Salamander Industrieprodukte und Salamander Bonded Leather GmbH

Kompromiss sichert "Möglichkeit des Überlebens"

Die Verhandlungen waren schwierig. Dennoch haben sich die Tarifvertragsparteien auf einen tragfähigen Abschluss geeinigt. Die Löhne und Gehälter der Salamander-Mitarbeiter in Türkheim werden um insgesamt 4,7 Prozent erhöht. Warum der Weg zum Abschluss steinig war - das erklärt der IG-BCE-Bezirksvorsitzende Torsten Falke im Interview.

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Oft geht es um Prozente
13.03.2017
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Im Sommer dieses Jahres feiert das Türkheimer Unternehmen sein 100-jähriges Bestehen. Anfang 2017 jedoch war die Stimmung wenig feierlich - da nämlich endete die Friedenspflicht der IG BCE. Die Gewerkschaft hatte den Manteltarifvertrag der Schuhindustrie gekündigt und neue Forderungen auf den Tisch gelegt: 5,5 Prozent mehr Lohn für die Beschäftigten und die Aufnahme in den Manteltarifvertrag der Kunststoffindustrie in Bayern. Denn Schuhe produziert das Unternehmen schon lange nicht mehr.

Die Verhandlungen mit Salamander Industrieprodukte und Salamander Bonded Leather GmbH gestalteten sich jedoch als zäh, erzählt Torsten Falke, Leiter des IG-BCE-Bezirks Augsburg.

5,5 Prozent mehr Geld sollten es sein, 4,7 Prozent sind es geworden – seid ihr zufrieden?

Torsten Falke: Wir haben einen Kompromiss gefunden, der zumindest beiden Seiten eine Möglichkeit des Überlebens gibt. Das Unternehmen selber hat mit Wettbewerbern zu tun, die größtenteils nicht tarifgebunden sind und sich im Billiglohnbereich bewegen. Nach Aussagen des Unternehmens wurden in den letzten zehn Jahren knapp 130 Mio. Euro Investitionen geschultert, das ist nicht zu verkennen.

Habt ihr mit harten Bandagen kämpfen müssen?

Torsten Falke: Wir waren schon kurz davor, beim Hauptvorstand Arbeitskampfmaßnahmen zu beantragen, haben dann aber in letzter Sekunde auch aufgrund der in der Presse erschienenen Berichterstattung Bewegung auf der Arbeitgeberseite erlebt.

Was machte die Verhandlungen so schwierig?

Torsten Falke: Die Erwartungshaltung der Beschäftigten ist schon enorm hoch. Der Tarifvertrag der Schuhindustrie ist sowohl bei den Dotierungen als auch bei den Regelungen für Demografiethemen und alternsgerechte Lösungen unsäglich mager. Von daher wollen die Beschäftigten einfach moderne und praktikable Arbeitsbedingungen für ihre Zukunft - und natürlich einen Stundenlohn, der deutlich höher als elf Euro ist. Beide Themen haben wir jetzt in Angriff genommen. Der Stundenlohn zumindest wird zukünftig auch aus der bisherigen 25 -prozentigen Salamanderzulage errechnet. Diese bisher per Betriebsvereinbarung geregelte Zulage wird nun Tariflohn und sich als solche auch beispielsweise bei der Berechnung von Zulagen positiv bemerkbar machen. Die Verhandlungen waren außerdem sehr anspruchsvoll, weil die Arbeitgeberseite auch das erste Mal damit konfrontiert war, direkt mit der Gewerkschaft einen Tarifvertrag zu verhandeln.

Wie ist jetzt die Stimmung bei den Mitarbeitern?

Torsten Falke: Durchwachsen – die Beschäftigten sehen, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Die Tariferhöhung an sich ist gern gesehen, es hätte aber wie immer ein bisschen mehr sein können. Viele stören sich ein wenig an der langen Laufzeit von 33 Monaten. Es gibt auch  noch ganz viele Themen, die jetzt dann bei den anstehenden Verhandlungen über das Entgeltsystem und den Manteltarifvertrag noch zu lösen sind. Türkheim liegt mitten in einem Naherholungsgebiet mit Einzugsbereichen nach München und Augsburg. Die Lebenshaltungskosten, die Mieten und so weiter sind exorbitant gestiegen und die Preise beispielsweise für Gastronomie sind relativ hoch.

Wie geht es nun weiter - ist die BR-Wahl im Mai noch Thema?

Torsten Falke: Die BR-Wahlen sind nicht ganz vom Tisch, dennoch hat sich das neue Gremium jetzt gefunden und arbeitet konstruktiv mit uns und der Arbeitgeberseite zusammen. Wir werden auch einen starken und geschlossenen BR brauchen, denn die Themen, die jetzt auf uns zukommen, bedürfen einer starken Arbeitnehmervertretung.

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