Eine von uns

Links trommeln, rechts klicken

Luise-Carola Kache heizt den Herrenhandballern vom SC DHfK Leipzig mächtig ein — als begeisterter Fan.

Jens Schulz

"Bevor nicht abgepfiffen wird, geben wir kein Spiel verloren", sagt Luise-Carola Kache. "Bevor nicht abgepfiffen wird, geben wir kein Spiel verloren", sagt Luise-Carola Kache.
27.09.2017
  • Von: Katrin Schreiter
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Manchmal ist es die Stimmung, immer aber die Stimme. Auch die Kollegen von Luise-Carola Kache, die sich nicht für Handball interessieren, wissen am nächsten Tag, dass die Männer vom SC DHfK gerade ein Heimspiel hatten. Warum? Weil die gelernte Industriekauffrau, die bei den Leipziger Wasserwerken in der Abteilung Abrechnung arbeitet, heiser ins Büro kommt.

Die 62-Jährige gehört seit sechs Jahren zum Fanclub Feuerball-L.E. Die Mitglieder treiben die Spieler regelmäßig mit lauten Rufen und rhythmischen Trommelschlägen zu Höchstleitungen an – zweimal 30 Minuten. "Wir sind der achte Mann auf der Platte“, weiß die sympathische Frau, die sich schon lange für den Handball begeistert. "Mein Mann hat früher selbst gespielt, später auch unsere Tochter“, erzählt sie. "Wir sind infiziert.“ Fußball interessiere sie nicht. "Da ist mir zu viel Aggression auf dem Platz“, meint sie.

Eine Stunde trommeln – klappt es dann am nächsten Tag noch mit der Arbeit am Computer? "Kein Problem“, meint Luise-Carola Kache und erklärt: "Ich trommle mit links, die Mouse bediene ich mit rechts. Und damit ich keine Blasen bekomme, trage ich einen Handschuh“, erzählt sie. "Anstrengend ist es trotzdem – nach dem Spiel ist man schon echt kaputt.“

Kein Wunder, dass die Handballer nach dem Spiel jedes Fanclub-Mitglied abklatschen. "Im Prinzip bedanken sie sich bei uns. Wir haben schließlich auch unsere Leistung gebracht.“

 Leipzig-Leipzig-Rufe, Trommel schlagen, Fahnen schwenken – das ist noch lange nicht alles, was die 35 Feuerballer für ihre Handballer veranstalten. Schon Stunden vor dem Anpfiff sind sie in der Halle unterwegs, verteilen die Pappklatschen auf den Sitzen, und zu Weihnachten werden traditionell Plätzchen gebacken, die der Fanclub dann gemeinsam mit den Nachwuchsspielern für wohltätige Zwecke verkauft.

"Natürlich fahren wir auch zu Auswärtsspielen und stärken dort unseren Jungs den Rücken“, sagt Luise-Carola Kache. Und ob auswärts oder daheim: Die Glücksbringer-Ohrstecker und die Glücksbringer-Uhr sind jedes Mal dabei, wenn es um die Punkte in der Bundesliga geht. Natürlich alles in Grün gehalten – wie die Farbe des Vereins. Und wie die Farbe der Hoffnung. Denn die stirbt auch im Handball zuletzt.

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