Die Kohle ist ihr Leben

Pläne für zusätzliche CO2-Abgabe: Mibrag-Beschäftigte fürchten um ihre Arbeitsplätze

Sie bangen wieder einmal um ihre Zukunft: Mehr als 1000 Mitarbeiter der Mibrag haben gestern am Tagebau Profen gegen die Pläne von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel protestiert, der eine nationale Klimaschutzabgabe einführen will. Sie befürchten, dass bei bis zu 20 Euro zusätzlichen Kosten pro Tonne Kohlendioxid-Ausstoß die zur Mibrag gehörenden Kraftwerke unrentabel werden und schließen müssten. Was für den Braunkohletagebau in Mitteldeutschland verheerende Folgen hätte.

Michael Bader

"5 vor 12" bei der MIBRAG in Profen bei Zeitz Die Belegschaft steht geschlossen für eine Energiepolitik mit Augenmaß.
26.03.2015
  • Von: Wolfgang Lenders
  • Fotostrecke: 8 Bilder

„Wir waren schockiert, als wir von den Plänen erfahren haben“, sagt etwa Matthias Gammert. Er ist Vorarbeiter in der elektrischen Instandhaltung im Kraftwerk Deuben, einer der betroffenen Anlagen. Das Kraftwerk ist mit moderner Filtertechnologie ausgestattet, liefert nicht nur Strom, sondern auch Fernwärme und treibt eine Brikett- und Staubfabrik an. Aber es ist mit einer installierten elektrischen Leistung von 86 Megawatt eine eher kleines Kraftwerk. Diese brauchen für die Produktion der gleichen Menge Strom mehr Kohle als große Anlagen, stoßen also auch mehr Kohlendioxid pro Kilowattstunde aus.

In Gefahr sieht Gammert nicht nur seinen Arbeitsplatz und die der Kollegen im Kraftwerk, sondern den kompletten Tagebau Profen. „Das funktioniert nur als Ganzes, so ein Standort.“ Vor allem die Zukunft seiner jungen Kollegen sieht er gefährdet. „Einige fangen gerade an, sich ein Haus zu bauen. Die können solche Einschnitte nicht gebrauchen.“

Wenn die Mibrag ihre Kraftwerke schließen müsste, wäre das für das ganze Unternehmen und auch die Zulieferbetriebe schlimm. „Die Mibrag ist der größte Ausbilder hier im Burgenlandkreis“, sagt Christine Schumann. „Wenn das wegfallen würde, gäbe es für die jungen Leute keine Alternative.“ Schumann selbst arbeitet in der Verwaltung der Mibrag. „Viele bei uns sind schon über 50, die haben auf dem Arbeitsmarkt keine andere Perspektive.“

  • "5 vor 12" bei der MIBRAG in Profen bei Zeitz.
    Foto: 

    Michael Bader

    Mehr als 1000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von MIBRAG und GALA-MIBRAG-Service GmbH demonstrieren im Tagebau Profen bei Zeitz.

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Ohne die Kraftwerke könnte der ganze Tagebau Profen in Gefahr sein, fürchten viele der Beschäftigten So fürchtet etwa Elke Kirsch um ihren Arbeitsplatz bei einer Tochterfirma der Mibrag. Bevor die Kohlebagger kommen, sichert sie als Archäologin das historische Erbe der Region. Einer Region, zu der auch der Braunkohleabbau gehört. „Ich wohne im Profen, in Tagebaunähe“, erzählt sie. „Der Tagebau gehört einfach zu uns, das war schon immer so.“ Die Aussicht, dass sich das möglicherweise in fünf Jahren ändern könnte, ist für sie kaum vorstellbar. Und dass sie dann woanders einen Arbeitsplatz finden könnte noch viel weniger.

Bei der Kundgebung rief er stellvertretende IG-BCE-Landesbezirksleiter Stephan Enzmann die Versammelten zum Zusammenhalt auf. Es gelte nun, gemeinsam mit den anderen Revieren gegen die Pläne zu kämpfen. „Sonst werden wir soziale Wüsten haben.“

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