Hans-Böckler-Stipendium

Vom Labor an die Uni

Nach der Ausbildung noch ein Studium? Marco Fritz ist gelernter Chemielaborant und hat sich für diesen Weg entschieden. Ohne Abitur, aber unterstützt von der Gewerkschaft, bewarb er sich erfolgreich an der Humboldt-Uni in Berlin. Seit Herbst 2012 studiert er Jura und wird mit einem Stipendium der Hans-Böckler-Stiftung gefördert.

Désirée Binder

Marco Fritz, Stipendiat der Hans-Böckler-Stiftung Marco Fritz studiert, dank dem Hans-Böckler-Stipendium, Jura in Berlin.
23.07.2013
  • Von: Désirée Binder

Marco Fritz trägt kurze Hosen, Turnschuhe und ein Piercing im Gesicht. Er sieht nicht aus wie ein typischer Jurastudent. Typisch ist auch nicht sein Weg ins Studium. Der 24-Jährige studiert ohne Abitur und hat eine Ausbildung als Chemielaborant abgeschlossen. „Drei Jahre habe ich nach der Ausbildung gearbeitet, ein halbes Jahr davon war ich freigestellter Betriebsrat“, sagt Fritz. Die Arbeit für die Gewerkschaft ermöglichte ihm den Weg an die Uni.

Erste  Einblicke in die Gewerkschaftsarbeit bekam er während eines Wochenendseminars des IG-BCE-Bezirks Freiburg. Fritz interessierte sich vor allem für Jugendarbeit, und er entschloss sich, selbst Seminare zu leiten. Dank seines Einsatzes bei Einführungsveranstaltungen und politischen Schulungen für Auszubildende wurde er bald darauf in den Landesbezirksjugendausschuss gewählt und engagierte sich für die gewerkschaftliche Jugendarbeit bei der Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV).

Mit dem Thema Arbeitsrecht hatte er sich in den Jugendvertreterseminaren auseinandergesetzt: „Ich war richtig fit darin.“ Dann aber hätten ihn mehrere Gewerkschafter angesprochen, ob er nicht noch studieren wolle. „Eigentlich hatte ich nicht vor, noch Jura zu studieren“, sagt der 24-Jährige, „ich musste erst einmal überlegen, ob ich weiter arbeiten möchte oder nicht.“

Er entschied sich letztlich vor allem deshalb für das Studium, weil er in seinem Beruf keine Aufstiegsmöglichkeiten mehr sah. „Früher war es noch möglich, als Chemielaborant zum Laborleiter aufzusteigen“, sagt Fritz. Mittlerweile wäre das aber nicht mehr so einfach, es würden meist nur noch Bewerber mit Hochschulabschluss genommen.

Vom Hans-Böckler-Stipendium hörte Marco Fritz das erste Mal, als er sich für die Leitung von JAV-Seminaren qualifizierte. Bei einem der Lehrgänge wurden die Hans-Böckler-Stiftung (HBS) und das Stipendium vorgestellt. „Wirklich beschäftigt habe ich mich mit dem Stipendium allerdings erst, als ich meine Fachhochschulreife nachgeholt hatte und ein Studium für mich in Frage kam“, erklärt Fritz.

Marco erhielt für seine Bewerbung ein Empfehlungsschreiben von seinem Bezirk, ein weiteres vom Landesbezirk Baden-Württemberg und eines drittes vom Landesbezirk Bayern. „Die Empfehlungsschreiben bestätigten meine gewerkschaftliche Mitarbeit“, sagt Fritz. Die IG BCE legte die Bewerbung dem Auswahlausschuss vor, und Fritz wurde für das Stipendium ausgesucht. Er wird nun elternunabhängig gefördert.

„Ich erhalte die volle Förderung; das Stipendium, das sich am BAföG-Satz orientiert, plus Büchergeld“, erklärt Fritz. Er bekommt im Monat 597 Euro zuzüglich 150 Euro Büchergeld.

Fritz, der auch während des Studiums weiterhin in der Gewerkschaft aktiv ist, findet Studierendenarbeit bei der Gewerkschaft wichtig. „Auf diese Weise kann man Studenten an Gewerkschaften binden“, ist der 24-Jährige überzeugt.

Die IG BCE hat bereits Veranstaltungen für Hochschulen ausgearbeitet und organisiert. „Die Schulungen der IG BCE bringen den Studenten die Gewerkschaft näher“, sagt Oliver Hecker, Experte für Studierendenarbeit bei der IG BCE. „Die Studenten werden über ihre Rechte im Praktikum aufgeklärt und darüber, was sie bei Berufsbeginn beachten sollten.“ Derzeit habe die IG BCE zwei Veranstaltungsmodule zu diesen Themen ausgearbeitet, weitere seien in Planung.

„Eigentlich hatte ich nicht vor zu studieren“, sagt Fritz, „die Gewerkschaft hat mich dazu motiviert. Nun habe ich bessere Aufstiegsmöglichkeiten.“

Nach oben