Werkfeuerwehren fordern Tarifvertrag

2015: Das Jahr der Werkfeuerwehrleute

Rund 200 Werkfeuerwehrleute stehen am 10. Dezember, einem nassen Mittwochnachmittag, in Schutz-Montur vor dem Bayer-Kasino in Leverkusen. Einige halten IG-BCE-Fahnen hoch, einige Schilder: „Werkfeuerwehrleute fordern Perspektiven für ältere Feuerwehrleute“. Denn die Werkfeuerwehrleute haben keine tarifliche Absicherung im Alter. Das will die IG BCE ändern.

© Frank Rogner, Dagny Riegel
11.12.2014
  • Von: Dagny Riegel
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Sie sichern die Betriebe, laufen rein, wenn andere weglaufen und sind alles andere als ängstlich in ihrer schweren Schutzuniform. Doch bei einem Thema wird sogar den Leuten von der Werkfeuerwehr mulmig zumute: dem Alter. „Ich bin 54, das ist langsam schon ein kritisches Alter“, sagt Frank Cohnen, Werkfeuerwehrmann bei Dynamit Nobel in Leverkusen, „laut offiziellem Rentenbescheid soll ich bis 66 arbeiten. Gleichzeitig muss ich jedes Jahr nachweisen, dass ich gesundheitlich einsatzfähig bin.“ Er hält sich zwar mit Sport fit, denkt aber trotzdem darüber nach, was ist, wenn er den Gesundheitstest einmal nicht mehr schaffen sollte. „Das ist nicht geregelt“, sagt er, und ein Grund, warum er mit einigen Kollegen an diesem kalten Mittwoch-Nachmittag bei Bayer in Leverkusen steht.

Knapp 200 Werkfeuerwehrleute aus der chemischen Industrie sind dem Aufruf der IG BCE gefolgt, sich für attraktive Arbeitsbedingungen einzusetzen, und haben sich vor dem Bayer-Kasino versammelt. Zusammen mit der Gewerkschaft verlangen sie zunächst einmal ernsthafte Gesprächsbereitschaft des Arbeitgeberverbandes. Die bereits seit fast einem Jahr laufenden Verhandlungen haben bisher zu keinem Ergebnis geführt, da die Arbeitgeber wenig Nachholbedarf sehen und auf individuellen Regelungen beharren.

Im Sinne einer attraktiven Arbeit müssen die Werkfeuerwehren jedoch im Tarifvertrag erhalten und dessen Regelungen zukunftsfähig gestaltet werden. Angesichts veränderter Tätigkeiten und einer Fülle unterschiedlicher Vereinbarungen in Betrieben geht es darum, einen einheitlichen Vergütungsrahmen zu schaffen, die 24 Stunden-Dienste als Schicht anzuerkennen und Perspektiven für ältere Feuerwehrleute festzuschreiben.

  • Werkfeuerwehraktion Leverkusen
    Foto: 

    Frank Rogner

    Rund 200 Werkfeuerwehrleute kamen am 10. Dezember vor das Bayer-Kasino in Leverkusen...

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Das betonen auch die Redner auf dem Podium. „Wenn wir gute Werkfeuerwehren wollen, damit die chemische Industrie nicht jeden Tag wegen Unfällen in der Zeitung steht, sind gute Arbeitsbedingungen elementar“, erklärt Peter Hausmann vom Hauptvorstand der IG BCE, der neben dem Arbeitgeberverband auch den Gesetzgeber in der Pflicht sieht. „Es ist eine himmelschreiende Ungerechtigkeit, dass die Feuerwehrleute im öffentlichen Dienst ab 60 in Rente gehen können“, ruft er, „da muss Geld auf den Tisch, damit auch wir Ausstiegsmodelle ab 60 bekommen.“ Zudem müsse die Regelung im Tarifvertrag aus den 1980er-Jahren aktualisiert werden. „Wir müssen die Werkfeuerwehrleute als Schichtarbeiter sehen, da es den klassischen 24-Stunden-Dienst nicht mehr gibt“, sagt Hausmann, „und wir wollen einen festen Rahmen, wie das bezahlt wird.“ Die Hinhaltetaktik des Arbeitgeberverbandes müsse ein Ende haben. „Die Kaffeetrinkerei ist vorbei“ ruft er den Demonstranten zu, „2015 wird das Jahr der Werkfeuerwehrleute!“

Dass die Werkfeuerwehr derart in den Fokus rückt, stößt auf Zustimmung im Publikum. „Endlich“, murmelt ein Feuerwehrmann in blauer Montur. Auch Rüdiger Schleuter vom IG BCE Landeszielgruppenausschuss der Werkfeuerwehren schätzt Hausmanns Auftritt. „Herzlichen Dank! Wir werden Dich beim Wort nehmen“, sagt er auf der Bühne und fügt hinzu: „Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass ein Vorstand hier steht.“

Die Demonstranten vor der Bühne applaudieren. „Wir möchten den Forderungen der IG BCE Nachdruck verleihen“, sagt Adolf Senk von der Werkfeuerwehr Henkel in Düsseldorf, der mit Kollegen neben der Bühne steht. Ihm ist besonders die Gleichstellung mit den Schicht-Angestellten und deren klaren Rahmenbedingungen wichtig. „In einem Betrieb gibt es oft drei, vier Schichtmodelle für die Werkfeuerwehr“, sagt er, „wir wollen wissen, wo wir dran sind.“

Das sieht auch Sven Stein von der Werkfeuerwehr Bayer in Bergkamen ähnlich. „Man steht in der Schicht immer parat für die Firma, bekommt aber nachts weniger Geld“, erzählt der 38-Jährige, „in erster Linie geht es mir aber auch um einen vernünftigen Altersausstieg.“ Die Erwartungen sind hoch, doch den meisten scheint klar, dass sie wahrscheinlich nicht schnell zu erfüllen sind. „Das ist alles schwierig“, sagt Stein, „ich denke, dass wir noch was kämpfen müssen.“

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Arsenal

Arsenal 01.09.2016 08:52 Uhr

I am so grateful for your article.

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Feuerwehrleute ab 50 Jahre

Udo Zoeller 25.01.2016 14:24 Uhr

Seit 1977 war ich Feuerwehrmann bei der Bayer AG Leverkusen Wache 1, Zug 1. Das Thema, was passiert mit mir im Alter, wurde auch früher immer wieder diskutiert. Bei Betriebsversammlungen wurde immer wieder darauf hingewiesen. Lebensarbeitszeitverlängerung durch den 24 Std.-Dienst., Urlaubsregelung , Nachteinsätze (Alarm) für lau. Ich kann Euch nur sagen, kämpft um Eure Rechte. Von netten Worten, Ihr seid die besten, hilft Euch nicht weiter. Wer kann schon bei diesen Anforderungen, körperlich wie geistig, die Leistung nahe 60 Jahre, noch bringen. Dies ist doch die Minderheit Selber war ich 12 Jahre Vertrauensmann, jetzt Rentner ( 65 Jahre alt). Die Verantwortlichen machen nichts von alleine, weiß ich aus Erfahrung. Ich wünsche mir das Ihr Erfolg habt. Bin im Herzen bei Euch. PS keiner hört doch freiwillig im 24 Std.Dienst auf. Udo Zoeller 51377 Leverkusen

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