Zuspitzung im Arbeitskampf um Haustarif

Neupack hat Leiharbeiter eingestellt

Der Einsatz von Leiharbeitern während des unbefristeten Streiks beim Hamburger  Verpackungshersteller Neupack  ist beendet: aufgrund der Proteste hat die Leiharbeitsfirma ihre Beschäftigten zurückgezogen und erklärt, sie habe von dem Streik um einen Haustarif zunächst nichts gewusst.

Martin Brinckmann

Streikende der Firma Neupack
14.11.2012
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Neupack allerdings hat diese Mitarbeiter inzwischen übernommen und hält mit ihnen einen Teil der Produktion aufrecht. Der Betriebsrat, der dazu nicht angehört wurde, werde dagegen vorgehen und eine einstweilige Verfügung beantragen, sagte Gewerkschaftssekretär Rajko Pientka. Juristische Auseinandersetzungen über die Streikführung prägen den Konflikt; zu Gesprächen ist es bisher nicht gekommen.

Mit dem am 1. November aufgenommenen Arbeitskampf wollen die etwa 200 Beschäftigten von Neupack einen Haustarifvertrag bei dem Verpackungsunternehmen erzwingen. Sie beklagen ungleiche Bezahlung für gleiche Arbeit und niedrige Stundenlöhne, die seit Jahren nicht erhöht worden seien. Pientka, der sich ein Jahr lang zusammen mit dem Betriebsrat vergeblich um Tarifverhandlungen bei Neupack bemüht hat, wirft der Firmenleitung Willkür vor. Teilnehmenden an einem Warnstreik hatte sie sogar die Abschläge um bis zu 400 Euro gekürzt; dagegen beantragte der Betriebsrat eine einstweilige Verfügung.

Mit Strafanzeigen von beiden Seiten hatten auch die Streikaktionen begonnen. An beiden Orten war es zu Drängeleien und Verletzungen vor den Werkstoren gekommen, in Rotenburg wurde eine Streikende sogar angefahren und leicht verletzt. Von außen jedoch erfahren die Kolleginnen und Kollegen, die rund um die Uhr unbefristet Mahnwache halten, viel Unterstützung. Betriebsräte aus anderen Unternehmen, Parlamentsabgeordnete sowie Nachbarinnen und Nachbarn besuchen die Streikposten und bringen ihre Solidarität zum Ausdruck.

Hauptvorstand und Beirat der IG BCE erklärten den Kolleginnen und Kollegen bei Neupack bei ihrer Sitzung am 12. und 13. November  ihre volle Unterstützung. „Für uns Gewerkschafter bleibt der Streik letztes Mittel“, heißt es in ihrer Resolution. „Wir setzen ihn ein, um diesen Konflikt gewaltfrei zu lösen. Die Arbeitnehmer haben Anspruch auf abgesicherte langfristige  tarifvertragliche Grundlagen für ihre Arbeitsbedingungen – Willkür, Drohungen und Provokationen passen nicht zum Industriestandort Deutschland.“

Bei der 5. Jahrestagung für Betriebsräte kam auch der IG-BCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis auf den Arbeitskampf bei Neupack zu sprechen. Das Geschäftsmodell bei Neupack beruhe auf Leiharbeit und Ausbeutung. „Wir werden dort ein Exempel statuieren - koste es, was es wolle“, bekräftigte Vassiliadis. Dies sei am Ende auch im Sinne der Sozialpartnerschaft.

 

Weitere Informationen zum Streik bei Neupack:

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