Interview

Vom Neuland Uni

Katja Urbatsch ist die Gründerin der gemeinnützigen Initiative Arbeiterkind.de. Wir habe mit ihr über falsche Vorstellungen und manchmal fehlende Selbstsicherheit von Kindern aus nichtakademischen Familien gesprochen.

Nadine Wojcik

Katja Urbatsch Katja Urbatsch kommst selbst aus einer Arbeiterfamilie und kennt die Probleme vieler Kinder aus nichtakademischen Haushalten.
24.09.2013
  • Von: Katrin Schreiter

Heutzutage machen deutlich mehr Kinder aus Arbeiterfamilien Abitur als früher und damit den Schritt Richtung Uni. Wieso braucht man da noch Arbeiterkind.de?
Dem Abitur folgt nicht zwangsläufig ein Studium. Da spielt der Bildungsstand der Eltern immer noch eine große Rolle: Eine aktuelle Erhebung des Deutschen Studentenwerks zeigt, dass von 100 Akademikerkindern 77 ein Studium aufnehmen, von 100 Nicht-Akademikerkindern lediglich 23. ArbeiterKind.de hat sich zum Ziel gesetzt, diese Situation zu verbessern.

Was steckt hinter diesen Zahlen?
Vor allem Vorbehalte, Ängste und Unsicherheiten.

Vor dem Unbekannten?
Ja! Es fehlen viele Informationen über den Studienalltag und den Uni-Betrieb. Und Eltern wollen natürlich das Beste für ihr Kind und machen sich daher Sorgen, ob zum Beispiel die finanzielle Belastung zu hoch sein könnte oder die Berufsaussichten zu ungewiss sind. Deshalb geben wir Informationen zu BAföG, Stipendien und Jobchancen.

Sie haben Ihre eigene Erfahrungen mit der Thematik gesammelt?
Ja, ich komme selbst aus einem nichtakademischen Elternhaus und kenne die Ängste, die man haben kann, wenn es um das unbekannte Neuland Uni geht. Auch diese Selbstsicherheit, mit der sich viele Akademikerkinder in den Hörsälen bewegen, war lange Zeit eine andere als bei mir.

Wie hilft Arbeiterkind.de?
Bei uns sind mehr als 5000 ehrenamtliche Mentorinnen und Mentoren in 70 lokalen Gruppen aktiv. Wir gehen vor allem in die Schulen, halten Vorträge und informieren auf Bildungsmessen. Im Zentrum stehen die Fragen: Warum studieren? Was studieren? Wie finanzieren?

Das Geld spielt eine große Rolle?
Ja, 70 Prozent der Fragen drehen sich darum. Aber nicht nur in Arbeiterfamilien. Wir haben auch Unternehmerfamilien, in denen noch nie jemand studiert hat. Da müssen sich die Kinder oft von ihren Eltern die Frage stellen lassen, ob sich ein Studium überhaupt lohnt oder ob es nur Geld kostet. In diesem Zusammenhang informieren wir auch über BAföG und machen Mut, sich um Stipendien zu bewerben.

Wo können Schüler und Studenten Hilfe finden?
Wir haben ein großes soziales Netzwerk und viele lokale Stammtische und Sprechstunden. Alle Informationen dazu findet man auf unserer Homepage unter www.arbeiterkind.de.


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