Tipps: Das ABC der Familienplanung

Teilzeit ist nicht nur Frauensache

 Auch nach der Elternzeit gibt es Gründe, warum Eltern eine Vollzeit-Berufstätigkeit schlecht mit dem Familienleben vereinbaren können oder wollen: begrenzte Betreuungszeiten der Kitas und Schulen, Schichtbetrieb und Mehrarbeit, Arbeiten zu Randzeiten oder mit geringer Planbarkeit. Dann ist Teilzeit eine mögliche Lösung.  

Gene Chutka/Getty Images 

Rückkehr nach der Elternzeit
Nach der Elternzeit können Mütter und Väter normalerweise an ihren ursprünglichen oder einen gleichwertigen Arbeitsplatz zurückkehren. Wer während der Elternzeit Teilzeit gearbeitet hat, muss rechtlich danach mit der Stundenzahl tätig sein, die er vorher im Vertrag hatte. Wollen Eltern dann weiterhin reduziert arbeiten, müssen sie eine Arbeitszeitreduzierung beantragen. 

Antrag auf Teilzeit stellen
Drei Monate vor dem gewünschten Beginn der Teilzeit sollte der Mitarbeiter den Antrag stellen, am besten schriftlich, um im Streitfall einen Nachweis zu haben. Wer direkt im Anschluss an die Elternzeit reduzieren möchte, stellt den Antrag also bevor die letzten drei Elternzeit- Monate beginnen. Brückenteilzeit muss in Textform beantragt werden. Eine Zustimmung des Arbeitgebers ist unter folgenden Voraussetzungen möglich: 

  • Der Arbeitnehmer hat länger als sechs Monate durchgehend im Betrieb gearbeitet. 
  • Im Unternehmen sind mehr als 15 Arbeitnehmer in allen Filialbetrieben (ohne Auszubildende) beschäftigt. 
  • Der Arbeitsplatz ist für Teilzeit geeignet. 

Spätestens einen Monat vor dem gewünschten Teilzeitbeginn muss der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer schriftlich zustimmen. Reagiert er nicht, verringert sich die Arbeitszeit automatisch in dem vom Arbeitnehmer gewünschten Umfang. 

Ablehnung aus betrieblichen Gründen
Aus betrieblichen Gründen kann der Betrieb den Antrag auf Teilzeit ablehnen, wenn die verringerte Arbeitszeit beispielsweise Organisation, Arbeitsablauf oder Sicherheit im Betrieb wesentlich beeinträchtigt oder unverhältnismäßige Kosten verursacht. Ist ein Arbeitnehmer mit der Ablehnung nicht einverstanden, kann er vor dem zuständigen Arbeitsgericht klagen. Der Arbeitgeber muss die betrieblichen Gründe für seine Ablehnung beweisen.

Teilzeit-Modelle
Das klassische Teilzeit-Modell ist die Verringerung der Stunden an jedem Arbeitstag (Teilzeit classic) oder der Arbeitstage pro Woche oder Monat (classic vario).
Zweites Modell ist das Teilen eines Arbeitsplatzes unter zwei Personen oder in einem Team (Job-Sharing). Damit können auch lange Servicezeiten und Projekte gemanagt werden.
Drittes Modell ist die Teilzeit Home oder mobiles Arbeiten von Zuhause aus. Ob Unternehmen diese Mischung aus Präsenz-Arbeitszeit im Betrieb und mobiler Arbeitszeit ermöglichen, hängt von der Firmenkultur und dem Vertrauen des Vorgesetzten ab.
Progressive Unternehmen bieten zudem Teilzeit Invest an: Dabei spart man über einen längeren Zeitraum Vollzeit- Arbeitszeit auf einem Wertkonto an, um zeitweise gar nicht zu arbeiten. Bezahlt wird durchgängig ein Teilzeit-Gehalt. 

Rückkehr in die Vollzeit nicht vergessen
Finanziell für die Altersvorsorge sowie für Aufstiegschancen sollte die Teilzeit nur so ange genommen werden, wie es für die Kinderbetreuung notwendig ist. Werden die Kinder selbstständiger, sollten Eltern die Teilzeit in Richtung Vollzeit erhöhen. Zwar hat man keinen Anspruch auf die Rückkehr zur ursprünglichen Stundenzahl; aber gesetzlich vorgeschrieben ist den Betrieben, bei Stellenausschreibungen Teilzeitkräfte, die erhöhen wollen, zu bevorzugen. Bei der neuen Brückenteilzeit ab 2019 muss der Arbeitgeber bei der Besetzung eines freien Arbeitsplatzes erklären und beweisen, warum er einen Mitarbeiter in Brückenteilzeit nicht so geeignet dafür hält wie andere Bewerber.

§ Die Gesetzeslage
Das Teilzeit- und Befristungsgesetz (TZBfG) regelt den Anspruch auf Teilzeitarbeit und sorgt für die Gleichstellung von Teilzeitarbeitenden. Man spricht von Teilzeit, wenn Arbeitnehmer weniger als die im Tarifvertrag oder der Betriebsvereinbarung geregelte Arbeitszeit tätig sind. Die Betriebsvereinbarung bestimmt weitere Details und Möglichkeiten für Teilzeit, zum Beispiel mobiles Arbeiten. Ab 1. Januar 2019 wird die neue Brückenteilzeit eingeführt, eine auf ein bis fünf Jahre begrenzte Teilzeit für Arbeitnehmer in Unternehmen mit mehr als 45 Beschäftigten. Für Arbeitgeber, die 46 bis 200 Arbeitnehmer beschäftigen, wird die Anzahl der Brückenteilzeitplätze begrenzt (zum Beispiel mindestens vier bei 46 bis 60 Mitarbeitern).
Tipp: Auch außertarifliche Arbeitnehmer haben Anspruch auf Teilzeit: Die Rechtsprechung geht davon aus, dass die betriebsübliche Wochenarbeitszeit gilt - auch ohne konkret genannte Stundenzahl im Arbeitsvertrag. 

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