Mein Arbeitsplatz

Ich folge der Kohle

Peter Hopfinger ist Vorarbeiter im Tagebau Profen und in den Baufeldern Schwerzau und Domsen für die mobilen Bandanlagen verantwortlich.

Jens Schulze

Peter Hopfinger Peter Hopfinger (60) hält im Tagebau Profen die mobilen Bandanlagen am Laufen.
30.08.2018
  • Von: Katrin Schreiter

Das ist wie Rechnen nach einer Formel: Für 100 Meter Verlängerung brauche ich 200 Meter Schienen, 16 Segmente und 32 Schwellen. Da kann man mich nachts wecken, ich würde blitzschnell für jede Strecke das nötige Material aufzählen können.

Ich bin Vorarbeiter im Tagebau Profen und in den Baufeldern Schwerzau und Domsen für die mobilen Bandanlagen verantwortlich. Meine Brigade baut die Bänder auf, rückt sie weiter und baut sie wieder ab, je nachdem, wo gerade gefördert wird. Ich folge also mit meinen Leuten der Kohle.

Beim Aufbau legen wir Schwellen, verbinden Schienen und setzen Segmente. Dann wird das Förderband, das die Kohle oder den Abraum transportiert, eingezogen und vulkanisiert. Ziehen die Schaufelradbagger weiter, rücken wir das Band nach. Dabei hilft die Rückraupe, die neben den Schienen fährt und dabei die Gleise mit dem Band Stück für Stück verschiebt.

Früher brauchte man drei Mann, um die Schienen in die Halterung der Rückraupe einzubinden. Heute funktioniert das alles in einem hydraulischen Rückstuhl. Die Schienen werden zwar immer noch per Hand mit Laschen, Schrauben und Hammerstücken verbunden, aber insgesamt gibt es für uns hier weniger körperlich schwere Arbeit.

Bei der MIBRAG (Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft mbH) bin ich seit 1972, erst als Schlosser und seit der Umstrukturierung 1990 bei der Bandrückbrigade. Damals waren wir noch 30 Mann – oder besser gesagt: 30 Frauen und Männer. Die Frauen mussten ständig die Rollen kontrollieren, über die das Band läuft.

Wenn die Lager einer Rolle defekt sind, fängt diese an zu glühen. Dann ist die Gefahr groß, dass der Transportgurt Feuer fängt. Heute sind wir nur noch neun Leute und die Rollen werden von den Mitarbeitern der Schicht sowie von der Feuerwehr mit einer Wärmebildkamera überwacht.

Am schönsten ist es, wenn wir eine völlig neue Anlage in der vorgegebenen Zeit fertig gebaut haben und der Bagger loslegen kann. Dann bin ich richtig zufrieden. Aber ich freue mich auch, wenn ich Ende des Jahres in Altersteilzeit gehe und mehr Zeit für mein Hobby habe. Ich sammle Modellfahrzeuge im Maßstab H0. Autos, keine Eisenbahnen!
Es muss ja nicht immer was mit Schienen sein . . .

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