Charlie Hebdo

Je suis Charlie

Es ist ein Terroranschlag, der die Welt erschüttert. Mitten in Paris sterben 17 Menschen: weil sie eine eigene Meinung vertreten, weil sie Juden sind und weil sie als Polizisten auch die Presse- und Religionsfreiheit schützen. Es ist ein Schlag gegen alle Werte, auf denen Zivilisation und einen demokratische Ordnung beruhen. Ein Schlag, ohne die erhoffte Wirkung. Weil die Entschlossenheit wächst, diese Werte zu verteidigen. Demokratie ist stärker.

Christian Burkert

In Hannover gehen die IG-BCE-Mitglieder weithin sichtbar auf die Straße.
03.02.2015
  • Von: Désirée Binder

Es sind Bilder, die uns lange in Erinnerung bleiben werden. Kaltblütig ermordete Zeichner, exekutierte Polizisten, niedergestrecke Zivilisten in einem jüdischen Supermarkt. Aber auf den Schrecken folgt Ermutigung. Drei Millionen Menschen solidarisieren sich öffentlich mit den Opfern, in Paris sind 50 Staats- und Regierungschefs dabei, einander demonstrativ unterhakend. Die Demokratie schließt ihre Reihen, nicht nur in Frankreich, sondern weltweit. Nein, wir lassen uns von niemandem die Grundlagen eines friedlichen gesellschaftlichen Miteinanders zerstören, halten fest an Freiheit und Toleranz, an dem Recht, dass Menschen all ihre Vielfältigkeit unversehrt und gleichberechtigt leben können. Das ist das starke Signal, das Zuversicht weckt, trotz der erschütternden Orgie fundamentalistischer Gewalt. »Ich bin Charlie«, so lautet die gemeinschaftliche Antwort, auf sich die Menschen allerorten verständigen.

Auch in Deutschland rückt man zusammen. »Wir werden es nicht zulassen, dass unser Glaube missbraucht wird. Wir werden es nicht zulassen, dass unsere Gesellschaft von Extremisten, die nur das Ziel haben, Hass und Zwietracht zu stiften, auseinandergerissen wird«, sagte Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime. Gemeinsam demonstrieren christliche, jüdische und islamische Religionsgemeischaften, gemeinsam Parteien und Repräsentanten des Staates, unter anderem mit einer Mahnwache am Brandenburger Tor. Überall, wo sich Menschen in diesen Tagen nach Paris versammeln, wenden sie sich auch gegen das Schüren von Fremdenfeinlichkeit und Intoleranz. Pegida ist der neue Begriff dafür.

Immer wieder kommen Zehntausende Bürger zusammen, in Leipzig, Dresden, Hamburg, Berlin, Hannover und überall da, wo es gilt Toleranz, Weltoffenheit und die demokratischen Grundwerte zu verteidigen. Gegen eine populistische Bewegung, die mit dem Slogan von einer angeblichen »Islamisierung des Abendlandes« gegen alles zu Felde zieht, was nicht in ein deutschnationales Weltbild passt, vom Euro über die EU bis zu Einwanderern und dem Islam.

Eine Minderheit, gewiss, doch mit Potenzial, das gesellschaftliche Klima zu vergiften. Über 100 000 Demonstranten stellen sich dem bundesweit allein am 12. Januar entgegen, unter ihnen auch viele Mitglieder der IG BCE. In Hannover, dort ist die Gewerkschaft Teil des Bündnisses unter dem Titel »Bunt statt Braun«, bekräftigt der Vorsitzende Michael Vassiliadis vor 17 000 Menschen: »Wir werden dem Rassismus, der Fremdenfeindlichkeit, dem religiösen Fundamentalismus und jeder Form von Extremismus nicht weichen.« Als Organisationen der persönlichen Freiheit, des sozialen Fortschritts hätten Gewerkschaften »nichts gemein mit Pegida. Wir stehen an der Seite von Charlie Hebdo.«

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