• 18.09.2013
  • Medieninformation XVII/32
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Gemeinsame Erklärung von MWV und IG BCE

Für eine nachhaltige Entwicklung des Industriestandorts Deutschland

Berlin/Hannover. Zu den Perspektiven der Mineralölwirtschaft in Deutschland haben sich IG BCE und MWV (Mineralölwirtschaftsverband) auf eine Gemeinsame Erklärung verständigt. Das Papier „Mineralöl und Raffinerien – Noch lange Zeit unverzichtbar für die nachhaltige Entwicklung des Industriestandorts Deutschland“ im Wortlaut:

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Öfen der Olefin III Anlage im Werk Gelsenkirchen Scholven Öfen der Olefin III Anlage im Werk Gelsenkirchen Scholven

Mineralöl wird besonders als Energieträger für Mobilität und als Rohstoff für die chemische Industrie langfristig unverzichtbar sein. Der Energie- und Rohstoffmix von morgen wird breiter sein. Dennoch bleibt Mineralöl entgegen landläufiger Meinung noch für Jahrzehnte in Deutschland ein zentraler Energieträger. Für dessen Herstellung sind die Raffinerien und die weiterverarbeitenden Unternehmen der Mineralölindustrie unverzichtbar, weil sie aufgrund lokaler Produktion und hoher technologischer Standards energieeffizient produzieren.
 
Mit Produkten wie Flüssiggas, Benzin, Kerosin, Dieselkraftstoff, Schmierstoffen und Bitumen er-möglichen die Unternehmen der Mineralölwirtschaft in Deutschland die notwendige Mobilität, ohne die keine hochentwickelte Volkswirtschaft auskommen kann.

Mineralölprodukte – Grundlage für die chemische Industrie

Unverzichtbar sind die Produkte der Mineralölindustrie in Deutschland für die chemische Industrie. Über 90 Prozent der organischen Chemieprodukte kommen aus den Raffinerien. So ist Rohbenzin einer der wichtigsten Rohstoffe der Petrochemie für Kunststoffe, Waschmittel, Dämmstoffe, Textilien oder Reiniger. Die rohölverarbeitenden Raffinerien und die Chemieindustrie in Deutschland garantieren dabei durch ihre Verbundsysteme effiziente und wettbewerbsfähige Wertschöpfungsketten.

Die deutschen Raffinerien bieten 17 000 qualifizierte und hochproduktive Arbeitsplätze, sozialversicherungspflichtig und tarifvertraglich abgesichert. Rund 1 300 Beschäftigte arbeiten darüber hinaus in der einheimischen Erdölgewinnung. Hinzu kommen etwa 90.000 weitere Arbeitsplätze im Absatzbereich der Mineralölprodukte. Die Tarifverträge der Sozialpartner in der Mineralölindustrie bieten den Beschäftigten hohe Einkommen und qualitativ hochwertige Arbeitsbedingungen. Der Mineralölwirtschaftsverband (MWV) und die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) sind sich einig, die Arbeitsplätze und Arbeitsbedingungen weiter attraktiv zu gestalten. Leitbild ist das Prinzip „Gute Arbeit“ für eine moderne, humane Arbeitswelt.

Effizienzpotenziale im Straßenverkehr und Gebäudesektor nutzen

Die deutschen Raffinerien sparen durch ihre Standortnähe Transportenergie und erhöhen durch größere Produktflexibilität die Versorgungssicherheit. In Deutschland werden rund 90 Prozent des Rohöls in Pipelines zu den Raffinerien transportiert, die Mineralölprodukte werden dann auf kurzen Wegen an die Verbraucher geliefert.

Mit dem weltweit zweithöchsten Komplexitätsgrad werden in deutschen Raffinerien mehr und verschiedenartigere Produkte hergestellt als in anderen Ländern, so dass die Ressource Rohöl effizienter und mit den wenigsten Rückständen genutzt wird. Bei der Entschwefelung sind die deutschen Raffinerien weltweit führend, und sie verbrauchen gegenüber dem globalen Durchschnitt 10 Prozent weniger Energie.

Um Mineralölprodukte in Zukunft  noch ressourcenschonender und energieeffizienter einzusetzen, müssen jedoch wichtige Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Der Straßenverkehr muss seinen Beitrag zur Energiewende leisten.  Die CO2-Vermeidung muss auch im Verkehrssektor zu Kosten erfolgen, die weder die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft gefährden noch das Mobilitätsbedürfnis der Bevölkerung unzumutbar beschränken. Wir müssen dazu die Optimierung der Verbrennungsmotoren und die Kombination mit dem Elektroantrieb langfristig weiter vorantreiben. Auch in Zukunft wird bezahlbare Mobilität nicht ohne Mineralöl auskommen. Hocheffiziente Verbrennungsmotoren, Elektromobilität und wasserstoffgestützte Brennstoffzellentechnik gilt es – in Kombination mit Leichtbau-Werkstoffen – für verschiedene Fahrzeugarten und Einsatzzwecke technologie- und energieträgeroffen weiterzuentwickeln. IG BCE und MWV befürworten den Wettbewerb um den wirtschaftlichsten und effizientesten Antrieb der Zukunft aus Sicht von Kunden und Unternehmen.
  • Die Effizienzpotentiale von Mineralölprodukten sind auch im Gebäudesektor stärker zu nut-zen. Energieeffiziente Gebäudesanierung kann und muss ältere Ölheizungen durch effizientere und modernere Öl-Brennwertanlagen ersetzen. Die im Gebäudesektor liegenden Potenziale der Wärmeenergieeinsparung sind zu nutzen. IG BCE und MWV unterstützen deshalb nachdrücklich die Förderung von energieeffizienten Gebäudesanierungen. Sie sind entscheidend, um die Ziele der Energiewende und des Klimaschutzes zu realisieren und gleichzeitig die Wohnnebenkosten bezahlbar zu halten. 23,5 Prozent des gesamten Endenergieverbrauches in Deutschland entfallen auf Heizen und Warmwasserbereitung der privaten Haushalte. Deutschland braucht ein ambitioniertes CO2-Gebäudesanierungsprogramm der Bundesregierung ebenso wie ein Programm zur energieeffizienten Sanierung des Gebäudebestandes der sozialen Infrastruktur, des Bundes, der Länder und Kommunen. Die energetische Gebäudesanierung schafft im Übrigen Arbeitsplätze und stabilisiert die Inlandskonjunktur.

Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandorts Deutschland muss Maßstab sein

Damit die Unternehmen und die Beschäftigten der deutschen Mineralölverarbeitung ihren Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung unter Beibehaltung des Wohlstandes in Deutschland leisten können, sind folgende politische Rahmenbedingungen notwendig:

  • Die Mineralölversorgung im zukünftigen Energiemix muss als integraler Bestandteil der Energiewende eingeplant werden.
  • Bei nationalen regulatorischen Eingriffen ist zu berücksichtigen, dass die deutsche Mineralölproduktion im europäischen und internationalen Wettbewerb steht. Produk-tionsverlagerungen bedeuteten höhere Emissionen insgesamt und Verzicht auf Wertschöpfung und Arbeitsplätze in Deutschland.
  • Kein weiterer Anstieg der Stromkosten für energieintensive Branchen, die im inter-nationalen Wettbewerb stehen. Die Reform des EEG muss sich am Ziel der Wett-bewerbsfähigkeit des Industriestandortes Deutschland messen lassen.
  • Die Beiträge und Potenziale der Mineralölindustrie und deren Produkte zur Verbrauchsminderung von Verbrennungsmotoren sind anzuerkennen. Die Erschließung weiterer Potenziale durch Technologie- und Energieträgeroffenheit muss im Wettbewerb sichergestellt werden. 
  • Der Gesetzgeber muss technologieoffen die Mitverarbeitung von Biomasse bei der Mineralölverarbeitung für die Quotenerfüllung zulassen, damit Know-how und geeignete Raffineriekapazitäten genutzt werden können.
  • Durch gezielte Programme müssen das steigende Verkehrsaufkommen von Schwerlasten auf der Straße und damit verbundene Umweltlasten aufgefangen werden. Im Mittelpunkt stehen dabei Verbesserungen der Fahrzeugsysteme und Motoren sowie eine effizientere Organisation der Güter- und Lieferverkehre.

Nachhaltige Entwicklung fördern

Der MWV und die IG BCE bekennen sich zur Verantwortung einer nachhaltigen Entwicklung. Be-reits heute nehmen die deutschen Raffinerien in der Energieeffizienz und Schadstoffminimierung international eine Spitzenstellung ein. Die Umwelt- und Produktstandards liegen weltweit an der Spitze. Diese Position gilt es weiter auszubauen. Dazu braucht die Mineralölwirtschaft innovations-freundliche Rahmenbedingungen.

Nachhaltiges Wirtschaften schließt soziale und ökonomische Aspekte ausdrücklich mit ein. Durch Mitbestimmung, hohe Qualität der Arbeitsgestaltung und sichere Arbeitplätze werden die Voraussetzungen geschaffen, um Deutschland als leistungsfähigen Wirtschaftsstandort zu halten, Innovationen zu fördern und soziale Lebensperspektiven zu schaffen.

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