Interview mit Sajid Khan

„Ausbildung schafft ein besseres Leben“

Als Jugendlicher musste Sajid Khan aus ethnischen und politischen Gründen aus seiner Heimat fliehen. Gemeinsam mit seiner Familie verließ er Bangladesch Richtung Europa. Heute, vier Jahre später, ist Sajid Khan 21 Jahre alt, lebt im nordrhein-westfälischen Gladbeck – und ist angekommen. Er hat einen festen Freundeskreis und macht eine Ausbildung bei der Evonik Industries AG zum Chemielaboranten. Im Interview erzählt er von kleinen Startschwierigkeiten und großen Chancen.

Frank Rogner

"Eine Ausbildung ist das Beste, was einem passieren kann", sagt der 21-jährige Sajid Khan. "Eine Ausbildung ist das Beste, was einem passieren kann", sagt der 21-jährige Sajid Khan.
20.03.2017
  • Von: Nadine Gewehr
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Sajid, du machst eine Ausbildung zum Chemielaboranten. War das immer schon dein Wunsch oder hast du genommen, was du kriegen konntest?

Sajid Khan: Nein. Seit meiner Kindheit faszinieren mich Naturwissenschaften. Mein Wunsch war es immer, in diesem Bereich zu arbeiten. Über die jeweiligen Berufsfelder musste ich mich aber erst einmal gründlich informieren als ich nach Deutschland kam. Hier ist ja alles anders als in meiner Heimat.

Die Umstellung muss wahnsinnig schwierig gewesen sein.

Ich habe mich am Anfang wirklich sehr verloren gefühlt. Ich bin in die Schule gegangen, wusste aber überhaupt nicht, wie das Schulsystem hier funktioniert. Ich war in einer internationalen Vorbereitungsklasse, es gab viele verschiedene Nationalitäten, nur leider keine Deutschen. Deshalb fiel es uns sehr schwer, Deutsch zu lernen.

Aber heute ist dein Deutsch sehr gut.

Danke. Mit der Zeit habe ich Freunde gefunden. Im Umgang mit anderen Menschen lernt man viel mehr als in der Schule. Was soziale Kontakte einem geben, können Schulbücher gar nicht leisten.

Wie bist du dann zu Evonik gekommen?

Ich war in Marl an einem Berufskolleg. In der 9. Klasse habe ich ein Betriebspraktikum in einem anderen Unternehmen gemacht. Es war nicht so einfach, mein Deutsch war noch zu schlecht. Aber von da an wusste ich, dass ich etwas im Bereich Chemie machen möchte. Zu Evonik bin ich dann über das Programm „Start in den Beruf“ gekommen. Ich wurde gefördert, hatte Sprachunterricht. Im Anschluss habe ich den Ausbildungsplatz bekommen.

Kannst du dich an deinen ersten Tag bei Evonik erinnern?

Oh ja. Ich habe in der 10. Klasse ein Praktikum im Hafenbetrieb absolviert. Am ersten Tag stand ich etwas verloren am Tor. Es war alles so groß, überall neue Eindrücke. Dann holte mich jemand ab. Ich wurde sofort herzlich aufgenommen und willkommen geheißen, das hat mir sehr viel bedeutet. Mittlerweile habe ich mich eingelebt, habe Freunde gefunden, mit denen ich auch in der Freizeit etwas unternehme.

Du scheinst dich sogar sehr schnell eingelebt zu haben, immerhin wurdest du prompt in die Jugend- und Auszubildendenvertretung gewählt.

Ja, das stimmt. Ich wollte einfach etwas zurückgeben. Die JAV hat mir sehr geholfen. Als ich dann die Chance bekam, Teil der JAV zu werden, habe ich schnell Ja gesagt. Es macht mich stolz, gewählt worden zu sein.

Jetzt kannst du auch anderen Flüchtlingen unter die Arme greifen.

Ja und das ist sehr wichtig. Ich weiß ja aus eigener Erfahrung, wie unsicher man ist, wenn man neu in den Betrieb kommt. Ich möchte ein Vorbild sein. Und zeigen: Wenn man etwas erreichen will, dann kann man es auch schaffen.

Du rätst jungen Flüchtlingen also dazu, sich um eine gute Ausbildung zu kümmern? Auch wenn vor allem der Start schwer sein kann.

Eine Ausbildung ist das Beste, was einem passieren kann. Denn wegen der Sprachprobleme können die Flüchtlinge vielleicht in der Theorie nicht so gut zeigen, was sie können. Bekommen sie die Chance, praktisch zu arbeiten, können sie zeigen, was sie drauf haben. Durch Ausbildung sichert man seine Zukunft. Ausbildung schafft ein besseres Leben.

Was wünschst du dir für deine Zukunft?

Ich bin jetzt im ersten Lehrjahr, die Ausbildung dauert dreieinhalb Jahre. Im Jahr 2020 möchte ich also Chemielaborant sein und einen guten Job finden.

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