Tipps: Krankenversicherung

Freie Krankenhauswahl auch für gesetzlich Versicherte

Wer operiert werden muss, benötigt eine passende Klinik. Krankenhaus-Navis helfen bei der Suche. Doch haben gesetzlich Versicherte überhaupt das Recht, sich ein Krankenhaus ihrer Wahl auszusuchen?  

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01.12.2018

Wie viele Krankenhäuser stehen gesetzlich Versicherten offen?
Nach den letzten Daten des Statistischen Bundesamtes gab es Ende 2016 in Deutschland insgesamt 1951 Krankenhäuser. Nur 168 davon waren „reine“ Privatkliniken. Sie hatten keinen Versorgungsvertrag mit den gesetzlichen Krankenkassen. Die anderen 1783 Kliniken standen gesetzlich Krankenversicherten offen. 

Können gesetzlich Versicherte sich in allen diesen Kliniken behandeln lassen?
Im Prinzip ja. Die Frage der Auswahl stellt sich natürlich vor allem bei länger im Voraus planbaren Operationen. Das betrifft etwa viele Herzoperationen (zum Beispiel Bypass-OPs), Knie- oder Hüft- OPs. Hier kann man sich vorher mit seinen behandelnden Ärzten beraten und sollte die OP nicht im nächstgelegenen Krankenhaus, sondern in einer Klinik vornehmen lassen, die viel Erfahrung mit den entsprechenden Eingriffen hat.

Wie findet man eine Passende Klinik?
Dabei helfen die Krankenhaus-Navis der Krankenkassen. Den Navi der AOK findet man im Internet zum Beispiel unter weisse-liste.krankenhaus.aok.de. Entsprechende Navis gibt es aber auch von den anderen großen Krankenkassen. Wichtig ist dabei: Sie sind frei zugänglich, also nicht nur für Versicherte der jeweiligen Kassen verfügbar. Der identische Einleitungstext der “Checkliste Krankenhausaufenthalt“, der auf den Internetportalen der Kassen zu finden ist, liest sich wie ein Verbraucherratgeber: “Wer ins Krankenhaus muss, hat viele Fragen. Welche Klinik ist für eine bestimmte Behandlung besonders gut geeignet? Wie häufig wird diese dort durchgeführt und mit welchem Erfolg? Wie spezialisiert sind die Ärzte? Und wie ist die Klinik ausgestattet?“

Wie funktionieren die Navis?
Sie fordern die Nutzer zunächst auf, ihre Krankheit beziehungsweise die geplante Operation einzugeben und verlangen dazu die medizinische Bezeichnung. Wer diese nicht kennt, findet in den Navis auch einen Befund- Dolmetscher. Nach der Krankheitsangabe kann man die Suche regional eingrenzen und zum Beispiel eingeben, dass man eine Klinik sucht, die besonders viele Patienten mit der eigenen Krankheit behandelt hat. Wer will, kann auch eingeben, dass er eine Klinik mit Zweibett-Zimmern mit eigener Nasszelle haben möchte. Sinnvoll ist es, die Suche nach der geeigneten Klinik zusammen mit dem behandelnden Arzt vorzunehmen.

Kommen auf Versicherte Mehrkosten zu, wenn sie sich im Haus ihrer Wahl behandeln lassen?
Nein. Die Kosten der Krankenhausbehandlung sind heute ohnehin innerhalb der jeweiligen Bundesländer identisch. Kleine Unterschiede gibt es nur zwischen den Ländern. Bei einer Umfrage, die die vom DGB herausgegebene Zeitschrift “Soziale Sicherheit“ bei den 14 größten Krankenkassen durchgeführt hat, erklärten elf Kassen eindeutig, dass keine Mehrkosten erhoben werden. Und die restlichen drei teilten mit, dass ihnen kein Fall bekannt sei, wo in den letzten Jahren Mehrkosten erhoben wurden – mit Ausnahme der Fahrtkosten: Wer ein weiter entferntes Krankenhaus wählt, muss damit rechnen, dass er die Fahrtkosten in der Regel immer alleine tragen muss.

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Oft ist es besser, sich vom behandelnden Arzt eine Klinik für die Operation empfehlen zu lassen, als sich an das nächstgelegene Krankenhaus zu wenden. 

Muss der Arzt nicht in der Krankenhausverordnung die beiden am nächsten erreichbaren Kliniken angeben?
Nur in „geeigneten Fällen“. Der Arzt kann also auch weiter entfernte Krankenhäuser angeben oder auf die Nennung einer Klinik ganz verzichten. Das Bundessozialgericht (BSG) hat noch am 19. Juni dieses Jahres entschieden, dass die Nennung von Krankenhäusern in der Überweisung lediglich eine orientierende und beratende Funktion hat. Es befand: Im Prinzip können Versicherte auch ohne ärztliche Überweisung im Krankenhaus behandelt werden – wenn die Klinik feststellt, dass die Behandlung notwendig ist (Aktenzeichen: B 1 KR 26/17 R).

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