Werkfeuerwehr

Es brennt bei den Werkfeuerwehren

Sie sichern die Betriebe, laufen rein, wenn andere weglaufen und sind alles andere als ängstlich in ihrer schweren Schutzuniform. Doch bei einem Thema wird sogar den Leuten von der Werkfeuerwehr der chemischen Industrie mulmig zumute: dem Alter. Deshalb kämpfen sie gemeinsam mit der IG BCE für einen Tarifvertrag, eine Absicherung im Alter und bessere Arbeitsbedingungen.

Helge Krückeberg

Werkfeuerwehr Oxea Sie löschen Brände und sichern Betriebe. Jetzt kämpfen die Werkfeuerwehrleute für ihre Sicherheit im Alter.
06.01.2015
  • Von: Désirée Binder Dagny Riegel

Obwohl sie frei haben, stehen rund 200 Feuerwehrleute an einem nassen Dezembertag in Schutzmontur vor dem rosafarbenen Bayer-Kasino in Leverkusen. Einige halten IG-BCE-Fahnen hoch, andere Schilder: "Werkfeuerwehrleute fordern Perspektiven für ältere Feuerwehrleute". Denn bislang sind deren Aussichten in etwa so klar wie die Erbsensuppe, die den Demonstranten heute gegen die Kälte ausgeschenkt wird.

Um auf die Probleme aufmerksam zu machen, hat die IG BCE im Dezember zu mehreren Kundgebungen an verschiedenen Standorten aufgerufen. Auch Frank Cohnen, Feuerwehrmann bei Dynamit Nobel in Leverkusen ist mit einigen Kollegen dem Aufruf der Gewerkschaft gefolgt. Er ist 54 Jahre alt. Laut Rentenbescheid muss er bis 66 im Dienst bleiben. "Es ist eine himmelschreiende Ungerechtigkeit, dass die Feuerwehrleute im öffentlichen Dienst ab 60 in Rente gehen können", sagt Peter Hausmann, Tarifvorstand der IG BCE, "da muss Geld auf den Tisch, damit auch wir Ausstiegsmodelle ab 60 bekommen."

Bei Evonik in Worms kennt man das Problem. Der Altersschnitt der Feuerwehr liegt bei 50 Jahren. Die körperliche Belastung bei den Einsätzen nimmt zu. "Mit Mitte 60 in voller Ausrüstung mehrere Stockwerke hochrennen? Das wird schwer", sagt Klaus Obenauer.

Die Werkfeuerwehr ist unerlässlich für die Sicherheit des Standortes. In einer 24-Stunden-Schicht sind immer mindestens neun Männer eingeteilt. Kommt es zu einem Alarm, müssen die Feuerwehrleute innerhalb von zwei Minuten vor Ort sein. Schuhe und Hose sind immer vorbereitet, sie müssen nur reinspringen und los. Sind Chemikalien ausgetreten, muss der rote Chemikalienschutzanzug her. Zwei Leute braucht es, bis ein Feuerwehrmann sicher und luftdicht verpackt ist. 30 Kilo wiegt die Ausrüstung, die sie je nach Einsatzort mehrere Stockwerke zu Fuß tragen müssen.

Helge Krückeberg

Ohne Hilfe kommt ein Feuerwehrmann nicht in den Chemikalienschutzanzung. Ohne Hilfe kommt ein Feuerwehrmann nicht in den Chemikalienschutzanzung.

Damit sie das durchalten, müssen sie fit sein. Alle zwei Jahre müssen alle unter 50 Jahren zum Gesundheitstest, wer über 50 ist, muss jährlich antreten. Dann heißt es Fahrradfahren und Leiternhochklettern – alles in voller Montur. "Das wird mit dem Alter immer schwerer", sagt Dirk Kämpfert. "Der Test geht einem auch nie ganz aus dem Kopf, vor allem wenn wir mal krank sind", sagt der 50-Jährige. Besteht jemand den Test nicht, versucht man am Standort von Fall zu Fall eine Lösung zu finden.

Doch sie müssen nicht nur fit sein, sondern machen auch andere fit. So werden bei Evonik, sowie bei Oxea in Oberhausen, Ersthelfer ausgebildet. Zwischen 350 und 500 Schulungen gibt die 40 Mann starke Feuerwehr von Oxea im Jahr. Zusätzlich bieten sie noch 20 verschiedene Dienstleistungen und lassen sich selbst zu Experten ausbilden. Sowie Manuel Baumann. Der 35-Jährige ist seit 13 Jahren bei der Feuerwehr. Er ist Brandmeister und Rettungssanitäter. "Dadurch, dass wir mehrere Aufgaben haben, kommt nicht so eine Routine in den Dienst."

Helge Krückeberg

Bei Oxea werden Ersthelfer ausgebildet. Die Feuerwehr kommt nicht nur, wenn es brennt. Sie gibt auch Schulungen. Bei Oxea werden zum Beispiel Ertshelfer ausgebildet.

Manuel Baumann ist einer der Jüngeren in der Feuerwehr bei Oxea. Der Altersdurchschnitt liegt auch hier bei 50 Jahren. "Der demografische Wandel ist bei uns natürlich ein Thema«, sagt Burkhard Horrig, Leiter der Werkfeuerwehr. "Deshalb arbeiten wir effektiv dagegen an." Jährlich stellt Oxea zwei Azubis zum Chemikanten zusätzlich ein. "Die sind alle in ihrer Ausbildung mal bei der Feuerwehr", erklärt Horrig. "Nach der Ausbildung bleiben zwei endgültig bei uns."

Das ist eine weitere Besonderheit bei Oxea. "Es gibt mittlerweile keinen in der Feuerwehr, der kein Chemikant ist", sagt Horrig. Ist dann jemand nicht mehr für den Feuerwehrdienst tauglich, hat er eine Absicherung. Die haben die Feuerwehrmänner auch durch die Betriebsvereinbarung am Standort. "Ist einer unserer Männer einsatzunfähig, ist die Werkleitung dazu verpflichtet ihm eine andere Tätigkeit zu geben".

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