Tipps Abgaben

Darfs ein bisschen mehr sein?

Arbeitnehmer müssen 2019 weniger in die Sozialkassen einzahlen. Auch die Steuerbelastung sinkt etwas. Unterm Strich ergibt das meist ein leichtes Plus beim „Netto“.  

Christian Ohde /dpa 

Mehr Netto vom Brutto: Das Jahr 2019 bringt kleine Entlastungen bei Steuern und Sozialabgaben. 

Wie kommen die niedrigeren Sozialversicherungsbeiträge zustande?
Steigende Beiträge gibt es nur bei der Pflegeversicherung. Diese werden mehr als kompensiert durch sinkende Beiträge bei der Arbeitslosenversicherung und die Rückkehr zur paritätischen Finanzierung bei der Krankenversicherung. Unterm Strich sinkt der Arbeitnehmeranteil des gesamten Sozialversicherungsbeitrags 2019 um 0,55 Prozentpunkte auf 19,825 Prozent. Kinderlose zahlen 0,25 Prozentpunkte mehr, also 20,075 Prozent. 

Wie sieht es in den einzelnen Zweigen genau aus?
Bei der Rentenversicherung bleibt der Beitragssatz unverändert bei 18,6 Prozent. Der Beitrag zur Arbeitslosenversicherung sinkt um insgesamt 0,5 Prozentpunkte auf 2,5 Prozent. Ein Teil der Absenkung (0,4 Prozentpunkte) gilt dauerhaft. Befristet bis Ende 2022 gilt die weitere Absenkung um 0,1 Prozentpunkte. Der Beitragssatz zur Pflegeversicherung steigt um 0,5 Prozentpunkte an. Für Versicherte mit Kind sind es nun 3,05 Prozent. Den Beitrag tragen Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu gleichen Teilen – außer in Sachsen, dem einzigen Bundesland, wo der Buß- und Bettag noch ein gesetzlicher Feiertag ist. Dort zahlen Arbeitgeber 2019 nur 1,025 Prozentpunkte, während Arbeitnehmer 2,025 Prozent aufbringen müssen. Für Kinderlose ab 23 Jahren kommt überall – wie bisher – ein Zuschlag von 0,25 Prozentpunkten hinzu, den bundesweit allein die Versicherten (ohne Arbeitgeberbeteiligung) tragen. Bei der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) liegt der allgemeine Beitragssatz unverändert bei 14,6 Prozent. Davon zahlen Arbeitnehmer und Arbeitgeber je die Hälfte. Hinzu kommt ein „kassenindividueller Zusatzbeitrag“. Dieser beträgt 2019 voraussichtlich im Schnitt aller Kassen nur noch 0,9 Prozent (vorher: 1,0 Prozent). Neu ist aber vor allem: Arbeitgeber müssen nun wieder die Hälfte des Zusatzbeitrags übernehmen. Für die Beschäftigten bedeutet dies im Schnitt eine Beitragsentlastung um 0,55 Prozentpunkte. 

Ab welchem Einkommen können sich Arbeitnehmer 2019 von der gesetzlichen Krankenversicherung verabschieden?
Die bundeseinheitliche Versicherungspflichtgrenze in der GKV wurde um 112,50 Euro im Monat erhöht. Versicherungspflichtig sind hier jetzt Arbeitnehmer, die 2019 im Schnitt brutto bis zu 5062,50 Euro pro Monat verdienen. Wer ein höheres Arbeitsentgelt bezieht, ist in der Regel versicherungsfrei und kann sich zwischen einer freiwilligen gesetzlichen oder einer privaten Krankenversicherung (PKV) entscheiden. Für diejenigen, die schon Ende 2002 privat versichert waren, liegt die für sie geltende besondere Versicherungspflichtgrenze bei 4537,50 Euro im Monat. Etliche PKV-Versicherte rutschen durch die Erhöhung dieser Grenzen 2019 wieder in die Versicherungspflicht, dann können und müssen sie sich in aller Regel wieder gesetzlich krankenversichern – was allerdings ab 55 Jahren meist nicht mehr möglich ist. 

Was ändert sich für “Besserverdienende“?
Manche von ihnen zahlen künftig etwas mehr in die Sozialkassen, weil die Beitragsbemessungsgrenzen (BBG) in allen Versicherungszweigen steigen. So wird etwa die BBG in der Renten- und Arbeitslosenversicherung im Westen um 200 Euro im Monat auf 6700 Euro erhöht. Die BBG markiert die Einkommensgrenze, bis zu der Beiträge fällig werden. Wer im Westen zum Beispiel monatlich 7000 Euro verdient, muss von den 300 Euro, um die die Bemessungsgrenze überschritten wird, keine Beiträge in die Sozialkassen abführen. Auch die Leistungen – etwa das Arbeitslosengeld I – werden maximal auf Grundlage dieser Höchstgrenzen berechnet.

Was ändert sich bei der Steuer?
Der steuerliche Grundfreibetrag steigt von 9000 Euro auf 9168 Euro. Auch der Kinderfreibetrag erhöht sich um 192 Euro. Zugleich werden die Tarifeckwerte des Einkommensteuertarifs angepasst. Der Steuertarif wird – wenn man sich ein Koordinatensystem vorstellt – „nach rechts“ verschoben, und zwar um 1,84 Prozent. Hierdurch soll die so genannte kalte Progression ausgeglichen werden. Der progressive – also mit zunehmendem Bruttoeinkommen immer mehr ansteigende – Steuertarif würde ansonsten dazu führen, dass Lohnsteigerungen in Verbindung mit der Inflation zumindest teilweise durch eine höhere Besteuerung „aufgefressen “ werden.

Was bedeuten die Änderungen unterm Strich?
Das Plus fällt 2019 je nach Höhe des Bruttoeinkommens unterschiedlich aus. Unterm Strich steigt das monatliche Nettoeinkommen von Arbeitnehmern zum Jahreswechsel 2018/19 um zehn bis 40 Euro. 

Kompakt_Januar_ 2019

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