IG BCE aktuell 6-2019

Versorgungslücke schließen – tarifliche Pflegeversicherung schaffen!

Dem medizinischen Fortschritt sei Dank: Wir werden immer älter. Zugleich jedoch nimmt die Zahl der Menschen zu, die auf Pflege angewiesen sind. Die gesetzliche Pflegeversicherung kann die Kosten der Pflege nicht decken. Die Finanzierungslücke könnte absehbar sogar wachsen. Mit ihrer Forderung nach einer tariflichen Zusatzpflegeversicherung greift die IG BCE das Thema innovativ und lösungsorientiert auf. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Bernard Jaubert

20.06.2019

Warum fordert die IG BCE eine tarifliche Pflegezusatzversicherung?

Pflege ist für viele Menschen ein echtes Sorgenthema. Schließlich fallen die Zahlungen der gesetzlichen Pflegeversicherung im Fall der Fälle eher mager aus. 40 Prozent der Pflegebedürftigen in Pflegeheimen rutschen in die Sozialhilfe, denn die Versorgungslücke – also der Betrag, den Pflegebedürftige über die gesetzlichen Zahlungen aus eigenen Mitteln aufbringen müssen - beträgt durchschnittlich 1.831 Euro. Umso wichtiger ist es, zusätzlich vorzusorgen.

Wie sieht das von der IG BCE favorisierte Modell für eine tarifliche Pflegezusatzversicherung aus?

Dazu gibt es bereits ein Vorbild: Ende 2018 haben IG BCE und der Henkel-Konzern einen branchenbezogenen Haustarifvertrag geschlossen, auf dessen Basis das Unternehmen seinen Beschäftigten seit Beginn 2019 eine betriebliche Pflegezusatzversicherung anbietet. Dabei können die Mitarbeiter für den Pflegefall vorsorgen, ohne dass sie während ihrer Beschäftigungszeit bei Henkel einen eigenen finanziellen Beitrag dazu leisten müssen.  

Wer steht hinter diesem Modell der Pflegezusatzversicherung?

Das Vorsorgepaket "CareFlex" wurde von der IG BCE Bonusagentur und der Deutschen Familienversicherungs-AG entwickelt. Es besteht aus drei Bausteinen. Die Basisabsicherung bietet allen Henkel-Mitarbeitern in Deutschland eine Grundsicherung für die ambulante, stationäre und teilstationäre Pflege. Mit der "Aufstockung" haben die Beschäftigten die Möglichkeit, ihren Versicherungsschutz individuell zu erhöhen. Der Baustein CareFlex Familie bietet eine zusätzliche Absicherung von Familienangehörigen wie dem Ehe- oder Lebenspartner, Kindern und Eltern. Der Versicherungsschutz greift sofort bei Versicherungsbeginn, also ohne Wartezeit und ohne vorherige Gesundheitsprüfung. Bei Austritt aus dem Unternehmen kann die Versicherung privat fortgeführt werden. Das Interesse an dem Angebot ist gewaltig, viele Henkel-Beschäftigte haben bereits eine Erweiterung auf die Familie angemeldet.

Die Bundesregierung plant derzeit eine "Pflegeoffensive". Was sind die Kernpunkte?

Im Kern geht es darum, den Pflegeberuf aufzuwerten, Beschäftigte besser zu bezahlen und die Attraktivität des Jobs zu steigern. Rund 1,4 Millionen Menschen arbeiten – oftmals zu Niedriglöhnen – in der Pflege, mehr als 40.000 Stellen sind unbesetzt. Das zur Offensive gehörige Gesetz für höhere Löhne in der Alten- und Krankenpflege hat die Bundesregierung bereits auf den Weg gebracht. Der vom Kabinett gebilligte Entwurf sieht vor, dass Gewerkschaften und Arbeitgeber einen Tarifvertrag etwa für die Altenpflege aushandeln. Dieser soll dann von der Bundesregierung als allgemeinverbindlich für die gesamte Branche erklärt werden. Zudem werden die Themen Arbeitsbedingungen und Mindestlöhne künftig durch eine ständige Kommission für die Pflege kontinuierlich und langfristig gesteuert.

Wie wirkt die IG-BCE-Forderung nach einer tariflichen Pflegezusatzversicherung vor diesem Hintergrund?

Sie kommt genau zur richtigen Zeit. Das ohnehin angstbesetzte Thema Pflege gewinnt zusätzlich an Schärfe und muss – zumal in der alternden Gesellschaft – künftig ehrlicher bearbeitet werden. Zu dieser Ehrlichkeit gehört, die drohende Versorgungslücke klar zu benennen und überzeugende Konzepte zu ihrer Schließung vorzulegen. Dabei ist vor allem der Staat gefragt. Als Zukunftsgewerkschaft erhebt die IG BCE allerdings auch den Anspruch, bei gesellschaftlich brennenden Fragen voranzugehen und für ihre Mitglieder zusätzlich eigenständige Lösungen zu entwickeln. Eine davon ist die nun geplante tarifliche Pflegezusatzversicherung: Sie mildert die im Alter drohende Versorgungslücke und liefert einen Lösungsansatz in der Debatte über das brisanter werdende Thema Versorgungssicherheit im Alter.

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