Versorgungssicherheit

Es fehlt Energie

Energiewende mit Flaschenhals: Bei Dunkelflaute geht Deutschland der Strom aus. Es fehlen Reserven und Speichermöglichkeiten, um den Bedarf zu decken.

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An trüben und windstillen Tagen ist die Stromversorgung in Gefahr. An trüben und windstillen Tagen ist die Stromversorgung in Gefahr.
28.03.2017
  • Von: Sascha Schrader

Der zurückliegende Winter war für die meisten Deutschen ein völlig gewöhnlicher Winter. Einem relativ milden Dezember folgte ein knackigkalter Januar und ein feucht-kalter Februar. So weit, so normal. Doch im Januar kamen an mehreren Tagen die Beschäftigten der Netz- und Kraftwerkbetreiber gehörig ins Schwitzen, denn die sogenannte Dunkelflaute wurde spürbar.

In der vierten Januarwoche lieferten weder die Windkrafträder noch die Solaranlagen nennenswert Strom; nach Daten der Leipziger Strombörse teilweise nur etwa 2,5 Prozent des gesamten Stromverbrauchs. Zum Vergleich: An den sonnig-windigen Januartagen trugen dieselben Energieträger bis knapp 50 Prozent zur Energieerzeugung bei. Eine gewaltige Differenz.

Die Netzbetreiber schafften es mit großer Mühe und unter Einsatz aller Notreserven den großen Stromausfall zu verhindern. Allerorts wurden Pumpspeicherwerke aktiviert und Reservekraftwerke hochgefahren. Am 24. Januar reichte es trotzdem morgens und abends nur knapp, den Ausfall zu verhindern.

Stromnetz und Stromspeicherkapazitäten wachsen nicht mit

Problematisch ist dabei nicht, dass die erneuerbaren Energien nicht verlässlich Strom liefern. Das ist eine von Anfang an bekannte Tatsache. Problematisch ist, dass seit Jahren diese Tatsache keine Berücksichtigung bei der Planung der Energiewende spielt. Denn während die Erneuerbaren stetig wachsen – ihr Anteil ist mittlerweile im Schnitt bei etwa 35 Prozent – wachsen Stromnetz und vor allem die Stromspeicherkapazitäten nicht entsprechend mit. Noch schlimmer: Durch Umlagen und Abgaben wird die Entwicklung teilweise sogar gebremst. Es lohnt sich einfach nicht, Stromspeicher zu betreiben, wenn die Dienstleistung kostet, statt bezahlt zu werden. Notwendige Stromtrassen können nicht gebaut werden, weil die Politik die Planungsverfahren in die Länge zieht wie beispielsweise durch die Debatte um unterirdische Trassen in Bayern.

Der Januar hat gezeigt, wie dringend wir schon jetzt deutlich größere Speicherkapazitäten benötigen. Um eine Woche mit wenig Wind und Sonne zu überbrücken, benötigt Deutschland Speicherkapazitäten von etwa 15 Terawattstunden. Installiert sind knapp 50 Gigawattstunden, das ist ein Dreihundertstel der benötigten Reserven.

So bleibt der Energiewirtschaft nichts anderes übrig, als die Differenz über Alternativen zu alternativen Energiequellen zu decken: die konventionellen Energieträger Kohle, Gas und Kernenergie.

Denn Stromimporte von unseren europäischen Nachbarn funktionieren nicht mehr wie noch in der Vergangenheit. Der sicher geglaubte Stromexporteur Frankreich musste im Januar wegen ausgefallener Kernkraftwerke selber händeringend Strom importieren und kaufte den europäischen Markt leer. Und die deutschen Kraftwerke werden weniger: In den letzten fünf Jahren wurden Kraftwerke mit einer Leistung von über zwölf Gigawatt zur Stilllegung angemeldet. Ihr Betrieb ist zu teuer, wenn sie nur ein paar Tage im Jahr hochgefahren werden.

Neue Speichertechnologien müssen gefördert werden

Die Lösung liegt neben dem Erhalt unserer Kohle- und Gaskraftwerke für die Jahrzehnte, die sie noch gebraucht werden, in der Förderung neuer Speicherwerke und neuer Speichertechnologien. Die derzeit effektivste Form der Energiespeicherung im großen Maßstab bieten Pumpspeicherwerke. Sie müssen in ihrer Leistungsfähigkeit erhalten, ihr Betrieb wieder profitabel gemacht werden. Es ist nicht nachvollziehbar, dass die Speicher mit Netzentgelten belastet werden, denn sie sind ein wichtiger Teil des Stromnetzes und keine Verbraucher. Doch Pumpspeicher lassen sich nicht unendlich bauen, neue Standorte sind schon jetzt nur noch schwer zu finden.

Innovative neue Speichertechnologien sind gefragt, denn klassische Batteriespeicher können nicht genug speichern. Aktuelle Großbatteriesysteme speichern Energie, die den deutschen Stromverbrauch gerade einmal mehrere Sekunden deckt. Sie sind regionale Stabilisatoren des Stromnetzes, keine langfristigen Energiespeicher. Die Industrie arbeitet daher mit Hochdruck an Technologien, die Energie beispielsweise in Gas oder Flüssigkeiten speichert. Der an windigen oder sonnigen Tagen im Überfluss erzeugte Strom kann dann an wolkigen oder windarmen Tagen wieder zurückgewonnen werden. Aus der Erprobungsphase ist jedoch bisher noch keine Technologie herausgekommen und die staatliche Förderung sollte erhöht werden. Bis dahin bleibt nur, auf stürmische Zeiten im Winter zu hoffen.

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