Tipps Personalgespräche

Wir müssen mal reden

Streit im Team, Projekte im Verzug, unpünktlich am Arbeitsplatz — um Probleme zu beheben, werden oft Personalgespräche angesetzt. Ein eher unangenehmer Termin. Doch es gibt Regeln, die beide Parteien beachten müssen. Kompakt erklärt die wichtigsten. 

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02.05.2019
  • Von: Katrin Schreiter

Mit einem unguten Gefühl blicken viele Arbeitnehmer einem Personalgespräch mit dem Chef entgegen.“ Nicht immer gibt es einen Grund zur Sorge“, meint Ursula Salzburger, Fachsekretärin bei der IG BCE, Abteilung Arbeits- und Sozialrecht in Hannover.“ Wenn der Arbeitgeber das Gespräch als Instrument in der Personalführung nutzt und über Ziele sprechen will, kann dieser Termin sehr positiv verlaufen.“ Nicht zuletzt könnte dabei auch das Thema Gehaltserhöhung eine Rolle spielen.“ Doch natürlich kann es auch um Kritik oder sogar um eine Kündigung gehen“, weiß sie aus Erfahrung. Aber wie weiß der Arbeitnehmer, was Gegenstand des Personalgesprächs sein wird? „Das sollte bekannt sein – ein Gebot der Fairness. Wer nicht weiß, worum es gehen wird, sollte danach fragen“, rät die Juristin. Dabei gebe es zwar keine Regelung, wie viele Tage im Voraus der Mitarbeiter darüber informiert sein muss, “aber eine Woche vorher halte ich für erforderlich, um sich unter Umständen gut darauf vorbereiten zu können“. Es ist aus vielen Gründen hilfreich, den Anlass oder die Motivation des Chefs für das Gespräch zu kennen: Soll es um die Ziele für das nächste Jahr gehen? Um einen Rückblick auf die vergangenen zwölf Monate? Werden eventuell Probleme im Team angesprochen? Lässt sich eine Gehaltserhöhung thematisieren? Wer solche Fragen im Vorfeld abklopft, kann sich gezielt auf den Termin vorbereiten. Und eventuell eine Begleitung mitnehmen.

Zur Sicherheit gleich ein Anwalt? “So einfach ist das nicht“, erklärt Salzburger.“ Darauf hat der Arbeitnehmer kein grundsätzliches Recht: Denn bei einem Anwalt handelt es sich um betriebsfremde Dritte.“ Allerdings gäbe es eine Ausnahme: „Wenn der Arbeitgeber selbst einen Anwalt zum Personalgespräch hinzuzieht, ist es dem Mitarbeiter ebenfalls gestattet – aus Gründen der sogenannten Chancen- und Waffengleichheit.“ Denn hätte lediglich der Chef einen rechtlichen Beistand, wäre der Mitarbeiter in einer ungleich schwächeren Ausgangslage. Anders sieht es bei der Unterstützung durch den Betriebsrat aus.“ Wenn der Arbeitgeber nichts dagegen hat, sollte immer eine Vertrauensperson beim Gespräch dabei sein“, rät die versierte Fachsekretärin.“ Auf jeden Fall darf ein Betriebsratsmitglied hinzugezogen werden, wenn sich der Aufgabenbereich des Arbeitnehmers drastisch ändern wird oder wenn es um die Kündigung geht.“ Generell besteht beim angekündigten Personalgespräch eine Teilnahmepflicht, die sich aus dem Weisungs- beziehungsweise Direktionsrecht ableitet (Paragraf 106 Gewerbeordnung).“Wer den Termin ignoriert, muss mit einer Abmahnung und im Falle der wiederholten Weigerung mit einer Kündigung rechnen.“ Nur in Krankheitsfällen müssten die Arbeitnehmer nicht zum Personalgespräch erscheinen.

Wichtige Tipps für das Personalgespräch, wenn Sie glauben, es steht unter negativen Vorzeichen:

  • Gehen Sie nach Möglichkeit nicht allein zum Termin. Wenn es um Änderung des Arbeitsvertrags geht oder sogar um Kündigung, darf ein Betriebsratsmitglied dabei sein.
  • Nehmen Sie die Informationen zur Kenntnis, die der Arbeitgeber Ihnen mitteilen will. Sie müssen darauf nicht antworten.
  • Unterschreiben Sie auf keinen Fall irgendwelche Verträge oder Protokolle, die Ihnen Ihr Chef während des Gesprächs vorlegt! Notieren Sie sich das Wichtigste und holen Sie sich nach dem Gespräch Rat beim Betriebsrat oder Ihrer Gewerkschaft.

Das Handy als „Zeuge“?

Um Missverständnisse zu vermeiden, ob und was im Personalgespräch tatsächlich gesagt wurde, ist es praktisch, einen Mitschnitt zu machen. Aber ist das erlaubt?
„Nein“, stellt Rechtsanwältin Ursula Salzburger klar.“ Nicht nur das Verwenden von heimlich aufgenommenen Gesprächen, sondern bereits die Aufnahme selbst ist strafbar.“ Ein solcher Einsatz mit dem Smartphone kann eine verhaltensbedingte Kündigung rechtfertigen. Das hat das Landesarbeitsgericht (LAG) in Rheinland-Pfalz entschieden. In dem Fall hatte eine Arbeitnehmerin ein Personalgespräch, das wegen ihrer Krankheit geführt wurde, heimlich mit dem Smartphone aufgezeichnet. Zitate aus diesem Gespräch verwendete sie später im Kündigungsschutzprozess. Das aber sei nicht zulässig, denn damit sei das Persönlichkeitsrecht des Gesprächspartners verletzt worden, so die Richter. Dazu gehöre die Unbefangenheit des gesprochenen Worts. (Aktenzeichen: 7 Sa 220/15)

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