Vor Ort Wismut GmbH

Experten für alte Stollen

Die Wismut GmbH saniert die Hinterlassenschaften des Uranabbaus in Sachsen und in Thüringen.

Frank Rogner

Bernd Dienelt in einer der Grubenloks. Rund 10 Kilometer Gleise liegen in den Stollen. Bernd Dienelt in einer der Grubenloks. Rund 10 Kilometer Gleise liegen in den Stollen.
29.09.2017
  • Von: Wolfgang Lenders
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Unter dem hölzernen Turm des Fördergerüsts von Schacht 15 IIb in Bad Schlema geht es hinab in die Vergangenheit. Bernd Dienelt schließt die Gittertür des Förderkorbs. Er läutet und der Korb sinkt in die Dunkelheit. 50 Meter tiefer öffnet er die Tür. Ein hell ausgeleuchteter Tunnel, Schienen, Hunte – das sind Förderwagen –, zwei Grubenloks, eine Werkstatt. Die Technik ist noch aus der Zeit vor der Wende. Als die Wismut Uran für die sowjetischen Atombomben abbaute.

Bernd Dienelt hat 1977 angefangen; er ist stellvertretender Leiter des Projekts Bergbausanierung und Mitglied des Betriebsrats. Rund 45 000 Beschäftigte hatte die Wismut vor der Wende. Heute sind es gut 1000; unter Tage arbeiten 25. Eine der größten Leistungen der Bundesregierung und der damaligen Führung sei es gewesen, den Personalabbau Anfang der 1990er-Jahre sozialverträglich zu gestalten, sagt Katrin Altmann, Mitglied des Betriebsrats und des ehrenamtlichen Hauptvorstands der IG BCE. Eine Arbeitsfördergesellschaft fing die Bergleute auf. "Ein Problem ist heute, dass Fachkräfte in den Ruhestand gehen, die Aufgaben aber nicht in dem Grad zurückgegangen sind, wie ursprünglich geplant." Das Durchschnittsalter der Beschäftigten ist 48 Jahre, viele gehen bald in Rente. "Ab 2018 wird es bei der Wismut wieder Azubis geben", sagt Katrin Altmann. "Der Betriebsrat hat sich dafür eingesetzt."

Die Grubenlok rumpelt über die Schienen, die Wagen, die sie zieht, schwanken hin und her. Es ist dunkel im Stollen. An einigen Stellen tropft Wasser herunter. Rund 15 Minuten braucht sie für die etwa 1,5 Kilometer, insgesamt liegen etwa 10 Kilometer Gleise.

Kay Zimmermann

Zu Besuch bei der Wismut GmbH in Bad Schlema. Zu Besuch bei der Wismut GmbH in Bad Schlema.

Bernd Dienelt stoppt die Lok. Eine neue Strecke zweigt vom Hauptstollen ab. Zwei Männer sichern die Gebirgsstruktur mit Spritzbeton. "Wir haben eine Wetterstrecke aufgefahren ", sagt Jörg Klimmer. Am Ende der neuen Strecke geht es leicht aufwärts, sie stößt auf einen aufgegebenen Stollen. Der Lichtstrahl der Grubenlampe streift durch die Dunkelheit. Es ist feucht hier, über allem scheint ein leichter Nebel zu liegen. Auf dem Boden liegen Reste von Holzbalken, die einmal die Firste gestützt haben. An einigen Stellen klaffen Löcher, das herabgefallene Gestein liegt am Boden des Stollens. "Das ist Bruch", sagt Jörg Klimmer.

Die Bergleute der Wismut gruben diese Grubenbaue, als das nukleare Wettrüsten zwischen den USA und der Sowjetunion begann. Mitte der 1950er-Jahre wurden sie aufgegeben. Heute sammelt sich dort Radon an, ein radioaktives Gas. Damit es sich nicht in den Kellern der Häuser ansammelt, leitet es die Wismut gezielt über einen Wetterschacht ab. Bis auf 1800 Meter Tiefe reichten die Schächte Ende der 1980er-Jahre. Mit der Wende 1989 kam das Ende des Uranbergbaus. Die Bundesrepublik verpflichtete sich, die Kosten für den Rückbau zu tragen. Heute ist alles geflutet, was unterhalb der Sohle liegt, auf der die Männer arbeiten.

Ein Seitenstollen, ein paar 100 Meter entfernt: Steffen Rehbock betätigt einen Hebel. Druckluft zischt und klappernd setzt sich der Grubenbagger in Bewegung. Die Schaufel greift in loses Gestein am Ende einer unfertigen Strecke und kippt es unter ohrenbetäubendem Poltern in einen Hunt. Hier entsteht ein zusätzlicher Grubenbau für die Wetterführung.

"Ich bin Hauer", sagt Steffen Rehbock. Seit 1976 ist er bei der Wismut, zweieinhalb Jahre sind es für ihn noch bis zur Rente. In den 1980er-Jahren hat Steffen Rehbock in 1755 Meter Tiefe gearbeitet. "Da unten war es immer schön warm", sagt er. Das Gestein ist dort rund 60 Grad warm, die Luft wurde auf etwa 30 Grad gekühlt. Wenn die Bergleute Erz fanden, bedeutete das für sie eine Prämie.

Kay Zimmermann

Andreas Schreier (vorn) und Jörg Klimmer ziehen einen Hunt mit ausgebrochenem Gestein aus dem Förderkorb. Andreas Schreier (vorn) und Jörg Klimmer ziehen einen Hunt mit ausgebrochenem Gestein aus dem Förderkorb.

Uranerz strahlt. Zwar nicht so stark wie weiter aufbereitetes Uran, aber trotzdem waren die Bergleute einer dauerhaften Belastung ausgesetzt. Hat er sich damals Gedanken um seine Gesundheit gemacht? "Nein", sagt Steffen Rehbock. "Wir haben damals ja auch fast alle während der Arbeit geraucht." Bis 1987 war das in dem Bergwerk erlaubt. Viele der Kumpel sind durch die Arbeit krank geworden; die Wismut betrieb früher mehrere auf die Behandlung dieser Krankheiten spezialisierte Kliniken.

Bei der Sanierung ist neben Radon das Wasser, das aus dem gefluteten Bergwerk austritt, eines der größten Probleme. Es ist mit Uran und Arsen belastet. In einer Wasseraufbereitungsanlage werden diese Stoffe gebunden, sodass sie aus dem Wasser ausfallen. Mit Zement vermischt, entsteht ein Immobilisat, das auf einem speziell dafür vorbereiteten Bereich in der Halde eingelagert werden kann.

Halde 371/I: Thomas Baumgartl senkt die Baggerschaufel in das dunkelbraune, klumpige Material und verteilt es. "Wir arbeiten das Immobilisat in Stufen ein", erklärt er. Wenn so eine Halde voll ist, bekommt sie eine Schutzschicht und wird bepflanzt. Es entstehen Wanderwege und Aussichtspunkte. Was unter der Erde ist, muss dort bleiben. Es wird noch sehr lange strahlen.

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