Vorstellungsgespräch

Nur nicht rot werden!

Spricht der Chef im Vorstellungsgespräch Tabuthemen an, darf gelogen werden. Doch wonach darf er fragen? Und wonach nicht? Kompakt erklärt die Rechtslage.

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Wer gut vorbereitet in ein Vorstellungsgespräch geht, muss sich nicht vor schwierigen Fragen fürchten.
30.08.2017
  • Von: Katrin Schreiter
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Wie bitte? Hat der Personalleiter jetzt wirklich nach der Familienplanung gefragt? Das darf er doch gar nicht …

Stimmt! Hochzeit, Kinderwunsch und Schwangerschaft gehören zu den Tabuthemen. "In einem Vorstellungsgespräch darf der Arbeitgeber nur Fragen stellen, die mit dem konkreten Arbeitsverhältnis im Zusammenhang stehen", erklärt Ansgar Claes, Leiter der Abteilung Arbeits- und Sozialrecht bei der IG BCE. "Das Arbeitsrecht unterscheidet deshalb zwischen unzulässigen und zulässigen Fragen." Außerdem gebe es noch branchenspezifische Besonderheiten.

"Eindeutig zu den Tabuthemen gehört alles, was persönlich ist", stellt Claes klar. "Hierzu zählen die Familienplanung, die sexuelle Neigung und die Pflegebedürftigkeit der Eltern." Auch nach Religion, Partei- und Gewerkschaftszugehörigkeit dürfe der Arbeitgeber nicht fragen. 

Nicht ganz so generell verhalte es sich bei der Frage nach einer Vorstrafe wegen Unterschlagung oder Diebstahl: "Wer sich zum Beispiel als Kassierer oder Kassiererin bewirbt, muss hier ehrlich antworten", sagt Claes.

So manche Frage ...

Auch nach Krankheiten dürfe sich der Chef unter Umständen erkundigen: "Das hängt von der Tätigkeit ab, die nicht beeinträchtigt werden darf", erklärt der Rechtsexperte, der als Beispiel den medizinischen Bereich nennt, indem niemand mit ansteckenden Krankheiten arbeiten dürfe.

... sollte eigentlich tabu sein

Zurück zu den Tabuthemen: Auch, wenn der Chef danach nicht fragen darf … Was tun, wenn der potenzielle Arbeitgeber die Frage nach dem Kinderwunsch oder der Parteizugehörigkeit fragt? Claes sieht das pragmatisch: "Wer glaubt, durch seine ehrliche Antwort Nachteile bei der Bewerbung zu haben, darf getrost die Unwahrheit sagen. Selbst, wenn der Chef davon später erfahren sollte, wird es keine rechtlichen Konsequenzen geben."

Bei der Vorbereitung auf das Vorstellungsgespräch sollten sich Bewerber deshalb nicht nur auf die Fragen nach Schwächen und Stärken, Zielen und Gehaltsvorstellungen vorbereiten, sondern auch auf Antworten bei Tabuthemen. "Das hilft, Schrecksekunde und peinliches Schweigen zu verhindern." Claes rät ab, den Chef darauf aufmerksam zu machen, dass die eine oder die andere Frage nicht gestellt werden dürfe. "Das führt eher zu Missstimmungen." Ein bisschen lügen üben, kann also nicht schaden …

Loyal bleiben, auf Interna achten

"Es gibt aber auch Tabus, an die sich der Bewerber halten sollte – wenn auch ohne Gesetzeslage", weiß Claes. So gehöre es zum obersten Gebot, nicht über vorherige Arbeitgeber, Vorgesetzte oder Kollegen herzuziehen.

"Das ist zum einen schlechter Stil – wer will schon einen illoyalen Arbeitnehmer. Zum andern sollte man nie das Netzwerk seines potenziellen neuen Chefs unterschätzen." Nicht selten würden sich die Arbeitgeber untereinander kennen.

Vorsicht ist auch geboten, wenn es um Arbeitsproben geht. "Wer im Vorstellungsgespräch zeigen will, was er zum Beispiel entwickelt hat, muss darauf achten, dass nichts Vertrauliches auf den Tisch kommt", warnt Claes. "Das gilt auch für Namen von Kunden, die dem nicht zugestimmt haben."

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