"Kommission Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung" in der Lausitz

Tausende fordern Gute Arbeit in ihrer Heimat

Rund 2500 Menschen säumten die Straße, als die Mitglieder der Kommission Wachstum, Strukturwandel, Beschäftigung im sächsischen Weißwasser ankamen. Mit Trillerpfeifen, Tröten und Transparenten forderten sie eine Zukunft. Für sich, ihre Kinder und ihre Heimat: die Lausitz.

Andreas Franke

2500 Demonstranten empfangen die Mitglieder der Kommision. 2500 Demonstranten empfangen die Mitglieder der Kommision.
12.10.2018
  • Von: Wolfgang Lenders

Im Sitzungssaal des Soziokulturellen Zentrums TELUX in Weißwasser präsentierte eine Delegation der IG BCE, angeführt von Bezirksleiterin Ute Liebsch, den Kommissionsmitgliedern 11.364 Unterschriften, die die IG BCE in Kooperation mit der IG Metall im Bezirk Cottbus gesammelt hat. Die Unterzeichnenden fordern in dem Revier-Appell nachhaltige Zukunftskonzepte für das Lausitzer Revier und einen Einstieg in einen Strukturwandel, der gute Industriearbeit sichert.

Andreas Franke

Die IG BCE präsentierte den Kommissionsmitgliedern 11.364 Unterschriften für den Revier-Appell. Die IG BCE präsentierte den Kommissionsmitgliedern 11.364 Unterschriften für den Revier-Appell.

Anschließend beschäftigte sich die Kommission hinter verschlossener Tür mit dem Thema Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung im Lausitzer Revier. Hierzu hatte sie vier Vertreter verschiedener Organisationen eingeladen. Unter anderem stellte Marco Bedrich, Jugendvertreter bei der LEAG und Mitglied des IG-BCE-Bezirksjugendausschusses, die Situation der jüngeren Beschäftigten bei dem Braunkohle-Konzern vor. Es ging auch darum, was der Strukturwandel für die Leag, für verbundene Unternehmen sowie für Städte und Gemeinden bedeutet.

Einen riesigen Empfang bereiteten dann erneut mehrere Tausend Menschen der Kommission, als sie am zweiten Tagungsort der Revierfahrt am Seehotel im brandenburgischen Großräschen eintraf. Dort führte die Kommission Gespräche mit Vertretern verschiedener Einrichtungen, in denen es unter anderem um die Zukunftsperspektive für die Region ging.

Andreas Franke

Die Teilnehmer trommeln für gute Industriearbeitsplätze in der Lausitz.

Auf dem großen Platz zwischen Großräschener See und Hotel hatte die IG BCE eine Videowand aufgebaut. Davor sprachen eine Reihe von Gewerkschaftsvertretern und Politikern zu den Versammelten, unter anderem die Ministerpräsidenten von Brandenburg und Sachsen, Dietmar Woidke und Michael Kretschmer. Oliver Heinrich, Landesbezirksleiter Nordost der IG BCE, fasste die Forderungen der Menschen an die Kommission zusammen. "Die Lausitz ist eine Region mit Guter Arbeit, mit guter elektrischer und guter industrieller Infrastruktur und mit kompetenten Fachkräften." Dies müsse auch so bleiben: "Wir brauchen den Einstieg in Innovationen und vor allem Investitionen." Vom Erfolg dieser Maßnahme werde abhängen, ob die Energiewende von den Menschen akzeptiert werde.

Andreas Franke

Michael Vassiliadis, IG-BCE-Vorsitzender Michael Vassiliadis, IG-BCE-Vorsitzender: "Wir versuchen, mit guten Argumenten, mit Präsenz, wenn es sein muss auch mit Protest, diese Kommission zu einem guten Ergebnis zu führen."

Hier wandte sich auch der Vorsitzende der IG BCE, Michael Vassiliadis – der Mitglied der Kommission ist – an die Demonstrierenden. "Die Menschen hier hängen an ihrer Region", sagte er. Es müsse Investitionen geben, Perspektiven, Zukunftschancen. "Das ist eine Aufgabe, die nicht einfach ist." Er dankte den Versammelten für ihren Einsatz: "Wir versuchen, mit guten Argumenten, mit Präsenz, wenn es sein muss auch mit Protest, diese Kommission zu einem guten Ergebnis zu führen."

Michael Vassiliadis forderte, den Klimawandel aktiv auf der internationalen Ebene zu bekämpfen. "Die Hauptemittenten sind die Einzigen, die eine Chance haben, dieses Problem zu lösen." Länder wie Indien oder Brasilien etwa müssten Unterstützung bekommen, um einen Entwicklungsschritt zu machen. Er kritisierte, dass stattdessen versucht werde, in Deutschland vergleichsweise kleine Verbesserungen herauszuholen – auf Kosten der Menschen. "Gute Beispiele dürfen nicht darin bestehen, dass gute Arbeit verloren gehe."

Der Weg in Deutschland müsse sein, in Innovation zu investieren. Etwa den Leitungsausbau im Stromnetz zu fördern, neue Technologien zu entwickeln, die die erneuerbaren Energien effizienter machen. "Wir wissen, dass wir konventionelle Energien irgendwann nicht mehr benötigen." Noch aber sei die Entwicklung nicht so weit. Vassiliadis appellierte daran, diese Realität zu akzeptieren – und die Arbeit der Menschen, die das Land mit guter und sicherer Energie versorgen.

Spontan kam Matthias Platzeck, ehemaliger Ministerpräsident von Brandenburg und einer der Vorsitzenden der Kommission, zu den Demonstranten. Er verstehe die Sorgen der Menschen, sagte er. "Ich möchte meinen Beitrag dazu leisten, dass nicht noch mal in dieser Region ein Strukturzusammenbruch passiert, wie wir ihn alle zusammen einmal schon durchmachen mussten." Die Arbeit der Kommission müsse dazu führen, dass die Lausitz und die Menschen, die dort leben, eine gesichtete Zukunft haben. "Die Lösung muss so aussehen, dass auch die künftige Generation hier ihren Arbeitsplatz findet."

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