RAG-Aufsichtsratstagung in Ibbenbüren

Zum ersten und letzten Mal

Der Abschied rückt näher. Das ist deutlich zu spüren, an diesem Tag bei RAG Anthrazit in Ibbenbüren. Dort tagte der RAG-Aufsichtsrat, zum ersten und zugleich zum letzten Mal. Das Bergwerk im Tecklenburger Land ist eines der beiden letzten deutschen Steinkohlenbergwerke. Zum Ende des Jahres schließt das Bergwerk Ibbenbüren genauso wie Prosper-Haniel.

Christian Burkert

Der RAG-Ausichtsrat tagt in Ibbenbüren. Der RAG-Aufsichtsrat tagt in Ibbenbüren.
06.07.2018
  • Von: Leo Kölzer
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Ganz bewusst tagt der Aufsichtsrat in Ibbenbüren. Um so noch einmal die Bedeutung des Bergwerks in Ibbenbüren deutlich zu machen. „Ohne den Bergbau wäre die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands niemals so erfolgreich gewesen“, sagt Norbert Lammert. Für den ehemaligen Bundestagspräsidenten und heutigen Aufsichtsrat der RAG ist es „immer noch befremdlich, dass wir uns nun unmittelbar vor dem Punkt befinden, wo die weitere Entwicklung ohne diese Branche stattfindet“. Lammert weiß auch deshalb, wovon er spricht, weil sein Großvater Bergmann war.

Michael Vassiliadis, Vorsitzender der IG BCE, ruft in Erinnerung, dass der Bergbau in Deutschland nicht nur eine wirtschaftliche Bedeutung hat. Denn bis zuletzt ist es im Bergbau gelungen, soziale Verantwortung zu leben, dank einer starken Mitbestimmung mit Vorbildcharakter. „Es ist uns gelungen, Menschen und Familien, die vorher sehr stark vom Bergbau abhängig waren, in der Region neu zu vermitteln“, sagt Vassiliadis. „Das ist ein gutes Zeichen für die hervorragende Sozialpartnerschaft und ein ausdrücklich gutes Zeichen für die Ausbildung und Qualifikation der Mitarbeiter und Auszubildenden. Der Abschied vom Bergbau, so bitter, wie er ist, ist hier am Standort auch mit Zukunft verbunden.“

Christian Burkert

"Das Einzige, was jetzt noch für mich zählt: Niemand fällt ins Bergfreie", sagt der Betriebsratsvorsitzende Uwe Wobben. "Das Einzige, was jetzt noch für mich zählt: Niemand fällt ins Bergfreie", sagt der Betriebsratsvorsitzende Uwe Wobben.

Ganz ähnlich sieht das der Betriebsratsvorsitzende Uwe Wobben, der seine berufliche Karriere vor 32 Jahren auf der Schachtanlage begonnen hat. „Damals hätte ich mir nie träumen lassen, dass wir den Standort 2018 zum Jahresende schließen. Das Einzige, was jetzt noch für mich zählt: Niemand fällt ins Bergfreie. Und das ist uns gelungen, denn wir haben uns um alle Mitarbeiter gekümmert.“

Zum Ende des Jahres wird die RAG in Ibbenbüren noch knapp 500 Mitarbeiter beschäftigen. Bis 2020 wird Zahl auf 100 Mitarbeiter sinken. "In der Zeit wird der Rückbau vorangetrieben und alles für die Aufgabe der ewigen Wasserhaltung vorbereitet", so Uwe Wobben. Dafür wird beispielsweise ein neuer Grubenwasserkanal an den mehrere Hundert Jahre alten Kanal angeschlossen.

Wichtig ist, dass es für den Standort eine echte Zukunftsperspektive gibt. Dank vorausschauender Planung interessieren sich schon jetzt eine Reihe von Firmen und Start-ups für die Flächen des Bergwerks als neuen Standort in Ibbenbüren.

Unterdessen zieht Marcus Gerweiler symbolisch seinen Hut vor einer „sehr motivierten Mannschaft“. Der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende spricht von den Kumpeln, die trotz etlicher Hiobsbotschaften, bis zum Ende alles für ihren Beruf geben. „Ich wüsste keine andere Branche, die so viel Stolz in sich trägt, wie der Bergbau. Die Ehre eines Kumpels ist unantastbar.“

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