4. If.E - Betriebsrätekonferenz

Statt Ausstiegspläne Vorrang für Speicher und Netze

Energiewende braucht einen neuen Fahrplan

Gero Breloer

Michael Vassiliadis, Vorsitzender der IG BCE  „Wir brauchen eine große Initiative für Speichertechnologie", so der IG-BCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis auf der  If.E-Betriebsrätekonferenz in Berlin.
20.04.2016
  • Von: Rudi Heim
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„Vorrang für Speicher“ – unter diesem Slogan startet das Innovationsforum Energiewende (If.E) eine Informationskampagne, um auf noch ungelöste Probleme im Energiesektor aufmerksam zu machen. Vor Betriebsräten aus der Energiewirtschaft mahnte IG-BCE-Vorsitzender Michael Vassiliadis am Mittwoch (20. April) in Berlin: „Ohne die Frage zu lösen, wie Strom aus Erneuerbaren gespeichert werden kann, wird die Energiewende ihr Ziel nicht erreichen.“ Deshalb müsse die Bundesregierung jetzt umsteuern: „Wir brauchen eine große Initiative für Speichertechnologie mit dem Ziel, zwei Wochen trübe Flaute im Winter überbrücken zu können.“ Das erfordere einen Ausbauplan mit klaren Zwischenschritten für den Speicherausbau - genauso wie bereits für den Ausbau der Erneuerbaren und der Netze.

Vassiliadis: „Was wir nicht haben, ist ein Aktionsplan für die Energiewende insgesamt, der aufzeigt, wie die Voraussetzungen geschaffen werden sollen, um tatsächlich auf Braun- und Steinkohle, Öl und Gas verzichten zu können. Von daher verbieten sich kurzsichtige und allein klimapolitisch motivierte Ausstiegsdiskussionen. Wir brauchen keine leichtfertigen, ideologischen Wettrennen um Ausstiegspläne.“ Das Ergebnis wäre ein industrie- und energiepolitisches Desaster mit katastrophalen sozialen und regionalen Folgen. Solange die offenen Fragen nicht geklärt wären, sei es notwendig, die Energiewende durch fossile Energieträger abzusichern. „Wir sind nicht gegen die Energiewende, sondern für eine bessere.“

Dietmar Woidke, Ministerpräsident des Landes Brandenburgs, unterstrich, dass die Diskussion über die Energiewende nicht allein ökologisch zu führen sei. Vielmehr müssten die ökonomischen sowie die sozialen Aspekte gleichrangig berücksichtigt werden. „Den Klimaschutzplan 2050 können wir nur mittragen, wenn damit keine weiteren Eingriffe in die Braunkohleverstromung verbunden sind. Denn dann würde es zu einem Strukturbruch in der Lausitz kommen.“ Woidke wies darauf hin, dass die Industrieproduktion 25 bis 30 Prozent des heimischen Wohlstands ausmache. Der Standort Deutschland könne mittelfristig nicht auf die Braunkohle verzichten.

Staatssekretär Erhard Weimann, Bevollmächtigter des Freistaates Sachsen beim Bund, sieht in der heimischen Braunkohle eine wesentliche Kostenbremse im Energiebereich: „Erst unter diesem Schutzschirm können sich die Erneuerbaren Energien entwickeln.“ Es gelte daher, die Kosteneffizienz im Auge zu behalten. Zugespitzt merkte der Staatssekretär an: „Geld kommt aus der Steckdose - und zum Schluss bezahlen es Verbraucher und Industrie.“

Vor dem Hintergrund der enormen Investitionen mahnte Wolfgang Büchele, Vorstandsvorsitzender der Linde AG, Planungssicherheit Rahmenbedingungen an. „Es fehlt uns eine Roadmap“. Klare Rahmenbedingungen forderte Fred Schulz, stellvertretender Konzernbetriebsratsvorsitzender der E.ON SE. „Politik muss einen fairen Markt gestalten.“

Der Anteil Erneuerbarer Energien an der Stromversorgung wächst rasant. Mit 35 Prozent ist das Ziel für 2020 schon heute fast erreicht. Dagegen hinkt der Ausbau von Stromspeichern und Netzen hinterher. Die Folge: Allzu oft kommt der Strom nicht an, wo und wann er gebraucht wird. Die Potentiale der Erneuerbaren werden verschenkt. Denn nach wie vor gibt es keine ausreichende Möglichkeit, Wind- und Sonnenstrom zu speichern. Deshalb können die Erneuerbaren die Energieversorgung nicht sichern. Um nur zwei wind- und sonnenarme Wochen zu überbrücken, wären Speicherkapazitäten von 30 Terrawattstunden notwendig. Die Industrie arbeitet mit Hochdruck an innovativen Lösungen, so das Ergebnis der If.E-Fachforen. Erforderlich sei jetzt eine tragfähige Planung mit klaren Zielen für den Speicherausbau.

Die mittlerweile 4. If.E – Betriebsrätekonferenz ist eine Veranstaltung des Innovationsforums Energiewende (If.E). Dem Steuerungskreis gehören Vertreter großer energieerzeugender und energieintensiver Unternehmen an. Vorstandsvorsitzender des If.E ist Michael Vassiliadis. Gemeinsames Ziel aller Beteiligten ist es, mehr wirtschafts- und industriepolitischen Sachverstand in die Energiewende einzubringen. Die Unternehmensvertreter und Betriebsräte verstehen sich als die eigentlichen Träger der Energiewende – und wollen mit eigenem Engagement dazu beitragen, dieses gewaltige Projekt so zu gestalten, dass Deutschland damit eine nachhaltig gute Entwicklung nimmt.

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