Arbeitstagung Berufliche Bildung 2015

Spannungsfeld Berufsschule und Betrieb

Das duale Ausbildungssystem ist ein Erfolgsmodell und Exportschlager. Es hat in Deutschland aber mit Qualitätsverlusten zu kämpfen. Wo die Probleme genau liegen, darüber diskutierten rund 70 Teilnehmer am 23. und 24. Oktober 2015 bei der Arbeitstagung Berufliche Bildung in Bad Münder.

Frank Timmermann

Ralf Sikorski, Mitglied des geschäftsführenden Hauptvorstands der IG BCE, Vorstandsbereich Arbeitspolitik / Mitglieder.
27.10.2015
  • Von: Désirée Binder
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Mit Blick auf die aktuelle politische Lage in Deutschland eröffnete Ralf Sikorski, Mitglied des geschäftsführenden Hauptvorstands der IG BCE, die Veranstaltung. „Wenn wir über Ausbildung sprechen, hat ein Thema im Moment exorbitant zugenommen: Das Thema Flüchtlinge“, sagte Sikorski. „Die berufliche Qualifizierung der Flüchtlinge ist wichtig für eine gelungene Integration.“ Deshalb haben IG BCE und der Bundesarbeitgeberverband Chemie verschiedene Hilfsmaßnahmen ergriffen, wie zum Beispiel zusätzliche Plätze im Programm „Start in den Beruf“. Im Rahmen des Eingliederungsprogrammes werden junge Flüchtlinge darauf vorbereitet, eine Ausbildung beginnen zu können. Dazu gehört nicht nur das Lernen der Grundlagen für einen Beruf, sondern auch Sprachförderung.

Um auf das eigentliche Thema der Veranstaltung zurück zu kommen, betonte Sikorski: „Wir loben das duale Ausbildungssystem, verzeichnen aber Qualitätsverluste.“ Das liege seiner Meinung nach an verschiedenen Punkten. Zum einen fehle es bei den Berufsschulen an Lehrern und gut ausgebildetem Personal. Das führe unter anderem dazu, dass die individuelle Förderung der Auszubildenden nicht ausreichend ist. Zum anderen benötigten die modernen Ausbildungsberufe auch technisch gut ausgestattete Schulen. Außerdem gäbe es bei den Berufsschulen auch ein Standortproblem. „Viele Auszubildende müssen viel zu lange Wege zur Schule zurücklegen“, sagte Sikorski.

Ein weiteres Thema, das zur Sprache kam, waren die Veränderungen im Rahmenlehrplan für Auszubildende. Dazu referierte Henrik Schwarz vom Bundesinstitut für Berufsbildung unter dem Thema „Lernfelder versus Ausbildungsordnung“. Er zeigte auf, wie in Zukunft Lernfelder im Rahmenlehrplan aussehen und was ihre Ziele sind. „Sie sollen Jugendlichen aufzeigen, wo ihre Kompetenzen sind und wo sie sich noch weiter entwickeln müssen“, sagte Schwarz.

Frank Timmermann

Podiumsdiskussion mit Dirk Meyer (BAVC), Sabine Süpke (IG-BCE-Bildungszentrum Bad Münder), Ralf Sikorski (Vorstandsmitglied der IG BCE) und Richard Stigulinzky vom Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW.
In der anschließenden Podiumsdiskussion mit Ralf Sikorski, Dirk Meyer vom Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) und Richard Stigulinzky vom Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW ging es um das Thema Lernen im Spannungsfeld zwischen Berufsschule und Betrieb. Die drei Diskutanten waren sich schnell einig, dass es an den Berufsschulen einen Lehrermangel gibt, der auch zu Qualitätsverlust führt. Zur Lösung dieses Problems kommt der Ausbildung von Berufsschullehrern eine wichtige Rolle zu. „Wir haben das Problem, dass vielen Abiturienten nicht bekannt ist, dass man Berufsschullehrer werden kann“, sagte Stigulinzky. „Um das zu ändern, holen wir die Schüler in NRW im Berufskolleg, im Gymnasium ab und zeigen ihnen die Berufsschulen - damit sie den Beruf kennenlernen.“ Stellen für Berufsschullehrer seien in der Regel genug vorhanden, betonte er.

Einig waren sich die drei Podiumsgäste auch darin, dass Berufsschulen essenziell wichtig sind und nicht einfach etwa durch Schulungen in Unternehmen ersetzt werden könnten. Vor allem weil kleine Betriebe sich dann auch keine Auszubildenden mehr leisten könnten. „Die duale Ausbildung ist attraktiv und wir müssen sie weiter stärken. Dazu gehören starke Berufsschulen“, sagte Dirk Meyer vom BAVC.

Die Diskussionen auf der Arbeitstagung verdeutlichten, wie wichtig und dringend das Thema Qualität in der Ausbildung ist und wo die Probleme liegen. „Wir haben das Bekenntnis zum dualen Ausbildungssystem“, sagte Ralf Sikroski. „Wir müssen stärker mit den Landesebenen diskutieren und zusammenarbeiten, um die Probleme in den Griff zu kriegen.“

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