Flüchtlinge

Angekommen in der Oberpfalz

Hanad Djama Hassan kam als 17-Jähriger allein nach Deutschland. Drei Jahre später beginnt der Somalier eine Ausbildung zum Elektroniker bei den Amberger Kaolinwerken. Und ist für jüngere Flüchtlinge heute ein Vorbild.

Marc Pfeiffer

Mit 20 Jahren begann Hanad Djama Hassan seine Ausbildung bei den Amberger Kaolinwerken. Begeisterter Elektroniker-Azubi: Mit 20 Jahren begann Hanad Djama Hassan seine Ausbildung bei den Amberger Kaolinwerken.
02.11.2015
  • Von: Jasmin Siebert
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Der Anruf kam morgens um sechs; die Amberger Kaolinwerke würden ihn nehmen. Im September begann Hanad Djama Hassan seine Ausbildung zum Elektroniker. Für den 20-jährigen Somalier ging damit ein Traum in Erfüllung.

Aufgewachsen ist Djama mit neun Geschwistern in Somalia. Schon als Kind interessierte er sich für Technik und Elektrik. Wenn der Vater, ein Elektriker, bei den Nachbarn das Licht reparierte, war der kleine Hanad immer dabei. Eines Tages beschlossen seine Eltern, den damals 17-Jährigen ins Ausland zu schicken. Als ältester Sohn war Djama in dem vom Bürgerkrieg zerrütteten Land besonders gefährdet, zwangsrekrutiert zu werden. Von Addis Abeba, Äthiopiens Hauptstadt, aus flog Djama mit falschen Papieren nach Frankfurt am Main. »Es war so kalt«, Djama verzieht das Gesicht, »das werde ich nie vergessen.«

Untergebracht wurde er in einer betreuten Wohngruppe für unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge in Neustadt an der Waldnaab. Er bestand die Mittlere Reife an der Realschule und jobbte anschließend ein Jahr lang bei McDonald’s und im Lager von Witt Weiden. So konnte er sich den Führerschein und ein gebrauchtes Auto finanzieren. Doch Djama wollte weiterlernen und verschickte 20 Bewerbungen für Ausbildungsplätze.

Christian Hartmann, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender der Kaolinwerke, war beeindruckt von Djamas Werdegang, seinen guten Deutschkenntnissen und seiner Motivation. Damit keinem deutschen Bewerber eine Stelle weggenommen wird, wurde für Djama ein zusätzlicher Ausbildungsplatz geschaffen – dabei konnte das Unternehmen seine regulären Plätze gar nicht alle besetzen.

»Ich bin sehr glücklich, dass ich den Job bekommen habe«, sagt Djama. Bei Schwierigkeiten unterstützen ihn der Betriebsrat und die Gewerkschaft. Mithilfe des DGB Rechtsschutzes versuchte er, Ausbildungsbeihilfe zu bekommen. Weil er etwas zu viel verdient, blieb sie ihm allerdings verwehrt. »Jetzt stellen wir einen Antrag auf Wohngeld«, sagt Hartmann.

Einmal die Woche hilft Djama nach der Arbeit in einer Wohngruppe für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge als Dolmetscher. Seinen Blaumann mit dem Aufnäher der Kaolinwerke lässt er extra an. Für die jüngeren Flüchtlinge ist Djama ein Vorbild.

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