JAV-Wahlen 2014

"Weniger Ausbildungsplätze? Nicht mit uns"

Christopher Stiglmeier bringt so schnell nichts aus der Ruhe. Seit sechs Jahren ist der 24-Jährige in der Jugend- und Auszubildendenvertretung bei Freudenberger aktiv und blickt auf viele Erfolge zurück. Doch die jetzt bekannt gegebene Absicht des Unternehmens, das Ausbildungsangebot deutlich zu reduzieren, hat ihn geschockt. Und gleich die konzernweite Jugendvertretung auf den Plan gerufen.

Andreas Reeg

Christopher Stiglmeier: "Es gibt Fälle, die mehr als beweisen, wie sich das Engagement in der JAV auszahlt." Christopher Stiglmeier: "Es gibt Fälle, die mehr als beweisen, wie sich das Engagement in der JAV auszahlt. Nie vergessen werde ich, wie sehr und wie gerne ich mich für einen Kollegen in meinem Ausbildungsjahrgang eingesetzt habe."
02.10.2014
  • Von: Axel Stefan Sonntag

„Ich bin seit sechs Jahren in der Jugend- und Auszubildendenvertretung von Freudenberg. Und stolz darauf, dass wir in dieser Zeit einiges erreicht haben. Ein großer Erfolg war ohne Zweifel, dass wir bei der 2008 erfolgten Aufspaltung unserer Werkzeugbau-Sparte ganz besonders darauf geachtet haben, die hier rund 25 beschäftigten Azubis an anderen Stellen im Betrieb unterzubringen, so dass sie ihre Ausbildung ordentlich beenden konnten. Als Konzern-JAV hatten wir uns damals dafür entschieden, einen offenen Brief an die Geschäftsleitung zu verfassen. Und der kam an!

Unternehmen will Ausbildung drastisch kürzen

Die jetzt bekannt gegebene Absicht von Freudenberg Sealing Technologies, das gesamte Ausbildungsangebot deutlich zu reduzieren, hat mich allerdings geschockt – und viele offene Fragen hinterlassen. Wie kann es sein, dass man bei immer weniger Nachwuchs eine solche Entscheidung trifft? Warum ist es plötzlich nach all den Jahrzehnten Freudenberg als Familienunternehmen nicht mehr wichtig, gesellschaftliches Engagement zu übernehmen? Und was überhaupt passiert auf lange Sicht mit unserem Standort? 

Über solche und viele andere Dinge denke ich nach, werde permanent von jungen Menschen darauf angesprochen. Antworten zu geben, fällt mir in Situationen wie diesen nicht leicht. Manchmal finde ich ja selbst keine. Umso wichtiger ist es, dass sich alle JAV’ies der gesamten Freudenberg-Gruppe noch mehr zusammengeschweißt haben und derzeit einen Aktionsplan ausarbeiten. Und zwar in enger Zusammenarbeit mit unseren Betriebsratsmitgliedern, die uns „Newbies“ wirklich fantastisch unterstützen. Inzwischen haben wir sogar unsere Treffen zusammengelegt, um noch mehr Hand in Hand zu arbeiten.

Die JAV setzt sich für Schwächere ein

Wir mischen uns aber ebenso im normalen Alltag ein. Zum Beispiel bei einem so relativ lapidaren Thema wie das der Arbeitsklamotten. Sprich: Wer deren Reinigung oder vielmehr Neuanschaffung übernimmt. Denn die ursprünglich von Freudenberg nur bezahlte Erstausstattung, die eine Ausbildung lang halten soll, hält natürlich nicht solange. Die Abnutzungen im normalen Arbeitsalltag sind dafür einfach zu hoch. Nachdem wir uns der Sache annahmen, konnten wir unsere Chefs dazu bewegen, die Kleidung nun jährlich auszutauschen – und die Ausgaben meiner Kollegen zumindest etwas zu reduzieren.

Nie vergessen werde ich, wie sehr und wie gerne ich mich für einen Kollegen in meinem Ausbildungsjahrgang eingesetzt habe. Schon früh hatte ich die Vermutung, dass er aus einem schwierigen persönlichen Umfeld kommt, er es mit seiner Familie nicht leicht hat. 

Wir als JAV haben uns um ihn gekümmert, uns für ihn eingesetzt, auch gegenüber dem Ausbildungsleiter. Und dass, obwohl er manchmal ein bisschen schusselig und faul war… Trotzdem: Ich habe mit ihm zusammen gelernt und ganz sicher verhindert, dass er einige Prüfungen oder Arbeiten vermasselte. Auch mit seinem Vater haben wir uns zusammengesetzt. Im Endeffekt hat Freudenberg ihn zwar nicht übernommen, dafür aber ein anderer Betrieb auf unserem Werksgelände. Und dort hat er richtig Karriere gemacht. Sein Zeitvertrag wurde verlängert, irgendwann erhielt er einen unbefristeten Arbeitsvertrag, inzwischen ist er sogar Abteilungsleiter. Für mich war das mein erster eigener, persönlicher Erfolg als Jugendvertreter. Und darauf bin ich bis heute stolz.

Genauso wie darauf, durch die Mitgliedschaft in der IG BCE nicht nur besser vernetzt und gut geschult zu sein. Die Arbeit im Bezirksjugendausschuss (BJA) und im Landesbezirksjugendausschuss (LBJA) macht Spaß, die Leute sind auf meiner Wellenlänge. Alle respektiert, alle akzeptiert. So hat sich schon die eine oder andere echte Freundschaft ergeben. BJA und LBJA sind für mich inzwischen weit mehr als reine Arbeitstreffen.“
 

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