Tarife / Chemie

Erhöhung in zwei Stufen: 3,0 und 2,3 Prozent

Nach einem zweitägigen Verhandlungsmarathon haben IG BCE und Chemie-Arbeitgeber am 23. Juni in Lahnstein den Tarifabschluss 2016 unter Dach und Fach gebracht. Die Entgelte der 550.000 Beschäftigten steigen um insgesamt 5,3 Prozent. Im ersten Schritt erfolgt eine Anhebung um 3,0 Prozent, nach 13 Monaten eine weitere Erhöhung um 2,3 Prozent. Außerdem haben die Chemie-Tarifparteien das Vertragswerk „Zukunft durch Ausbildung und Berufseinstieg“ weiter entwickelt und ausgebaut.

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23.06.2016
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IG BCE-Vorsitzender Michael Vassiliadis: „Mit diesem Abschluss sorgen wir wieder für eine gute und stabile Einkommensentwicklung. Die Beschäftigten haben teil am Erfolg der chemischen Industrie. Unsere hohe Tarifbindung in der Branche gewährleistet, dass die Entgelterhöhungen auch bei allen ankommen.“

IG-BCE-Verhandlungsführer Peter Hausmann: „Wir haben einen guten Kompromiss erzielt, das Ergebnis entspricht der Lage in der chemischen Industrie. Die Prozentzahlen können sich auch im Branchenvergleich sehen lassen. In der Ausbildung werden die Standards quantitativ gehalten und qualitativ weiter ausgebaut. Mit dem ‚Pre-Start‘-Programm erschließen wir Neuland.“

Der Abschluss im Einzelnen:

Die Entgelte und Ausbildungsvergütungen steigen um 3,0 Prozent, nach 13 Monaten erfolgt eine weitere Erhöhung um 2,3 Prozent.

Die Laufzeiten der Chemie-Verträge beginnen regional unterschiedlich. In den Tarifbezirken Nordrhein, Rheinland-Pfalz und Hessen erfolgt die Erhöhung zum 1. August; Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Westfalen folgen zum 1. September; Saarland und Nordost zum 1. Oktober. Die Gesamtlaufzeit beträgt 24 Monate.

Für Betriebe in wirtschaftlichen Schwierigkeiten gelten Sonderregelungen. Hier ist eine Verschiebung der Entgelterhöhungen jeweils um maximal zwei Monate möglich.

IG BCE und Chemie-Arbeitgeber haben das Vertragswerk „Zukunft durch Ausbildung und Berufseinstieg“ weiterentwickelt und ausgebaut. Die Tarifparteien wollen das erreichte hohe Ausbildungsniveau auch künftig beibehalten. Vor dem Hintergrund rückläufiger Schulabgängerzahlen und dem Trend zur akademischen Bildung sind zusätzliche Anstrengungen in der betrieblichen Ausbildung erforderlich. Gewerkschaftliches Ziel bleibt, dass für übernommene Ausgebildete die unbefristete Einstellung zum Normalfall wird.

Zur Analyse der Ausbildungs- und Übernahmesituation sind auf regionaler und Bundesebene paritätisch besetzte Runde Tische eingerichtet. IG BCE und Chemie-Arbeitgeber haben diese Gremien mit mehr Kompetenzen ausgestattet.

Unter dem Titel „Pre-Start“ legen Gewerkschaft und Chemie-Arbeitgeber ein neues Projekt zur Integration junger Menschen in die Arbeitswelt auf. Zielgruppe sind Jugendliche mit erheblichen sprachlichen oder schulischen Defiziten. Sie sollen in mehrmonatigen Kursen für eine Teilnahme an den bereits laufenden „Start“-Programmen vorbereitet werden. Hier werden junge Menschen gefördert, denen Voraussetzungen für eine Berufsausbildung fehlen. Konkret geht es um eine einjährige berufspraktische Vorbereitung.

Ansprechpartner:
Christian Hülsmeier, Tel. 0151 14 27 01 10
Michael Denecke, Tel. 0173 60 80 426

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Anhebung in Urlaub umwandeln

Sven 27.11.2017 14:42 Uhr

Ich habe mir überlegt ob es nicht auch interessant sein könne die Tariferhöhung von xy% in Urlaubstage umzuwandeln also mir wären zum Beispiel XY Tage mehr Urlaub Lieber als XY% mehr Geld. Wäre das nicht vielleicht eine interessante Verhandlungsoption?

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Glauben heißt nicht Wissen

Carlo Zimmermann 05.07.2016 09:37 Uhr
Von : Hans

"Lieber Kollege, wir sind stolz das unsere IGBCE diesen tollen Abschluss herausgehandelt hat und gäbe es die Gewerkschaften nicht dann hätten wir noch 40h und evtl. das Lohnverhältniss von 1970. Bis dato bekommen auch alle nicht organisierten Chemie MA die ausgehandelten Lohnerhöhungen. Es gäbe die rechtliche Möglichkeit das die gewerkschaftlich organisierten MA entsprechend die Lohnerhöhungen bekämen. Wird aber bis jetzt solidarisch an alle weitergegeben. Ich bin seit 35 Jahren Gewerkschaftsmitglied und ob ich ein Unterstützer der SPD bin glaube ich nicht. "

Hallo zurück, in der Sache widersprechen wir uns nicht, bis auf den letzten Satz. Diesen erläuterte ich ja bereits, und es betrifft auch Ihre Mitgliedsbeiträge. Die monetäre Unterstützung der SPD erfolg somit unfreiwillig. Genau das ist ja mein Kritikpunkt.

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Denkfehler

Thomas K 01.07.2016 14:39 Uhr
Von : Matthias

"Hallo Thomas, ich weiß immernoch nicht wo jetzt der Denkfehler liegt, denn du sagst selber, dass die Differenz von 3000 auf 3160 auf 2 Jahre gerechnet (5,33%), allerdings hat man ja die 5,33% nicht von Anfang an. Das heißt doch aber, dass die 4,1 % bezogen auf das Startgehalt sozusagen nach 2 Jahren die gleiche Geldmenge wie 1 Jahr 3%+1Jahr 5,3 % ,ebenfalls bezogen auf das Startgehalt, generieren werden. Aber ich gebe dir recht, 12 Monate ist immer besser"

Hallo Matthias, die Diskussion ging ja darum, wie viel der Tarifabschluss nun tatsächlich wert ist. Im ersten Jahr (bzw. in den ersten 13 Monaten) ist er 3% wert. Ab dem 14. Monat und von da an immerwährend ("tabellenwirksam") ist er 5,33% wert. Betrachtet man, wie Du es gemacht hast, nur die 24 Monate der Laufzeit so ist er [(3% x 12/13)+(2,3% x 12/11)]/2 = 4,1 % wert. Du siehst also, es ist alles eine Frage des Blickpunkts. Deshalb bleiben wir dabei: Zukünftige Abschlüsse nur noch für 12 Monate!

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Hmm aber wo ist jetzt genau der Fehler? :D

Matthias 01.07.2016 09:37 Uhr
Von : Thomas K

"Hallo Matthias, bei deiner Berechnung liegt tatsächlich ein Denkfehler vor. Richtigerweise hast Du beide Erhöhungen auf die jeweiligen Monate bezogen, so dass die Einzelerhöhungen richtig berechnet wurden. Geht man nun von 3000 € Ausgangsgehalt aus und rechnet mit dem Endgehalt von (gerundet) 3160 € in einem Dreisatz die prozentuale Erhöhung, so erhält man 5,33 % auf 24 Monate. Sie liegt etwas höher als 5,3 %, weil die zweite Erhöhung ja auf Basis des bereits um 3 % erhöhten Gehaltes stattfindet. Denkfehler: Ihre 4,1 Prozent kommen zustande, weil man im ersten Jahr 3% mehr bekommt und im zweiten Jahr - bezogen auf das Ursprungsgehalt von 3000 € - 5,3 %. Rechnet man beide zusammen und teilt durch 2 - wegen der 2 Jahre - kommt man auf auf ca. 4,1 %. Weil man hier so oft daneben liegt, sollten Tarifabschlüsse immer nur auf 12 Monate verhandelt werden!"

Hallo Thomas, ich weiß immernoch nicht wo jetzt der Denkfehler liegt, denn du sagst selber, dass die Differenz von 3000 auf 3160 auf 2 Jahre gerechnet (5,33%), allerdings hat man ja die 5,33% nicht von Anfang an. Das heißt doch aber, dass die 4,1 % bezogen auf das Startgehalt sozusagen nach 2 Jahren die gleiche Geldmenge wie 1 Jahr 3%+1Jahr 5,3 % ,ebenfalls bezogen auf das Startgehalt, generieren werden. Aber ich gebe dir recht, 12 Monate ist immer besser

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Tarifabschluss

Gino Sais 01.07.2016 08:42 Uhr

Wie lauten die Sonderreglungen für Betriebe mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Unser Betrieb hat bei den letzten 2 Tariferhöhungen die wirtschaftlichen Schwierigkeiten ausgenutzt. Ist es bei jeder Tariferhöhung oder gibt es irgendwann einmal Grenzen? LG Gino sais

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Ich bin Stolz auf die IGBCE und auf diese Verhandlung !

Hans 30.06.2016 13:24 Uhr
Von : Carlo Zimmermann

"Exakt so ist es. Ich persönlich finde Gewerkschaften gut und notwendig. Da viele von ihnen aber zu einem SPD-Wahlhilfeverein mutiert sind, blieb mir nichts anderes als der Austritt möglich. Ich würde mir eine politisch unabhängige Gewerkschaft wünschen, leider sieht man immer häufiger Personalrochaden aus SPD-Vorständen in die Gewerkschaftsverbände und umgekehrt. Ich werde keinem Verein mehr beitreten, der linke bzw. linkslastige Politik unterstützt Dennoch: Kompliment fürs Verhandeln. Ich teile die Auffassung einiger passiver Mitglieder nicht, dass die aktivenm zu wenig rausgeholt hätten."

Lieber Kollege, wir sind stolz das unsere IGBCE diesen tollen Abschluss herausgehandelt hat und gäbe es die Gewerkschaften nicht dann hätten wir noch 40h und evtl. das Lohnverhältniss von 1970. Bis dato bekommen auch alle nicht organisierten Chemie MA die ausgehandelten Lohnerhöhungen. Es gäbe die rechtliche Möglichkeit das die gewerkschaftlich organisierten MA entsprechend die Lohnerhöhungen bekämen. Wird aber bis jetzt solidarisch an alle weitergegeben. Ich bin seit 35 Jahren Gewerkschaftsmitglied und ob ich ein Unterstützer der SPD bin glaube ich nicht.

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Garantien gibt es leider nicht

Carlo Zimmermann 29.06.2016 15:23 Uhr
Von : Frank Hoffmann

"Auch in der IG BCE engagieren sich zum Glück viele Kolleginnen und Kollegen der CDA. Gewerkschaften muss man gelegentlich daran erinnern, dass sie kein Ortsverein der SPD sind sondern eine größere Verabntwortung tragen. Zusammen sind wir deutlich stärker als das nur eine politische Richtung wäre. Diese Logik scheint sich langsam rumzusprechen. "

Dass ein "Umdenken" stattfindet, bezweifle ich, wenn ich mir die Äußerungen der DGBler so anschaue..Auch habe ich keine Lust, die Gewerkschaften an ihre Pflichten zur Unabhängigkeit zu erinnern. Die IG Metall konnte mir damals nicht garantieren, dass von meinen Mitgliedsbeiträgen kein Cent in die Wahlkampfhilfe der SPD flöießt. Darumfin habe ich selbst dafür gesorgt und bin ausgetreten. Auch das Verteidigen des Mindestlohns seitens der Gewerkschaften (d.h. staatliche Festlegung von Löhnen statt gewerkschaftlicher) ist aus dieser Perspektive grotesk. Eine Selbstentmachtung vorantreibend wurde selbst hier ohne Not in das selbe Horn der SPD gestoßen. Ich wünsche mir Gewerkschaften, die sich um ihre Kernaufgaben kümmern statt das politische Geschehen drumherum zu manipulieren.

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Einheitsgewerkschaft

Frank Hoffmann 29.06.2016 11:25 Uhr
Von : Carlo Zimmermann

"Exakt so ist es. Ich persönlich finde Gewerkschaften gut und notwendig. Da viele von ihnen aber zu einem SPD-Wahlhilfeverein mutiert sind, blieb mir nichts anderes als der Austritt möglich. Ich würde mir eine politisch unabhängige Gewerkschaft wünschen, leider sieht man immer häufiger Personalrochaden aus SPD-Vorständen in die Gewerkschaftsverbände und umgekehrt. Ich werde keinem Verein mehr beitreten, der linke bzw. linkslastige Politik unterstützt Dennoch: Kompliment fürs Verhandeln. Ich teile die Auffassung einiger passiver Mitglieder nicht, dass die aktivenm zu wenig rausgeholt hätten."

Auch in der IG BCE engagieren sich zum Glück viele Kolleginnen und Kollegen der CDA. Gewerkschaften muss man gelegentlich daran erinnern, dass sie kein Ortsverein der SPD sind sondern eine größere Verabntwortung tragen. Zusammen sind wir deutlich stärker als das nur eine politische Richtung wäre. Diese Logik scheint sich langsam rumzusprechen.

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Ein einfaches Dankeschön

Timo Bahlke 29.06.2016 10:57 Uhr

Ohne in die Wehklagen mit einzusteigen: Vielen Dank den Verhandelnden, dass wir ohne überzogenes Geschrei, Stilllegungen und ausufernden Drohgebärden ein passables Ergebnis erreicht haben. Es zeigt mir trotz der teils engen politischen Nähe (die ich in dieser Form oft auch nicht teile oder vertrete), dass wir mit Augenmaß und auf Augenhöhe tragbare Ergebnisse zustande bringen können. Ein einfacher E8/6 Vergleich zwischen 2003 und 2016-erste Stufe (nur als Beispiel) zeigt mir, dass hier schon seit langer Zeit vieles richtig läuft. Ein Plus von 40 % in 13 Jahren... Danke. Noch ein kurzer subjektiver Kommentar: Gefühlt schreien oft die am lautesten, die eher unter Durchschnitt zu unserer Wirtschaftskraft beigetragen haben. Die Fraktion, die jedes ihrer Privilegien kennt, aber leider oftmals die Pflichten etwas vernachlässigt.

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Denkfehler

Thomas K 29.06.2016 10:31 Uhr
Von : Matthias

"Wie kommen Sie auf 2,7% für 24 Monate? 13 Monate erhalten Sie 3%, ab Monat 14-24 nochmal 2,3 % auf die Summe, das heißt wir kommen bei ca. 4% Erhöhung auf 24 Monate hinaus. Beispiel : 3000 Euro Brutto/Monat *24 = 72000 Euro 3000 *103% =3090 13*3090= 40170 3090*102,3% = 3160 11*3160= 34760 In der Summe stehen also 74930 gegen 72000 vor den Erhöhungen Das Ergibt ~4,1 % auf über 2 Jahre Bitte korrigieren Sie mich falls ich einen Denkfehler habe. Gruß Matthias"

Hallo Matthias, bei deiner Berechnung liegt tatsächlich ein Denkfehler vor. Richtigerweise hast Du beide Erhöhungen auf die jeweiligen Monate bezogen, so dass die Einzelerhöhungen richtig berechnet wurden. Geht man nun von 3000 € Ausgangsgehalt aus und rechnet mit dem Endgehalt von (gerundet) 3160 € in einem Dreisatz die prozentuale Erhöhung, so erhält man 5,33 % auf 24 Monate. Sie liegt etwas höher als 5,3 %, weil die zweite Erhöhung ja auf Basis des bereits um 3 % erhöhten Gehaltes stattfindet. Denkfehler: Ihre 4,1 Prozent kommen zustande, weil man im ersten Jahr 3% mehr bekommt und im zweiten Jahr - bezogen auf das Ursprungsgehalt von 3000 € - 5,3 %. Rechnet man beide zusammen und teilt durch 2 - wegen der 2 Jahre - kommt man auf auf ca. 4,1 %. Weil man hier so oft daneben liegt, sollten Tarifabschlüsse immer nur auf 12 Monate verhandelt werden!

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