JAV-Wahlen 2014

„Durch Mitbestimmung haben wir gute Lösungen gefunden“

Wenn im Chemiewerk Bayer Material Science in Brunsbüttel Ende November eine neue Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) gewählt wird, ist Chris Wellnitz unter den Kandidaten der „Alte“. Der 23jährige tritt mit zwei Jahren Erfahrung für die JAV an, für die anderen vier Mandate hat er neue Bewerber gesucht. Gewonnen hat er sie mit dem, wovon er selbst fest überzeugt ist: der Mitbestimmung im Betrieb.

Cordula Kropke

Chris Wellnitz Große Probleme gebe es nicht, sagt Chris Wellnitz, weder mit Ausbildern noch mit der Übernahme, seit die für den „Normalfall“  tarifvertraglich durchgesetzt ist.
29.09.2014
  • Von: Sigrid Thomsen

„Durch Mitbestimmung haben wir gute Lösungen gefunden“, berichtet der ausgelernte Elektroniker selbstbewusst. „Zum Beispiel beim Stillstand der Anlagen 2014: Auszubildende wollten gern beim Auseinanderbauen des Dampfkessels und anderer Anlagenteile dabei sein, die nur bei Stillstand aufgemacht werden. Das war schwierig, weil Azubis keine Überstunden machen dürfen. Jetzt haben wir es so geregelt, dass die Zahl der Überstunden begrenzt wird und gar keine anfallen, wenn am nächsten Tag Schule ist.“ Verbesserungen hat die JAV auch für den Schulbesuch durchgesetzt: für Schulbücher wird jetzt eine Leihbücherei geführt, damit sich nicht jeder neue Berufsschüler neue Bücher kaufen muss.

Große Probleme gebe es nicht, sagt Chris Wellnitz, weder mit Ausbildern noch mit der Übernahme, seit die für den „Normalfall“ tarifvertraglich durchgesetzt ist. „Die Hälfte der etwa hundert Auszubildenden wird bei Bayer gleich unbefristet übernommen, die andere Hälfte zuerst nur für ein Jahr. Unsere Chancen sind gut, denn der Altersdurchschnitt im Betrieb ist hoch. Viele haben jung in den siebziger Jahren angefangen, als das Werk aufgebaut wurde. Die gehen alle gleichzeitig in den Ruhestand.“

Das Lösen der „kleinen“ Probleme macht Chris Spaß. Auch weil die Zusammenarbeit in seiner „Truppe“ so gut funktioniert. Andere allerdings sind für die Jugendarbeit nicht leicht zu gewinnen – vielleicht gerade weil der Druck nicht so groß ist. „Am besten kommt immer unser Grillfest für die neuen Azubis im September an“, erzählt der stellvertretende JAV-Vorsitzende. „Und die Feuerzeuge der IG BCE“.

Wie es anderswo läuft, erfährt Chris durch sein Engagement im Bezirksjugendausschuss der Gewerkschaft. Bei Bayer treten alle neuen Auszubildenden in den ersten zwei Wochen ein. Chris Wellnitz überzeugt sie nicht mit Werbegeschenken, aber mit den Vorteilen, die er auch selbst genossen hat.

Dazu gehören die Bildungsreisen der gewerkschaftseigenen FeJo: Mit ihr war der Schleswig-Holsteiner im vergangenen Jahr zwei Wochen an einer Schule in Kapstadt, um Englisch zu lernen. Und um Südafrika zu erleben: „Wir sind mit den Minibustaxen zur Schule gefahren wie alle anderen auch“, erzählt er mit leuchtenden Augen, “haben im Township Trommeln gelernt und Nelson Mandelas Zelle auf Robben Island besucht“. Enttäuscht war er ausgerechnet vom Endspiel beim Afrika-Cup im großen Stadion der Fußball-WM: „Da war weniger als ein Sechstel der 65 000 Plätze besetzt. Die Leute können sich den Eintritt einfach nicht leisten.“

Zum Lernen will der junge Gewerkschafter auch die neue JAV-Periode nutzen: „Während die Neuen die Grundlagenkurse besuchen, kann ich vielleicht den Rhetorik-Kurs belegen“. Vielleicht nützt das beim Verfolgen seines Lieblingsprojekts: dem Austausch von Auszubildenden zwischen den Bayer-Werken an der Westküste und in Krefeld und Dormagen. Für jeweils drei Wochen würden die Jugendlichen gern mal einen der anderen Betriebe kennenlernen und daraus einen neuen Blick auf den eigenen gewinnen. Wo sie dann wohnen und wie es sich mit der Berufsschule vereinbaren lässt, das lässt sich seit Jahren nicht klären. „Wir arbeiten dran“, sagt der Jugendvertreter. Im Lösen praktischer Probleme hat er Erfahrung.

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