Ostdeutsche Wasserkonferenz der IG BCE

Wasser ist Leben

Um nichts weniger als die Zukunft des lebensnotwendigen Elementes Wasser und seine sichere Bereitstellung in Industriegesellschaften ging es bei der ostdeutschen Wasserkonferenz der IG BCE am 15. April in Bernau. Intensive Diskussionen prägten die Veranstaltung, zu der Betriebs- und Personalräte, Beschäftigte und Geschäftsführungen aus Wasserbetrieben in ganz Ostdeutschland angereist waren. Gemeinsam erörterten sie die modernen technischen Herausforderungen wie den Schutz des Trinkwassers vor Verschmutzungen durch Medikamente und Mikroschadstoffe, aber auch die Anforderungen an eine neue Infrastruktur vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Veränderungen wie der zunehmenden Land-Stadt-Wanderung.

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Frisches Wasser
16.04.2015
  • Von: Susanne Schneider-Kettelför

Die Probleme, welche eine immer weiter abnehmende Bevölkerung für die Wasserwirtschaft auslösen, kennt Marko Paetzold, Instandhaltungsmechaniker und Personalrat beim Wasserverband Nordhausen in Thüringen, gut. Mit rund 50 Kolleginnen und Kollegen versorgt er Tag für Tag rund 80.000 Einwohner in ländlicher Region mit sauberem Trinkwasser. Früher wohnten hier weit mehr Menschen, dazu kamen industrielle Großbetriebe, die nach der Wende wegbrachen. „Die ganze Wasserwirtschaft wird durch den abnehmenden Wasserverbrauch kostenintensiver", sagt Paetzold. "Wir müssen Rohrspülungen durchführen, die Entkeimung wird aufwendiger. Vor Rohrspülungen müssen wir Mitarbeiter abstellen, die in den Ortschaften vorab Informationen verteilen, damit während der Zeit der Spülungen nicht Waschmaschinen oder Spülmaschinen laufen und möglicherweise mit Dreckwasser verschmutzt werden. Das sind für uns Beschäftigte alles zusätzliche Aufgaben während unserer Arbeitszeit.“

Sein Kollege Frank Opitz, Meisterbereichsleiter Elektro und Personalrat beim Zweckverband Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung Saalfeld-Rudolstadt, pflichtet ihm bei: „Bei den Ortschaften weit draußen müssen wir heute mit technischen Möglichkeiten wie zum Beispiel einer Veränderung des pH-Wertes die Trinkwasserqualität sichern. Bei uns gibt es außerdem schon seit langem Spülpläne für die Rohre.“

Die Wasserkonferenz der IG BCE sprach genau diese Probleme der Beschäftigten an. Dabei setzte Egbert Biermann, Mitglied des geschäftsführenden Hauptvorstands der IG BCE, gleich zu Beginn Akzente, als er über die berechtigte Erwartung der Bevölkerung an Wasser in höchster Qualität sprach und dabei immer wieder betonte, dass dabei auch die stabile industrielle Entwicklung mit berücksichtigt werden müsse: „Die Wasserunternehmen stehen hier in einer besonderen Verantwortung. Sie müssen auf der einen Seite das Naturelement ‚Wasser‘ allzeit zuverlässig und sauber bereitstellen und gleichzeitig die industrielle Entwicklung des Wirtschaftsstandorts Deutschland absichern. Fakt ist, dass allein die industrielle Produktion Basis für den Wohlstand unseres Landes ist.“

Susanne Kettelför

Egbert Biermann, Mitglied des geschäftsführenden Hauptvorstandes der IG BCE Egbert Biermann, Mitglied des geschäftsführenden Hauptvorstandes der IG BCE, betonte, dass die Gewerkschaft bei den Herausforderungen der Wasserwirtschaft vor allem die Rolle der Beschäftigten im Blick hat und die Betriebsräte unterstützt.

Egbert Biermann unterstrich den engen Zusammenhang von Wasserwirtschaft und verlässlicher Energieversorgung. Die IG BCE nehme bei allen Herausforderungen vor allem die Rolle der Beschäftigten in den Blick, unterstütze die Betriebsräte bei Verbesserungen für mehr Ressourceneffizienz, bei betrieblichen Weiterbildungsvereinbarungen und kämpfe für gute Arbeitsbedingungen und Nachwuchsförderung angesichts immer älter werdender Belegschaften.

Uwe Störzner, Geschäftsführer der MIDEWA Wasserversorgungsgesellschaft, beleuchtete die derzeitigen Herausforderungen für die Wasserversorger aus Sicht eines regionalen Wasserbetriebes, der zum europaweit tätigen Mutterkonzern VEOLIA gehört: „Die bisherige Organisation der Wasserversorgung wird bei schrumpfenden Märkten nicht mehr ausreichen. Die wichtigste Strategie wird sein, Partnerschaften vor Ort zu schließen, sowohl vertikaler als auch horizontaler Art. Ebenfalls geht es darum, auf Innovationen zu setzen."

Hier griff Gerald Büchner, Betriebsratsvorsitzender bei der MIDEWA ein. Er wies auf die hohe Altersstruktur hin, die im Unternehmen trotz guter Ausbildungszahlen besteht, und mahnte: „Bei den schnelllebigen Prozessen müssen wir darauf achten, dass wir die oft schon älteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mitnehmen. Ständig müssen sie neue Prozesse begleiten, weil das Unternehmen Innovationen fordert. Dafür die Motivation und die Voraussetzungen zu schaffen, ist eine Herausforderung für uns Betriebsräte und erfordert den engen Austausch mit der Geschäftsführung.“

Susanne Kettelför

Gerald Büchner, Betriebsratsvorsitzender MIDEWA Gerald Büchner, Betriebsratsvorsitzender MIDEWA, machte auf das Problem der hohen Altersstrukturen aufmerksam.

Armin Krück, Betriebsratsvorsitzender der Kommunale Wasserwerke Leipzig, wies auf ein Dilemma hin, das vor allem durch den Personalabbau der vergangenen Jahre verstärkt wurde: „Wie können die Unternehmen sicherstellen, dass die Beschäftigten in der Lage sind, nach einem Acht-Stunden-Arbeitstag unter Einhaltung der 10-Stunden-Grenze aus dem Arbeitszeitgesetz Störungen an Trinkwasser- und Abwasseranlagen zu beseitigen? Rohrbrüche und Störungen gehören in der Wasserwirtschaft zum Alltag, genauso wie große Versorgungsgebiete mit langen Anfahrtswegen. Unsere Kolleginnen und Kollegen sind mit Haut und Haar Wasserwerker und sorgen nicht selten auf ihr Risiko dafür, dass die Wasserversorgung und Abwasserentsorgung trotz dünner Personaldecke reibungslos funktioniert.“

Im Fachvortrag von Dr. Siegfried Throm, Geschäftsführer beim Verband der forschenden Arzneimittelhersteller, ging es bei der ostdeutschen Wasserkonferenz um die Gefahr der Wasserverschmutzung durch Arzneistoffe, die durch die Abwässer in den Privathaushalten erfolgt. Er konstatierte: "Für die Menschen bedeuten Arzneistoffe-Reste im Wasser keinerlei Risiken. Um die Risiken für Organismen in den natürlichen Gewässern weiter zu minimieren, entwickelt die Pharmaindustrie leicht abbaubare Eiweißwirkstoffe sowie neue Darreichungsformen und Therapiearten."

Die anspruchsvolle Spurensuche nach Mikroschadstoffen im Wasserkreislauf einer Großstadt, ihre Analyse und Bekämpfung beleuchtete Dr. Uwe Dünnbier von den Berliner Wasserbetrieben. Franz-Gerd Hörnschemeyer von der IG BCE sprach über das brisante Thema von Fracking-Probebohrungen und betonte nach anschaulicher Darlegung der Fakten: „Die IG BCE hält die Vereinbarkeit von absolut sicherem Trinkwassergewinn und dem verantwortungsbewussten Einsatz von Gasfördertechnologien zu den vorgeschriebenen Sicherheitsstandards und Auflagen für gegeben. Wir halten die Erprobung der Wirtschaftlichkeit von Fracking in Deutschland für sinnvoll.“

Grußworte sprachen André Stahl, Bürgermeister der Stadt Bernau, und Jörg Vogelsänger, brandenburgischer Minister für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft. Der Minister betonte dabei insbesondere die enge Verbindung von Industrie, Energie und Wasserwirtschaft.

Susanne Kettelför

André Stahl, Bürgermeister der Stadt Bernau André Stahl, Bürgermeister der Stadt Bernau, begrüßte die Teilnehmer der ostdeutschen Wasserkonferenz.

Der Ort der ostdeutschen Wasserkonferenz war bewusst gewählt: Vor 25 Jahren wurde in Bernau mit der Gründung der Gewerkschaft Bergbau, Energie, Wasserwirtschaft die Grundlage dafür gelegt, dass die ostdeutsche Wasserwirtschaft mit Wassergewinnung und -aufbereitung und Klärung der Abwässer als industrieller Prozess gesehen wird und fortan zum Aufgabenbereich der späteren IG BCE gehörte.

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