahmed Ghazi und seiner Familie ihr bisheriges Leben geraubt. Gemeinsam sind sie aus Syrien geflohen.

Frqank Rogner

Ahmed Ghazi Ahmed Ghazi

Seit einem knappen Jahr lebt die Familie nun schon in Deutschland. „Jetzt bin ich Flüchtling, kein Manager mehr“, sagt Ghazi, dessen syrische Berufsabschlüsse in Deutschland nicht anerkannt sind. Dabei möchte der gelernte Elektroingenieur so gerne wieder arbeiten. Auf seinem Weg dorthin bekommt er nun Unterstützung: von der Technischen Fachhochschule (TFH) Georg Agricola in Bochum samt Asta sowie der IG BCE.

Aktiv ein Zeichen setzen

An der TFH sollen Flüchtlinge die Möglichkeit bekommen, ein Ingenieursstudium aufzunehmen. Manfred Freitag, Geschäftsführer der DMT-Gesellschaft für Lehre und Bildung Bochum, der Trägergesellschaft der TFH, hieß eine Gruppe Flüchtlinge jüngst persönlich in der Fachhochschule willkommen. Die sechs jungen Männer aus verschiedenen Städten rund um Bochum konnten sich ein erstes Bild von den Räumlichkeiten machen. Sie schauten sich die Laboratorien und Arbeitsplätze an, ließen sich Platinen, Apparate und Messgeräte zeigen.

„Wir möchten aktiv ein Zeichen setzen statt nur zu reden“, sagt Dennis Matissik, Asta-Mitglied und Mit-Initiator der Flüchtlings-Initiative der TFH. Bei der Hochschule habe er offene Türen eingerannt. Und auch die IG BCE unterstützt das Projekt.

Was bedeutet das genau für angehende Studenten wie Ahmed Ghazi? Wie geht es für sie weiter? Sie haben drei Möglichkeiten: Flüchtlinge mit geringen Deutschkenntnissen können als Gasthörer an den Vorlesungen teilnehmen und die erste Uni-Luft schnuppern. Sind die Deutschkenntnisse gut genug, um an Vorlesungen und Seminaren aktiv teilzunehmen, können sie ein Probestudium aufnehmen. Das dauert maximal vier Semester, also zwei Jahre. Spätestens dann müssen die Deutschkenntnisse so ausgereift sein, dass die Studierenden ins Regelstudium wechseln können.

Kostenlose Sprachkurse

Die Technische Fachhochschule bietet jedem Teilnehmer einen kostenlosen Sprachkurs an. „Am 1. Februar geht’s los“, verspricht Manfred Freitag. Außerdem soll jeder – egal ob regulärer Student oder Gasthörer – ein Semesterticket bekommen. Dank der Förderung des IG BCE Regionalforums Bochum-Hattingen-Sprockhövel kann die Hochschule den Flüchtlingen zusätzlich Laptops zur Verfügung stellen.

Frank Rogner

Dennis Matissik Dennis Matissik

Die Flüchtlinge, die für das Projekt infrage kommen, hat Dennis Matissik „entdeckt“. Der 33-Jährige ist nicht nur im Asta der Hochschule aktiv, sondern engagiert sich auch ehrenamtlich in einer Notunterkunft in Dorsten. „Da merkt man schnell, wer einen technischen Hintergrund hat“, sagt er. Wie zum Beispiel bei Maziad Aloush, mit dem Matissik mittlerweile gut befreundet ist. „Wir sehen uns jeden Tag“, sagt der aus Syrien stammende Aloush und schaut seinen Freund dankbar an.

Herzlich willkommen

Dabei hat Maziad Aloush gar keinen technischen Beruf: Der 31-Jährige war in seiner Heimat Englischlehrer an einer Grundschule. „Aber eigentlich habe ich die Sprache studiert, um in der Wirtschaft zu arbeiten“, sagt der Syrer, der gemeinsam mit seinen zwei jüngeren Brüdern vor dem Krieg in seiner Heimat geflohen ist. Mit einem Studium in Bochum hat er nun die Möglichkeit, doch noch in die Wirtschaft zu gehen. „Das ist eine super Chance und ich werde hart arbeiten, um diese Chance auch zu nutzen“, sagt er, während er sich die Versuchsaufbauten in den Technikräumen der Fachhochschule ganz genau anschaut. „Und wir werden alles dafür tun, um Sie möglichst gut dabei zu unterstützen“, sagt DMT-Geschäftsführer Manfred Freitag. „Sie sind hier sehr willkommen.“

Frank Rogner

Maziad Aloush Maziad Aloush

Auch Adi Siethoff, Leiter des IG-BCE-Bezirks Dortmund-Hagen, heißt die zukünftigen Studenten willkommen: „Zusammen mit der TFH freuen wir uns sehr, Menschen, die zu uns nach Deutschland geflüchtet sind, eine neue Perspektive zu geben. Durch das Studium wird diesen jungen Menschen eine gute berufliche Zukunft ermöglicht.“

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