Studium

Studieren mit BAföG

BAföG bietet die Möglichkeit das Studium zu finanzieren. Doch wo können es Studenten und Meister beantragen und wie sieht eine Förderung aus? Alle wichtigen Fragen rund um das Thema BAföG haben wir hier zusammengefasst.

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Studentengruppe
20.10.2014
  • Von: Marleen Tuttlies
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Wann kann ich einen Antrag auf BAföG stellen?
Anspruch auf BAföG hat grundsätzlich jeder, der an einer Universität oder Fachhochschule eingeschrieben ist und es sich bei dem Studium um einen grundständigen Studiengang handelt, das heißt, das Studium führt zum ersten Hochschulabschluss. Sofern alle nötigen Voraussetzungen erfüllt sind, kann aber auch für ein Masterstudium BAföG beantragt werden.
Wer nicht die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt, ist nur unter bestimmten Voraussetzungen förderungsfähig. Außerdem sollte das Alter zu Beginn des Ausbildungsabschnittes nicht über 30 Jahre sein, in Masterstudiengängen nicht über 35.

Wie hoch ist die finanzielle Förderung?
Ob eine Förderung möglich ist und wie hoch diese durch BAföG ausfällt, hängt von den eigenen finanziellen Mitteln, den der Eltern, gegebenenfalls der Ehegatten oder des eingetragenen Lebenspartners ab. Es wird ermittelt, ob die finanziellen Mittel ausreichen, um den Bedarf für Lebensunterhalt und Mittel, die für die Ausbildung gebraucht werden, während der Ausbildung zu decken.
Die Höhe der Förderung ist von der Art der Ausbildungsstätte und der Unterbringung abhängig. Wenn der Auszubildende aufgrund der Entfernung zu der Ausbildungsstätte noch im Elternhaus wohnen kann, fällt der Förderungsbeitrag natürlich geringer aus, als bei Studenten oder Auszubildenden, die aufgrund der Entfernung zur Ausbildungsstätte nicht mehr im Elternhaus wohnen können.
Eine Übersicht mit den aktuellen Bedarfssätzen ist hier zu finden.

Welche Ausbildung ist förderungsfähig?

  • Nicht nur ein Studium an Hochschulen und Universitäten wird gefördert, sondern auch der Besuch weiterführender Bildungsstätten, wie zum Beispiel:
  • Weiterführende allgemeinbildende Schulen (Haupt, - Real und Gesamtschulen, Gymnasien) ab Klasse 10, sofern der Auszubildende nicht mehr bei den Eltern wohnen kann.
  • Berufsfachschulen, für die eine abgeschlossene Berufsausbildung nicht Voraussetzung ist, Klassen aller Formen der beruflichen Grundbildung ab Klasse 10, sofern der Auszubildende nicht mehr bei den Eltern wohnen kann
  •  Fach- und Fachoberschulklassen, für die eine abgeschlossene Berufsausbildung nicht Voraussetzung ist, sofern der Auszubildende nicht mehr bei den Eltern wohnen kann
  • Berufsfachschulklassen und Fachschulklassen, für die eine abgeschlossene Berufsausbildung nicht Voraussetzung ist, sofern sie in einem zumindest zweijährigen Bildungsgang einen berufsqualifizierenden Abschluss vermitteln
  • Fach- und Fachoberschulklassen, deren Besuch eine abgeschlossene Berufsausbildung voraussetzt.
  • Abendhauptschulen, Berufsaufbauschulen, Abendrealschulen, Abendgymnasien und Kollegs
  • Höhere Fachschulen und Akademien

Es gilt die Regel:
Schüler können nicht mehr bei den Eltern leben, wenn die Ausbildungsstätte zu weit vom Elternhaus entfernt liegt, sie bereits verheiratet oder in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft sind oder waren oder sie einen eigenen Haushalt führen und mit mindestens einem Kind zusammenleben.
Ausbildungen im dualen System, also betriebliche Ausbildungen können leider nicht mit BAföG unterstützt werden.

Wo kann ich BAföG beantragen?
Einen Antrag für das BAföG ist hier zu finden. Nach dem Ausfüllen muss er beim Studentenwerk der jeweiligen Hochschule eingereicht werden.
Auszubildende an Abendgymnasien, Kollegs, höheren Fachschulen und Akademien müssen den Antrag beim Amt für Ausbildungsförderung, in dessen Bezirk sich die Ausbildungsstätte befindet, einreichen. Alle anderen Schüler müssen den Antrag beim Amt für Ausbildungsförderung der Stadt oder Gemeinde am Wohnort der Eltern einreichen.
Wenn der Bescheid positiv ausfällt, wird BAföG meist für ein Jahr gewährleistet. Danach müssen wieder entsprechende Nachweise über Vermögen und Einkommen in einem sogenannten Folgeantrag eingereicht werden.

Wie sieht die Förderung aus?
Grundsätzlich erhalten Studierende an höheren Fachschulen, Akademien und Hochschulen die Förderung zur Hälfte als Zuschuss und zur Hälfte als zinsloses Darlehen.
Es gibt natürlich auch Ausnahmen:
Wenn ein Studium im Ausland absolviert wird, werden die Auslandsstudiengebühren bis zur gesetzlichen Höhe für ein Jahr als Vollzuschuss übernommen.
Bei Behinderung, Schwangerschaft oder bei Pflege und Erziehung eines Kindes bis zu zehn Jahren, erhält der Studierende die Ausbildungsförderung über die Förderungshöchstdauer hinaus als vollen Zuschuss.
Auszubildende, die mit mindestens einem Kind, das das zehnte Lebensjahr noch nicht vollendet hat, in einem Haushalt leben, bekommen den Kinderbetreuungszuschlag als vollen Zuschuss.
Schüler erhalten die Förderung als Vollzuschuss und müssen nicht davon zurückzahlen.

Wie läuft die BAföG Rückzahlung?
Im Normalfall werden 50 Prozent als zinsloses Staatsdarlehen gewährt, die für die Dauer der Ausbildung zur Verfügung gestellt werden. Nach dem Studium muss also der Darlehensanteil zurückgezahlt werden. Fünf Jahre nach Ablauf der Förderungshöchstdauer ist der Student verpflichtet die Darlehenssumme zurückzuzahlen. Dies wird durch ein Anschreiben des Bundesverwaltungsamtes aber rechtzeitig angekündigt.
Bei der Rückzahlung gelten folgende Regeln:
 Die monatliche Ratenhöhe beträgt mindestens 105 Euro

  • Es ist auch möglich, 315 Euro pro Quartal zurückzuzahlen
  • Die Rückzahlung muss innerhalb von 20 Jahren erfolgen
  • Die Gesamtrückzahlungssumme ist auf 10.000 Euro begrenzt (sofern das Studium nach dem 28.02.2001 aufgenommen wurde)
  • Bei einem Verzug der Rückzahlung von mehr als 45 Tagen fallen Zinsen an
  • Bei einem zu geringen Einkommen kann ein Zahlungsaufschub für jeweils ein Jahr gewährt werden

Können mir Rückzahlungen erlassen werden?
Sollte die Möglichkeit bestehen, die Rückzahlung mit einem Mal zu tätigen oder zumindest eine große Summe mit einem Schlag zurückzuzahlen, dann sollte dies unbedingt in Erwägung gezogen werden. Denn auf Antrag kann ein Nachlass von 50 Prozent auf die Darlehensschuld erlassen werden. Der Prozentsatz ist abhängig von der Darlehensschuld.
Bei einem zu geringen Einkommen, kann beantragt werden, von der Rückzahlung freigestellt zu werden. Diese Freistellung gilt in der Regel für ein Jahr. Sollte sich das Einkommen verändern, muss natürlich umgehend das Amt informiert werden. Eine Freistellung bedeutet aber lediglich, dass ein Jahr keine Raten zurückgezahlt werden müssen. Die Schulden werden aber nicht erlassen.
Die Teilerlasse aufgrund guter Leistungen und /oder schnellen Studiums wurden mit dem 23. BAföG-Änderungsgesetz zum 01.10.2010 ersatzlos abgeschafft. Letztmalig gewährt wird es bis zum 31.10.2012.

Was muss ich bei einem Studienabbruch oder Fachrichtungswechsel beachten?
Es wird unterschieden zwischen einem Studienabbruch und einem Fachrichtungswechsel.
Beendet jemand den Besuch der Hochschule inklusive die in Zusammenhang geforderten Praktika endgültig, wird von einem Studienabbruch gesprochen.
Ein Fachrichtungswechsel ist ein Wechsel des Studiengangs innerhalb eines Hochschultyps. Zum Beispiel: Von Physik auf Gymnasiallehramt (beides an der Uni). Wechselt jemand den Hochschultyp, wird das ebenfalls als Fachrichtungswechsel bezeichnet. Zum Beispiel: Von Informatik an der Uni zu Informatik an der FH.

Ein Wechsel aus einem „wichtigen Grund“ ist ohne Verlust der Förderung für Auszubildende an Höheren Fachschulen, Akademien und Hochschulen nur bis zum Beginn des vierten Fachsemesters möglich. Diese Frist kann auch nicht durch eine mögliche Anrechnung von Studienleistungen verlängert werden. Es gibt jedoch Ausnahmen: Zum Beispiel bei dem Fachrichtungswechsel von Informatik an der Uni zu Informatik an der FH. Bei dieser Konstellation kann es vorkommen, dass alle bereits erfolgreich absolvierten Fachsemester angerechnet werden können. Dann liegt kein Fachrichtungswechsel vor, sondern lediglich eine förderungsunschädliche Schwerpunktverlagerung.

Die Begründung für einen Studienabbruch oder Fachrichtungswechsel muss sehr aussagekräftig für einen erneuten BAföG-Antrag sein. Am besten ist es, wenn die Entscheidung für einen Fachrichtungswechsel nicht auf die lange Bank geschoben wird. Innerhalb der ersten drei Semester ist ein Wechsel relativ problemlos, aber dennoch ist die Begründung sehr wichtig. Am besten ist es, sich hierzu beim zuständigen Studentenwerk beraten zu lassen.

Seit der BAföG-Änderung 2010 bekommt der Studierende bei einem Fachrichtungswechsel für den neuen Studiengang bis zum Ende der Regelstudienzeit ganz normal weiter BAföG. Bei mehrfachen Fachrichtungswechseln werden aber die im vorherigen Studiengang verbrauchten Semester auf den neuen Studiengang angerechnet, so dass dann nur noch mit einem verzinslichen Bankdarlehen gefördert wird.
Bei einem Studienabbruch gilt ebenfalls, je früher sich dazu entschlossen wird, desto besser ist es für eine spätere erneute Förderung durch BAföG. Am optimalsten ist ein Abbruch zum Ende des zweiten Semesters. Auch hier muss dann ein „wichtiger Grund“ vorliegen.

Ein wichtiger Grund ist zum Beispiel ein grundsätzlicher Neigungswandel oder mangelnde intellektuelle, psychische oder körperliche Eignung für die Berufsausbildung oder Berufsausübung.
Auf keinen Fall als wichtiger Grund einzustufen ist eine Verschlechterung der Berufsaussichten.
Befindet sich der Studierende bereits in einem Masterstudium, ist ein Fachrichtungswechsel aus einem wichtigen Grund ausgeschlossen.

Es kann aber auch ein Fachrichtungswechsel aus einem unabweisbaren Grund vorliegen. Dies ist der Fall, wenn der Studierende keine Möglichkeit hat, das Studium fortzuführen. Ein Beispiel: Ein Sportstudent hat einen schweren Unfall und wird nie wieder richtig laufen können.
Liegt ein unabweisbarer Grund vor, ist ein Wechsel nicht zeitlich begrenzt. Das heißt, es spielt keine Rolle in welchem Semester sich der Sportstudent befindet. Mit finanziellen Folgen hat er nicht zu rechnen.

Welche Auswirkungen hat ein Studienabbruch bei der BAföG-Rückzahlung?
Wenn das Studium abgebrochen wurde und der Studierende während des Studiums BAföG erhalten hat, muss nur der Darlehensteil zurückgezahlt werden. Wie nach einem erfolgreich abgeschlossenen Studium auch, wird das Darlehen fünf Jahre nach Ende der Regelstudienzeit des zuerst begonnenen Studiums fällig.

Was ist bei Krankheit oder Schwangerschaft?
Bei einer Krankheit oder einer Schwangerschaft, bei der das Studium nicht weitergeführt werden kann, wird ab dem Monat, in dem die Hinderung eingetreten ist, bis zum Ende des 3. Monats weiter gefördert. Ein Nachweis über die Krankheit oder Schwangerschaft muss natürlich eingereicht werden.
Bei einer Unterbrechung, die länger als drei Monate andauert, mutet das Amt dem Studenten zu, sich beurlauben zu lassen, also das Studium zu unterbrechen. Während dieser Beurlaubung erhält der Studierende kein BAföG. Die bereits geleisteten Zahlungen für die drei vorherigen Monate müssen allerdings nicht zurückgezahlt werden, sofern die Beurlaubung wegen der Krankheit oder der Schwangerschaft erteilt wurde. In diesem Fall kann ein Antrag auf Arbeitslosengeld II gestellt werden. Ein Nachteil hierbei ist aber, das Arbeitslosengeld II in der Regel nicht rückwirkend bewilligt wird. Anspruch auf die Zahlung besteht dann erst ab dem Monat der Antragstellung.

Was ist das sogenannte „Meister-BAföG?
Mit dem Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz (AFBG) werden berufliche Aufstiegsfortbildungen von Meisterkursen oder Kursen und Lehrgänge, die einen vergleichbaren Abschluss anstreben, gefördert.
Wer hat Anspruch?
Meister-BAföG wird gezahlt, wenn eine abgeschlossene Erstausbildung oder ein vergleichbarer Schulabschluss vorliegt und nun eine Fortbildung zum:
• Handwerks- und Industriemeister/in
• Techniker/in
• Fachkaufmann/frau
• Fachkrankenpfleger/in
• Betriebsinformatiker/in
• Betriebswirt/in (HWK)
• oder eine vergleichbare Qualifikation
angestrebt wird.

Wie sieht die Förderung aus?
Gefördert werden Vollzeit- als auf Teilzeitmaßnahmen. Der Maßnahmebeitrag ist unabhängig von Vermögen und Einkommen. Darin enthalten sind Lehrgangs- und Prüfungsgebühren und die Kosten für das Prüfungsstück. Sollte eine Vollzeitmaßnahme absolviert werden, kann ein Beitrag zum Lebensunterhalt gewährt werden.
Der Maßnahmebeitrag kann bis zu 10.226 Euro ausfallen, wovon 30,5 Prozent als Zuschuss gelten. Für den Rest kann ein zinsgünstiges Darlehen in Anspruch genommen werden.

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