Braunkohle - Sichere Arbeit

Für zukunftsfähige Braunkohleförderung

Niemand fällt ins Bergfreie: Die IG BCE begrüßt das "Lausitzer Revierkonzept". Es schafft Sicherheit für die Beschäftigten der LEAG.

Rainer Weisflog

Gelungene Rekultivierung eines ehemaligen Braunkohleförderungsgebiets. Gelungene Rekultivierung eines ehemaligen Braunkohleförderungsgebiets.
24.04.2017
  • Von: Sascha Schrader

In der Lausitz wird etwa ein Zehntel des deutschen Stroms hergestellt. Etwa sieben Gigawatt erzeugen die drei Kraftwerke Jänschwalde, Boxberg und Schwarze Pumpe. Über 8000 Beschäftigte sorgen in der Braunkohleförderung und deren Verstromung für Energiesicherheit in Deutschland. Auch sie verhindern, dass bei Dunkelflaute in Deutschland das Licht ausgeht. Doch ihre eigene berufliche Sicherheit stand lange zu Debatte. Mit dem von der LEAG vorgelegten "Lausitzer Revierkonzept" ist nun ein wichtiger Schritt getan, die Braunkohle in der Region zukunftsfähig zu machen. "Die Beschäftigten der LEAG können jetzt endlich aufatmen", sagte Michael Vassiliadis, Vorsitzender der IG BCE. "Es ist die nötige Sicherheit erreicht, um einen langfristigen Strukturwandel in der Region zum Erfolg zu führen."

Das Revierkonzept sieht vor, den Tagebau Jänschwalde bis voraussichtlich 2023 planmäßig zu Ende führen. Das Kraftwerk Jänschwalde soll dann noch für einen Zeitraum von acht bis zehn Jahren mit Kohle aus dem Süden des Reviers betrieben werden. Damit ist weitere Planungssicherheit für die Struktur- und Standortentwicklung erreicht. Die LEAG beabsichtigt zudem, die Ausbildung am Standort Jänschwalde aufrechtzuerhalten. Einen Kraftwerkneubau wird es jedoch ebenso wenig geben wie die Inanspruchnahme des Zukunftsfeldes Jänschwalde-Nord. Die bundespolitischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ließen diese Investitionen nicht rentabel erscheinen.

In Nochten soll das Sonderfeld Mühlrose mit einer Kohlereserve von rund 150 Millionen Tonnen gewonnen werden. Dies sichert langfristig eine bedarfsgerechte Versorgung des Kraftwerks Boxberg. Mit den etwa 200 Einwohnern des Trebendorfer Stadtteils, die umgesiedelt werden müssen, werden zeitnah Gespräche aufgenommen. Eine endgültige Entscheidung für den Teilabschnitt II in Welzow-Süd will das Unternehmen bis 2020 treffen, die energiewirtschaftliche Notwendigkeit zur Förderung sieht es jedoch als gegeben. Das Unternehmen erhofft sich, bis dahin eine bessere Erkennbarkeit der Auswirkungen des Atomausstiegs auf die Versorgungssituation und den Strompreis.

Für die Lausitz ist das von der LEAG vorgelegte "Lausitzer Revierkonzept" ein wichtiger Schritt. "In der Region wird es keinen strukturpolitischen Blackout geben. Darauf können sich die Menschen verlassen", sagte Petra Reinbold-Knape, geschäftsführendes IG-BCE-Vorstandsmitglied und stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende bei LEAG Bergbau. "Nach Jahren der Unsicherheit gibt es nun Klarheit über die langfristigen Perspektiven des Reviers." Gleichzeitig begrüßte sie, dass das Unternehmen an die Zukunft der Braunkohle glaubt und in die strategische Weiterentwicklung des Standorts investiert.

Die Braunkohle ist noch für lange Zeit der Eckpfeiler für eine bezahlbare und sichere Energieversorgung in Deutschland. Wenn 2022 die letzten Kernkraftwerke vom Netz gehen, wird dieser Eckpfeiler noch wichtiger. Die Entscheidung, bereits genehmigte Optionen zur Fortführung der Tagebaue zunächst nicht in vollem Umfang zu nutzen, ist für die IG BCE angesichts der durch die Energiewende verursachten Fehlentwicklungen und Unsicherheiten in der Branche nachvollziehbar. Doch bis spätestens 2020 müsse die LEAG dann auch über die Fortführung des Tagebaus Welzow-Süd II entscheiden.
"Dies hat Auswirkungen auf die Lebensplanung vieler Menschen in der Lausitz", so Vassiliadis. "Die Reviere brauchen Planungssicherheit."

Die IG BCE erneuerte in diesem Zusammenhang auch die Forderung an die Bundesregierung, ein schlüssiges Konzept zur Neuausrichtung der Energiewende vorzulegen, in dem die Braunkohle als hocheffiziente und subventionsfreie Brückentechnologie ein integraler Bestandteil sein müsse. Mit dem LEAG-Revierkonzept endet nun der jahrelange Investitionsstopp der Vattenfall-Ära. Der Weg ist frei für eine langfristige und nachhaltige Beschäftigungsentwicklung. Bis 2020 sind betriebsbedingte Kündigungen bei der LEAG ausgeschlossen. "Auf diesen tarifvertraglichen Grundpfeiler müssen die Beschäftigten auch darüber hinaus bauen können", forderte Vassiliadis. Gemeinsam würden die IG BCE und ihre Betriebsräte nicht aufhören, für eine Beschäftigungssicherung zu streiten. "Unser Grundsatz bleibt: Niemand darf ins Bergfreie fallen."

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