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Was Kinder für die Rente bringen

Insbesondere viele Mütter treten zugunsten ihrer Kinder beruflich kürzer. Dadurch sinkt auch die spätere Rente. Doch bei der Jobplanung lohnt es sich, die „Kinderleistungen“ der Rentenversicherung im Blick zu haben. Ein Überblick:

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Wer während der 36 Kindererziehungsmonate nebenher sozialversichert arbeitet, erwirbt doppelte Rentenansprüche.

Kindererziehungszeit:
Das ist die bekannteste Kinderleistung der Deutschen Rentenversicherung (DRV). Dem Elternteil, der hauptsächlich erzieht – meist also noch immer der Mutter – wird für Kinder, die ab 1992 geboren wurden, in den ersten drei Lebensjahren eines Kindes jeweils ein Entgeltpunkt gutgeschrieben. Das bedeutet: Diese Zeit wird für die spätere Rente so bewertet, als hätte die Mutter genauso viel verdient und Rentenbeiträge eingezahlt wie der Durchschnitt aller Versicherten. Das bringt nach den ab Juli geltenden Werten im Westen einen Rentenanspruch von 32,03 Euro pro Jahr, in den neuen Ländern sind es 30,69 Euro. Die drei Kindererziehungsjahre bringen damit zusammen bei der späteren monatlichen Rente ein Plus von rund 96 bzw. 92 Euro.

Rentenplus durch Job:
Wer während der 36 Kindererziehungsmonate nebenher sozialversichert arbeitet, erwirbt doppelte Rentenansprüche. Maximal werden einem Rentenversicherten allerdings pro Jahr nur gut zwei Entgeltpunkte auf dem Rentenkonto gutgeschrieben. Wer also ein hohes versicherungspflichtiges Einkommen hat, profitiert von den zusätzlichen Ansprüchen durch die Erziehungszeit meist nur wenig.
Tipp: Verdient ein Elternteil ohnehin überdurchschnittlich, sollte er die Erziehungszeit besser dem anderen Teil zu überlassen.

Auch für den Vater:
Eltern haben ohnehin die freie Wahl, wie sie die 36 Kindererziehungsmonate für die Rente unter sich aufteilen. Der Vater kann z.B. sechs Monate bekommen und die Mutter die restlichen 30 Monate. Eltern können auch mehrmals wechseln. So kann die Kindererziehungszeit z.B. genutzt werden, wenn ein Elternteil Lücken auf dem Rentenkonto hat. Diese Zeit bringt nämlich nicht nur Entgeltpunkte, sondern zählt auch als Pflichtversicherungszeit.

Kinderberücksichtigungszeit:
Die Kindererziehungszeit im Sinne der Rentenversicherung endet, wenn ein Kind drei Jahre alt wird. Die Zeit danach bis zum 10. Geburtstag eines Kindes wird als „Kinderberücksichtigungszeit“ gewertet. Wer mehrere Kinder hat, bei dem zählt meist der Zeitraum, bis das jüngste Kind zehn Jahre alt ist. Hierzu ein Beispiel: Eine Mutter hat drei Kinder, die 2006, 2010 und 2018 geboren wurden. Ihr jüngstes Kind wird 2028 zehn Jahre alt. Deshalb zählen bei ihr die 22 Jahre zwischen 2006 und 2028 als Kinderberücksichtigungszeit.
„In so einem Fall kann die Elternschaft entscheidend dazu beitragen, dass eine Mutter oder auch ein Vater früher in Rente gehen kann“, erklärt Manuela Budewell von der DRV Bund. Die 22 Jahre im Beispielfall zählen z.B. voll mit, wenn später geprüft wird, ob Anspruch auf die abschlagsfreie vorzeitige Altersrente für besonders langjährig Versicherte besteht.

Rentenplus durch Berücksichtigungszeit:
Vor allem Müttern mit einem Teilzeitjob bringt die Kinderberücksichtigungszeit noch ein schönes Rentenplus. Auch hierzu ein Beispiel: Britta H. kann im September 2018 – nach drei Jahren Erziehungszeit – wieder in ihren alten Job zurückkehren, aber nur in Teilzeit. Dort wird sie rund 2.000 Euro brutto im Monat verdienen. Das ist etwas weniger als zwei Drittel des derzeitigen durchschnittlichen Verdienstes aller rentenversicherungspflichtig Beschäftigten. Ein volles Jahr mit einer solchen Beschäftigung würde ihr deshalb nur knapp 2/3 Entgeltpunkte für die Rente bringen. Doch ihr Einkommen in der Zeit der Kinderberücksichtigung wird für die spätere Rente um die Hälfte – also auf 3.000 Euro – aufgewertet. So wird ihr pro Jahr fast ein voller Entgeltpunkt gutgeschrieben. Voraussetzung dafür ist aber, dass sie später beim Rentenantrag mindestens 25 Versicherungsjahre vorweisen kann. Das ist für Eltern meist kein Problem, weil hier auch die Zeit bis zum 10. Geburtstag der Kinder (als Kinderberücksichtigungszeit) mitzählt. Maximal wird das Arbeitsentgelt des Erziehenden in dieser Zeit auf einen vollen Entgeltpunkt aufgewertet. Insgesamt kann so zwischen dem 3. und 10. Geburtstag eines Kindes  ein zusätzliches Rentenplus von bis zu 75 Euro pro Monat zusammenkommen (nach derzeitigen Werten).

Achtung bei Minijobs:
Viele Mütter üben – zumindest bis ihr jüngstes Kind schulpflichtig wird – nur einen Minijob aus. Wichtig für ist: Die Hochwertung der Beschäftigungszeit für die spätere Rente gilt auch für Minijobs – aber nur solange diese rentenversicherungspflichtig sind. Mütter mit Minijob sollten deshalb nicht auf die Rentenversicherungspflicht verzichten. Ein 450-Euro-Job zählt für die Rente dann immerhin wie ein 675-Euro-Job.

Zuschlag auch ohne Job:
Eine Sonderregelung gilt für Mütter oder Väter, die zwei oder mehr Kinder zwischen drei und zehn Jahren gleichzeitig erziehen. Ihnen wird in dieser Zeit auch ohne Berufstätigkeit für jedes Jahr der Kindererziehung 1/3 Entgeltpunkt gutgeschrieben.

Riestern:
Bei der privaten Altersvorsorge gilt:  Auch ohne sozialversicherungspflichtigen Job erhält eine Mutter (oder auch ein Vater) mit Riester-Vertrag pro Jahr und Kind eine Zulage von 300 Euro (185 Euro für vor 2008 geborene Kinder). Hinzu kommen nochmals 175 Euro für die Mutter bzw. den Vater selbst. Um diese Zuschläge zu erhalten, reicht gerade in der Elternzeit häufig ein Eigenbeitrag von fünf Euro im Monat.

 

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