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01.03.2019

Von: Marcel Schwarzenberger

Papier-Tarifrunde

Proteste vor der zweiten Runde

Die Beschäftigten von Sappi Alfeld demonstrierten am gestrigen Donnerstag für höhere Löhne und Gehälter und für einen neuen Entgeltrahmentarifvertrag. Mitten im Zentrum ihrer Stadt machten die Alfelder Druck vor der anstehenden zweiten Runde der Tarifverhandlungen für die 40.000 Beschäftigten der Papierindustrie.

Protestaktion bei Sappi in Alfeld. Protestaktion bei Sappi in Alfeld.

Mittagspause im Alfelder Werk des Papierherstellers Sappi. Vor dem Tor, am sogenannten „Sappi-Kreisel“ neben dem historischen Stadtzentrum, sammeln sich Dutzende Beschäftigte in IG-BCE-Westen, mit Schildern, Plakaten – und mit Sonnenschirm und Liege. „Hüttengaudi“ ist das Motto der Protestaktion. Das Ferienambiente samt lauschiger Holzhütte und frischen Brezeln verdeutlicht eine zentrale Forderung: Das Urlaubsgeld soll verdoppelt werden. 600 Euro sind es derzeit. „Für 1200 Euro ist vielleicht ein kleiner Urlaub mit der Familie möglich“, ruft Gerhard Witte, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender und Mitglied der Bundestarifkommission den Demonstranten zu.

Christian Burkert

Gerhard Witte, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender Sappi Alfeld und Mitglied der Bundestarifkommission Gerhard Witte, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender Sappi Alfeld und Mitglied der Bundestarifkommission

Die Bundestarifkommission der IG BCE will eine Erhöhung der Löhne und Gehälter um 5,5 Prozent durchsetzen. Neben der Verdoppelung des Urlaubsgeldes steht auch eine deutliche Erhöhung der Ausbildungsvergütungen auf der Liste der Gewerkschaftsforderungen. „Wir haben nicht nur Fachkräftemangel; es fehlt auch an Nachwuchs“, sagt Witte. Demografischer Wandel und Digitalisierung machen auch den papiererzeugenden Unternehmen den Alltag schwerer. In der letzten Tarifrunde 2017 habe ein rauer Ton auf Arbeitgeberseite geherrscht, berichtet Witte, der seit gut 20 Jahren in der Tarifkommission sitzt. Das Ergebnis aus der vergangenen Tarifrunde: eine Erhöhung um 2,4 Prozent über 13 Monate sowie um 1,2 Prozent über weitere sieben Monate.

  • Sappi Alfeld
    Foto: 

    Christian Burkert

    Sappi Alfeld

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Witte schaut optimistisch auf die Verhandlungen der zweiten Runde in der kommenden Woche. Die Argumente sprächen für sich, sind sich Witte und Sappi-Betriebsratsvorsitzender Werner Habenicht sicher. Fachkräftemangel könne man nur mit fairen Löhnen begegnen. Das Urlaubsgeld in der Papierbranche wurde zuletzt 1992 erhöht; es wird Zeit für eine deutliche Anhebung. „Allein schon wegen der Inflationsrate der vergangenen Jahrzehnte“, sagt Habenicht. Das gegenwärtig geltende System der Lohngruppen stammt sogar noch aus den 1960er-Jahren. Die IG BCE fordert deshalb, dass Gewerkschaft und Arbeitgeberverband die Aushandlung eines zeitgemäßen Entgeltrahmentarifvertrags beschließen. Der soll dafür sorgen, dass die Eingruppierung von Auszubildenden und Beschäftigten gerechter wird.

Papierstadt mit Tradition

In den vergangenen Tagen und Wochen fanden bundeseit viele Aktionen der 40.000 Beschäftigten in der Papierindustrie statt. So auch bei den 1800 Beschäftigten aus dem IG-BCE-Bezirk Alfeld; sie sind unter anderem in Herzberg bei Smurfit Kappa, bei Hahnemühle in Dassel und bei Gascogne Sacs in Wieda beschäftigt. Der größte Papierstandort ist Sappi mit seinen 800 Beschäftigten in Alfeld. Dort wird seit 300 Jahren Papier hergestellt. Das Sappi-Werk ist das Herz der Stadt an der Leine. Die Protestaktion am Sappi-Kreisel wird spontan von vielen Autofahrern mit Hupkonzerten unterstützt.

Christian Burkert

Werner Habenicht, Betriebsratsvorsitzender Sappi Alfeld Werner Habenicht, Betriebsratsvorsitzender Sappi Alfeld

Am 5. März treffen die Bundestarifkommission der IG BCE und die Verhandlungsführer der Arbeitgeber in Hannover für die zweite Runde zusammen. Die erste Runde war ohne Ergebnis geblieben. An vielen Standorten der Papierindustrie organisierten die Betriebsräte Aktionen wie jenen „Hüttengaudi“ der Alfelder. Der IG BCE geht es um kreative Veranstaltungen, die ihre Standpunkte verdeutlichen. Die Gewerkschaft setzt auf faire Verhandlungen. In der kommenden Runde sind die Arbeitgeber gefordert, ein passendes Angebot auf den Tisch zu legen.