Mein Arbeitsplatz

Die Vorher-Nacher-Testerin

"Ich quäle das Material – das ist wichtig für unsere Qualitätsgarantie.", sagt Gabriele Wieloch (55), Qualitätsexpertin bei Dunlopillo.

Martin Leissl

Zerreißprobe - Gabriele Wieloch strapaziert den Kaltschaum für Matratzen aufs Äußerste. Zerreißprobe - Gabriele Wieloch strapaziert den Kaltschaum für Matratzen aufs Äußerste.
30.06.2014
  • Von: Katja Edelmann

Jetzt nicht erschrecken. Das knallt manchmal ganz schön bei der Zerreißfestigkeitsprüfung. Die Maschine zieht die Probe auseinander und misst den Weg und die Kraft, bis sie reißt. Dieser neu entwickelte Kaltschaum hat über 100 Prozent ausgehalten, das war sehr gut.

Dieser Würfel hier, eine weitere Probe, war über Nacht 18,5 Stunden in der Dauerschwingversuchsmaschine eingespannt: Mit 80 000 Hüben simulieren wir daran die Bewegungen, die man im Bett macht. Jetzt wird der Würfel dreimal zusammengedrückt und ich messe, was von der Härte und der Höhe übrig geblieben ist. Ich ›quäle‹ das Material. Das ist wichtig für unsere Qualitätsgarantie. 13 Prozent Härteverlust und 0,5 Prozent Höhenverlust – das ist ein wunderbarer Wert. Bei 5 Prozent liegt unsere Toleranzgrenze beim zweiten Wert. Die Dichte und die Härte sind das A und O, die machen die Qualität.

Als technische Angestellte bin ich seit 35 Jahren für die Qualität unserer Matratzen zuständig. Ich bin eine der Dienstältesten. Früher hatten wir auch Autositze und Kopfstützen, die wir getestet haben. Seit wir 2012 von Hanau nach Alzenau umgezogen sind, bin ich alleine im Labor. Meine Materialproben bekomme ich von der Produktentwicklung, vom Wareneingang und regelmäßig von der Produktion. Anhand der Prüfmaschinen sehe ich schon, wenn sich etwas an den Chargen
geändert hat. Als ich hier anfing, habe ich die physikalischen Eigenschaften wie Stauhärte, Dichte und Reißfestigkeit ohne Computer gemessen und berechnet. Dadurch, dass ich das früher manuell berechnet habe, habe ich das Gefühl, die Computermessungen besser zu verstehen.

Wenn ich mal nicht zufrieden mit den Qualitätsergebnissen bin, muss ich das Band stoppen. Dann renne ich mit einem Sperrband, das meine Kollegen von der Produktion nicht gerne sehen, durch die Werkhalle. Dieses Jahr ist das nur einmal passiert. Das muss ich aushalten, es ist mein Job. Dafür helfe ich gerne, wenn es die Zeit erlaubt, wo ich nur kann.

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